Stephan Klasmanns "querformat": Ich will auf die Liste!!!

Soziale Ausgrenzung? Ächtung? Von wegen! Wer es auf diese Liste schafft, hat’s geschafft.

Ich weiß, es wird nicht leicht. Aber ich werde mir Mühe geben. Allein wenn ich an den Respekt denke, den mir das einbrächte, an das anerkennende ­Schulterklopfen, die Aufnahme in diesen elitären Kreis! Ich muss es auf die Liste schaffen. Irgendwie.

Welche Liste, fragen Sie? Ja, was glauben Sie denn, Sie Ignorant! Die „Liste der Schande“ natürlich. Das Register von Österreichs größten Steuerschuldnern, das der AK-Salzburg-Chef Siegfried Pichler und SP-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter derzeit so eifrig propagieren.
Warum, wollen Sie wissen? Na, Sie sind wirklich ein Ganglien-Gnom! Ganz einfach: Wer es auf diese Liste schafft, der hat’s geschafft. Zum Ersten muss man bedenken, dass man nur dann hohe Steuerschulden haben kann, wenn man vorher entsprechend hohe Einkünfte hatte. Das heißt, zehn Millionen Steuerschulden weisen mich bei der Elite dieses Landes sofort als 20fachen Millionär aus. Mit so jemandem will man schon mal gerne ins Gespräch kommen. Für lukrative Bauprojekte, das Sanieren von Bundeswohnungen, das Veruntreuen von Förderungen, Bankbeteiligungen in Kärnten … da gibt’s ja viele Sachen, die man lieber mit kompetenten Partnern macht.

Was, soziale Ausgrenzung? Ächtung durch die Gesellschaft? Sie haben wohl nicht alle? Im Gegenteil! Die Kreise, in die man da eingeführt wird. „Servus Meischi, hallo Karl-Heinz! Oh, Altmeister Doktor Androsch, meine Verehrung.“ Die Drei-Hauben-Lokale, wo unsereiner hingeht, die kann sich der neiderfüllte Pöbel eh nicht leisten. Und unter uns Steuersündern geht es dann um die Stellung im Ranking. Quasi Gesellschaftsspiel. „Sehen S’, gnädigste Gräfin Herberstein, heuer hab ich Sie schon überholt, und nächstes Jahr match ich mich dann mit dem Hannes Kartnig.“
Ja, es wird eine herrliche Zeit. Aber ich muss es eben erst auf die Liste schaffen. Irgendwie. Und sei es mit einer gefälschten Selbstanzeige. Opernball-Loge ist dagegen ja eine leichte Übung.

Doch aufgemerkt! Obwohl also ein aufrechter Fan des öffent­­lichen Steuerprangers, habe ich noch einen wesentlichen Verbesserungsvorschlag. Man sollte die Liste auch um jene ­ergänzen, die sich bei der Verschwendung von Steuermitteln besondere Verdienste erworben haben. Immerhin ist keine Steuern zu zahlen im Effekt das Gleiche wie sie zu verprassen – beides führt zu klammen Kassen. An erster Stelle kommen hier diejenigen, die für die sogenannte Hacklerpension verantwortlich sind, unter deren Titel vor allem vom Bürosessel gequälte Beamte in Rente gehen – mit Milliardenkosten für Österreich. Gute Chancen auf Platz zwei haben Käufer und Nachverhandler der Eurofighter, mit denen wir nun bedrohlichen Luftballonen nachjagen. Bronze geht an die Befürworter des Koralmtunnels, dem ge­messen am Preis-Leistungs-Verhältnis sinnlosesten Infrastrukturprojekt der Zweiten Republik. Für einen Ehren-Oscar in dieser Kategorie schlage ich Fritz Neugebauer vor, der mit bewundernswerter Hartnäckigkeit seit Jahren eine vernünftige ­Reform des Beamtenapparats verhindert.

Doch ich will natürlich nicht vorgreifen, bezaubernde Leserin, verehrungswürdiger Leser – sicher fallen auch Ihnen noch andere würdige Kandidaten ein. Sie brauchen wohl gar nicht erst lange nachzu­denken.

- Stephan Klasmann