Geldtipp der Woche: Millionen Geschädigte beim größten Bankraub aller Zeiten

Sie gelten als wichtigste Daten der Finanzwelt. Sie beeinflussen laut Nachrichtenagentur Bloomberg Geldanlagen im Ausmaß von 360.000 Milliarden Dollar. Und sie wurden offenbar systematisch manipuliert. Die Rede ist von den in London ermittelten Libor-Zinssätzen für kurzfristige, maximal ein Jahr lang dauernde Zinsperioden von gängigen Währungen wie Dollar, Euro, Franken, Pfund und Yen.

Diese gelten nicht nur als Referenzsatz für Kredite, die sich die Banken untereinander am sogenannten Geldmarkt gewähren, sondern auch für zahlreiche Konsumentenprodukte. So beruht ein Großteil der Privat- und Immobilienkredite in Österreich entweder auf Libor- oder ähnlich konstruierten Euribor-Zinssätzen.

Banker beim Schwindeln ertappt

Täglich werden Libor und Euribor aufgrund einer Befragung mächtiger Großbanken über ihre aktuellen Konditionen fixiert. Beim Libor ist die altehrwürdige British Banker Association dafür letztverantwortlich. Doch plötzlich wollen die feinen Herren im Nadelstreif am liebsten gar nichts mehr mit dem Libor zu schaffen haben. Denn – how shocking! – die Zinssätze wurden offenbar seit Jahren zu tief angesetzt.

Hintergrund: Wegen der Finanzkrise geben viele Banken zu niedrige Werte an. Sie wollten nicht zugeben, dass sie wegen ihrer angegriffenen Bonität eigentlich viel höhere Zinsen zahlen müssen, um noch von anderen Banken Bares zu bekommen. Der Schaden ist gigantisch: Angenommen, die Liborsätze wurden im Schnitt um einen Zehntel-Prozentpunkt nach unten „korrigiert“, ergibt das bei 360.000 Milliarden Dollar eine Schadenssumme von 360 Milliarden Dollar pro Jahr oder umgerechnet 275 Milliarden Euro. Ahnungslose Mitgewinner bei diesem „Bankraub“ waren praktisch alle Kreditnehmer, die tiefere Zinsen zahlten.

Geschädigt wurden aber alle, die Geld auf Basis von Libor oder Euribor einlegten, darunter zum Beispiel Millionen heimische Bausparer. Zwar laufen derzeit bereits einige Großanleger-Klagen, der Ausgang ist aber ungewiss. Obendrein ist die Möglichkeit, sich als Privatkunde anzuschließen, eher unrealistisch. Man kann aber zumindest als Sparer Produkte meiden, die sich an Libor oder Euribor orientieren, wie etwa Geldmarktfonds, und stattdessen zum guten, alten Sparbuch greifen. Dort bekommt man aktuell laut bankenrechner.at für ein Jahr Bindung bis zu 2,75 Prozent Zinsen. Der Zwölfmonats-Euribor (und der Zwölfmonats-Libor für den Euro) liegen nur bei 1,55 Prozent.

- Martin Kwauka