FORMAT-Gourmettipp: Das Stadthaus in Wien

FORMAT-Gourmettipp: Das Stadthaus in Wien

Leser dieser Kolumne werden sich vielleicht noch erinnern: Mehrmals war an dieser Stelle von Florian Cmyral die Rede, einem jungen, hoch begabten Koch, der das französische Traditionsrestaurant „Salut“ von seinem Vater übernommen hatte. Das „Salut“ war eine Institution, eines der ganz wenigen französischen Lokale in bester Innenstadtlage. Jahrzehnte wurden dort klassische französische Gerichte gekocht, unter der Führung von Florian Cmyral wurde dann auch eine erstaunlich kreative Küche geboten.

Cmyral war ein Produktfanatiker, er überraschte immer wieder mit neuen Ideen, ließ sich unter anderem herrliches Fleisch kommen, etwa einen „Deckel von der Hochrippe“ („Le Haut de la Côte“) oder eine L’onglet, in Wien eine Seltenheit. Im Vorjahr sagte er dann leider Salut und sperrte das Lokal zu. Die Begeisterung, zu kochen, war größer als jene, Gastronom zu sein. Jetzt hat ein neuer Besitzer das Ruder übernommen, der Gastronom Christian Führich, er nennt das Lokal „Das Stadthaus“.

Kommen wir gleich zur Sache: „Das Stadthaus“ ist leider so beliebig wie eine leere Schuhschachtel. Aus dem einst sympathischen „Salut“ ist eine seelenlose Lokalität mit Wiener Küche von Allerweltsqualität geworden. Freunde von Convenience-Food hätten mit der Grießnockerlsuppe sicher ihre Freude, das Beef Tatar versteckt sich zu Recht unter einem riesigen Berg Zwiebelringen, das Wiener Schnitzel ist nicht einmal guter Durchschnitt. Sagenhaft aber, was sich unter der Bezeichnung „Braten vom Tullnerfelder Schwein“ verbirgt. Eine unansehnliche Gemengelage aus Knödel, Sauerkraut und Bratenfleisch, optisch so ansprechend, dass einem die alte Volksweisheit „das Auge isst mit“ wie blanker Hohn vorkommen muss. Die Weine im Angebot können nichts mehr retten, das „ Salut“ hat sich damit ins Grenzland der absoluten Bedeutungslosigkeit verabschiedet. Und tschüss.

NAME: Das Stadthaus
ADRESSE: 1010 Wien, Wildpretmarkt 3
TELEFON: 01/532 21 93
ÖFFNUNGSZEITEN: tägl. 11–23 Uhr
PREISE: Vorspeisen bis 11,20, Hauptspeisen bis 18,90 Euro

- Herbert Hacker