Geldtipp der Woche: Letzte Frist für Polizzen
mit mehr Prozenten.

Vier Prozent garantierte Zinsen bekommt man derzeit auf keinem Sparbuch mehr, selbst drei Prozent findet man nur nach intensiver Suche. Doch es gibt bis zum 21. Dezember 2012 ein letztes Zeitfenster, bei Versicherungen für frisches Geld hohe Zinsen wie früher zu bekommen.

Ab diesem Stichtag wird aller Voraussicht nach die Garantieverzinsung für neue Lebensversicherungsverträge von bisher 2 auf 1,75 Prozent gesenkt. Doch es steht wesentlich mehr auf dem Spiel. Wer eine ältere Lebensversicherung besitzt und bis zum Winterbeginn 2012 noch aufstockt, kann sich im besten Fall sogar 4 Prozent Garantiezinsen sichern – und das ohne zeitliches Limit. Grundsätzlich kann nämlich die Einzahlung sowohl bei Verträgen mit laufender Prämie als auch bei Einmalerlagen verdoppelt werden, ohne dass sich der Garantiezinssatz oder die Laufzeit ändert.

Wer also zum Beispiel einen alten Vertrag mit 100 Euro Monatsprämie besitzt, kann auch 200 Euro einzahlen. Es ist sogar möglich, die Aufstockung mit einem Einmalbetrag zu erledigen. Beispiel: Wer laut Vertrag 20 Jahre lang jeweils 1.000 Euro, also insgesamt 20.000 Euro überweist, kann zu Zeitpunkten seiner Wahl bis zu 20.000 Euro nachlegen. Das kann im besten Fall gleich mehrere Vorteile kombinieren:

● Erstens kann man noch von den höheren Garantiezinsen profitieren, die zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses galten. Am interessantesten ist das bei Verträgen mit 4 Prozent, die zwischen Anfang 1995 und Juni 2000 erlaubt waren. Danach sank der maximal erlaubte Garantiezinssatz auf 3,25 Prozent und später in Etappen auf den aktuellen Wert von glatt 2 Prozent (siehe Grafik ).

● Zweitens gelten bei Pensionsversicherungen bei einem Teil der Altverträge noch bessere Verrentungsfaktoren, man bekäme dann also zum Beispiel für 100.000 Euro angespartes Kapital noch eine höhere lebenslange Zusatzpension als bei neuen Tarifgenerationen. Grundvoraussetzung ist, dass der Vertrag mit sogenannten garantierten Rententafeln ausgestattet ist.

● Drittens kann man so Einmalzahlungen leisten, die nicht der jetzt geltenden Mindestbindefrist von 15 Jahren unterliegen. Wer also noch eine ältere Polizze besitzt, sollte sich erkundigen, welcher Garantiezins angewendet wird und welche Aufstockung möglich ist. Achtung: Nicht immer hat jede Versicherung den maximalen Garantiezinssatz angewendet. Es kann also durchaus Polizzen aus der Zeit zwischen den Jahren 1995 und 2000 geben, für die nur 3 Prozent oder sogar noch weniger garantiert werden.

Umbruch am 21. Dezember

Ab dem Stichtag könnte es endgültig zu spät sein, um Altverträge noch zu lukrativen Konditionen aufzustocken. Hintergrund ist, dass nicht nur der Garantiezinssatz gesenkt wird (was noch offiziell verlautbart werden muss), sondern auch eine Umstellung aller neuen Tarife auf die Unisex-Regeln der EU erfolgt. Männer und Frauen zahlen dann für alle neuen Verträge gleiche Versicherungsprämien. Unter „neu“ versteht die EU auch Altverträge mit Vertragsänderungen wie etwa einer Prämienaufstockung. Da Unisex zu einer kompletten Änderung der Polizzenkalkulation führt, könnten dann Versicherungen die Aufstockung verweigern.

- Martin Kwauka