Herbert Hacker über die „Pinchos & ­Tapas Lounge Bar“ in Wien

Die Versuche, mit vegetarischen Lokalen zu punkten, häuften sich in letzter Zeit. Jüngstes Beispiel: das Tian gegenüber dem Ronacher.

Es sind die nicht ganz so populären Verwandten der Tapas: kleine spa­nische Häppchen, meist Brötchen oder Törtchen, mit allem möglichen ­belegt und mit einem Spießchen versehen, das alles zusammenhält – richtig, es sind die Pinchos, die artverwandten Minigerichte der Tapas.
In den einschlägigen Kneipen Spaniens lagern sie meist schon an der Theke, von dort nimmt man so viele man will und bezahlt hernach nach Anzahl der Spießchen, die man zu diesem Zwecke aufgehoben hat. Seit einigen Wochen gibt es in Wien nun ein Lokal mit eben diesen Pinchos. Nach eigenen Angaben handelt es sich dabei um „Wiens erste Pinchos & Tapas Lounge Bar“.

Die Einrichtung ist tatsächlich im typischen Lounge-Stil gehalten und wirkt ziemlich beliebig. Könnte überall auf der Welt sein und hat auf den ersten Blick mit Spa­nien recht wenig zu tun. Hinter einer Glasvitrine ­lagern aber die besagten Pinchos und altern gemütlich vor sich hin. Kein wirklich erbaulicher Anblick, der Appetit auf die Spieß-Häppchen macht.

Neben den Tapas stehen rund 20 Pinchos zur Auswahl, darunter ganz essbare wie das mit Schinken-Lauch-Salat oder jenes mit Blutwurst (Morcilla) und Apfel. Es sind aber auch welche in der Sammlung, die eindeutig in die Kategorie „missglückt“ fallen, wie etwa das „Törtchen mit Champignon und Flusskrebs“ oder die staubtrockene „Quiche San Sebastian“.

Den Kellnern merkt man an, dass sie ihren Job noch nicht lange machen. Es dauert ewig, bis die Pinchos aus der Küche kommen, also jene Häppchen, die man in Spanien meist in affenartiger Geschwindigkeit serviert ­bekommt – oder man greift eben selber zu und isst sie im Stehen an der Theke. Ansonsten: Das Weinangebot ist erschütternd mickrig, der Rioja, den der Kellner empfiehlt, untrinkbar. Sogar der Kaffee schmeckt wie ein Pfütze.

- Herbert Hacker