Es müsste ein griechisches Wunder geschehen

Fakt ist: Jeder Cent, der im aktuellen politischen Chaos Richtung Athen fließt, verkommt zu einer Geldverbrennungsaktion.

Dass eine Regierungsbildung in Athen nach dem politischen Erdrutsch durch die Wahlen vom Sonntag, zum Ding der Unmöglichkeit verkommen ist, dämmert langsam den unverbesserlichsten Optimisten. Damit stehen weitere Hilfsmilliarden durch IWF und EZB „on hold“. Die Troika hat ihren geplanten Mai-Besuch bereits abgeblasen. EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen hat den Griechen die Rute ins Fenster gestellt und einen Euro-Austritt erstmals in den Mund genommen.

Fakt ist: Jeder Cent, der im aktuellen politischen Chaos Richtung Athen fließt, verkommt zu einer Geldverbrennungsaktion. Da Griechenland laufend Zinsen für bestehende Anleihen tilgen muss, ist es nur eine Frage von Wochen, bis den Hellenen das Geld ausgeht.

Es drängt die Zeit. Der einzige Ausweg: Neuwahlen! Die könnten zwar sehr rasch durchgezogen werden, das Ergebnis dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach, aber kaum besser ausfallen als am Sonntag. Ganz im Gegenteil, das Risiko einer Verschärfung des Chaos ist weit höher, als die Chance auf eine solide Regierungsbildung. Die linke SYRIZA wird noch mehr Zulauf bekommen.

Euro-Aus für Hellas praktisch fix

Nicht nur die Unregierbarkeit Griechenlands ist damit traurige Gewissheit, sondern defacto der Abschied Griechenlands aus dem Euro. Es spricht nichts mehr für einen Verbleib der Hellenen in der Euro-Zone. Der Karren ist an die Wand gefahren und die Griechen tragen dafür in großem Maße selbst die Verantwortung. Die Wahl war ein klares Votum gegen den Euro.

Das Ende der griechischen Tragödie wird jedenfalls bitter. Die Euro-Zone wird das zwar monetär problemlos schultern können, die Gefahr einer erneuten Ansteckung von Spanien und Portugal ist nach einem solchen Eingeständnis allerdings sehr hoch und kann existenzbedrohende Ausmaße für den Euro als Ganzes annehmen.

Allerdings erst in einem zweiten Schritt, denn zu allererst dürften die Börsen sogar in Jubelstimmung ausbrechen, wenn das Griechen-Aus bekannt wird. Die Fangemeinde gegen Griechenland ist bekanntlich finanziell sehr potent. Eine „Exit-Hellas-Rally“ wäre keine Überraschung.

Sobald der Austritt Griechenlands – freiwillig oder durch die Märkte erzwungen – bittere Realität ist, werden dann auch die Griechen aufwachen. Denn das was sie sodann an Einschnitten und Leid erwartet, wird die aktuelle Sparlast noch um ein Vielfaches übersteigen. Die Folge: Radikale Parteien werden noch mehr Zulauf bekommen und Griechenland könnte zur sozialen Isolationszone Europas verkommen. An das Märchen einer geldabwertenden Selbstheilung zu glauben, wird zu einem bösen Erwachen führen. Griechenland wird zumindest ein Jahrzehnt verlieren.

- Jochen Hahn

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