Stephan Klasmanns "querformat": I had a dream …

Vom Schlafen ist ja heutzutage an sich schon abzuraten. Es ist einfach zu gefährlich. Man erwacht am nächsten Tag, und plötzlich ist alles anders. Vielleicht haben wir keinen Euro mehr, statt AAA gibt es Buchstabensuppe; die Aktienkurse sind ex- oder implodiert, Merkel ist statt gegen plötzlich für Euro-Bonds und Darabos statt für unvermittelt gegen die Wehrpflicht.

Dennoch bettete ich dieser Nächte mein müdes Haupt zur Ruhe und wurde prompt mit einem Alptraum bestraft, der offenbart, was mich angstvoll im Innersten umtreibt.

Ich saß in einem rumänischen Dacia und geriet nach nur wenigen Kilometern in einen Reformstau. Ein ÖAMTC-Helfer, der aussah wie Fritz Neugebauer, bot mir Mineralwasser an und meinte: „Gell, da staunen Sie – das ist eben der Fortschritt, wie wir ihn uns vorstellen.“ Ich nuckelte verlegen an der Wasserflasche, als Michael Spindelegger seinen Kopf beim Wagenfenster hereinsteckte und jede Verantwortung von sich wies: „Da kann man nichts machen, das ist unserem Einfluss entzogen.“

Als es endlich wieder weiterging, fuhr ich mit meinem Wagen eine steile Bergstraße hinunter, die Richtung Totes Meer führt. Ich wurde immer schneller, raste an einem Schild „2 km bis zur tiefsten Depression der Welt“ vorbei und trat heftig auf die Schuldenbremse. Doch nichts tat sich. Eine Warnlampe leuchtete auf: „Bremsweg 53 Milliarden Meter“. Eine dumpfe Angst beschlich mich, doch schließlich kam der Wagen im Hypo-Alpe-Adria-Telekom-KHG-Korruptionssumpf zum Stehen.

Ich untersuchte die Bremsen und stellte fest, dass die Scheiben ganz verrostet waren. Plötzlich tauchte Werner Faymann auf und reichte mir eine Feile: „Damit können Sie den Rost wegmachen, Sie Null.“ „Sind Sie Feilmann?“, fragte ich. „Nein, das ist einer meiner Facebook-Freunde.“ „Sie haben wirklich Freunde?“ „Nur virtuell.“

Eine Seilschaft aus Plech, Grasser und Meischberger zog mich schließlich am Haken des Antikorruptionsparagrafen aus dem Sumpf. Ich setzte meine Fahrt fort, doch das Konsumklima trübte sich immer mehr ein. Jetzt geriet auch noch der Konjunkturmotor ins Stottern, und die Tankuhr signalisierte ein Rekorddefizit. Ich stieg aus, um den Schaden zu besehen. Da begann es zu regnen. Ich holte den Euro-Rettungsschirm aus dem Kofferraum und stellte mit Erstaunen fest, dass es unterm Schirm stärker schüttete als außerhalb.

„Sie sind ja ganz flach“, tauchte plötzlich der ÖAMTC-Neugebauer wieder auf – und tatsächlich waren alle Reifen ohne Luft. „Als Beamter wäre Ihnen das nicht passiert!“ Ich suchte einen Hebel, um das Auto hochzuwuchten, doch eine Art Frau – ich glaube, es war Angela Merkel – nahm ihn mir wieder weg: „Den brauchen wir für den Rettungsschirm.“

Schließlich konnte ich meine Fahrt bis zu einer Mautstelle fortsetzen, hinter der sich ein gewaltiges Gebirge auftürmte. Maria Fekter sah mich aus dem Mauthäuschen scharf an, forderte 5.000 Euro Gebühr und warnte mich: „Das ist der österreichische Schuldenberg, da müssen Sie sich warm anziehen.“ Ich legte meine lukrativsten Handelsketten an, aber wegen des schlechten Konsumklimas drehten die Räder trotzdem durch. Verzweifelt rief ich den Abschleppdienst, als mir H.-C. Strache Handschellen anlegte: „Ha, Sie gemeiner Schlepper!“ „Aber ich habe doch nichts getan.“ „Und wo ist der Asylantrag für das rumänische Auto?“

Da erwachte ich schweißgebadet. Und seitdem frage ich mich, was weniger schlimm ist: Alpträumen oder Alpwachen.

- Stephan Klasmann