Wie neue Selbständige und Ein-Personen-Unternehmen ums Überleben kämpfen

Andrea Ausweger, "Salzburger Apothekenführer“

Andrea Ausweger hat eine der wesentlichsten Voraussetzungen für den täglichen Kampf der Einpersonenunternehmen um Kunden und Aufträge: Sie ist ein unermüdlicher Wirbelwind und hat eine Überzeugungskraft, mit der sie Eskimos Kühlschränke verkaufen könnte. Sie aber brachte damit Ärzte und Apotheker zum Werben - obwohl sie das eigentlich nicht dürfen. Aber begonnen hat Ausweger bei den "Salzburger Nachrichten“ als Layouterin in der Lokalredaktion. Mit ihrer mitreißenden Überzeugungskraft qualifizierte sie sich aber schon bald für die Anzeigenabteilung und leitete dort 14 Jahre lang den Bereich "Gesundheit“. "Mich hat damals immer gestört, dass Ärzte und Apotheken nicht direkt werben dürfen. An diese Zielgruppe wollte ich aber heran.“ Ausweger entwickelte dafür ein eigenes Produkt, den "Salzburger Apothekenführer“, und machte sich zur Umsetzung ihrer Geschäftsidee selbständig. Der "Salzburger Apothekenführer“ bietet den kompletten Überblick der Nachtdienstapotheken von Stadt und Land und gibt darin dem Leser von der Apothekerkammer gestaltete hilfreiche Tipps. Das Ganze in Kooperation mit den "SN“. Und natürlich gibt es das Produkt auch schon in Kärnten und Vorarlberg. Ausweger: "Der Start war nicht leicht. Ich habe das erste Jahr nur von meinen Rücklagen gelebt. Und ich habe gewusst, dass ich von meinen ersten Einnahmen sofort Rücklagen bilden muss, weil nach drei Jahren ja das Finanzamt kommt.“

Robert Bauer, Projektplaner

Begonnen hat alles mit einem Lehrgang. 2003 war Robert Bauer angestellter Geschäftsführer in einem Betrieb für Stahlbaukonstruktionen mit 20 Mitarbeitern. Ein Vortrag zum Thema "Akademischer Business Manager“ rüttelte den gelernten Werkmeister für Maschinenbau auf, und Bauer setzte sich ein Ziel: "In fünf Jahren wollte ich mein eigener Herr sein. Dann kam das Jahr 2008, und ich habe mir gesagt: Hey, jetzt musst du aber wirklich etwas tun.“ Bauer entwickelte einen Businessplan und kündigte schnell entschlossen seinen Job. Heute macht er das, was er vorher getan hat. Aber als One-Man-Show und auf seine eigene Rechnung. Bauer plant und entwickelt Lösungen für Stahlbauten. Zum Beispiel für ein Bürogebäude in Gmünd, für den Dachausbau einer Wohnanlage in Krems oder eine Halle für das Fernheizwerk in Groß-Siegharts. Keine kleinen Sachen also. Aber wenn Bauer ein neues Projekt an Land gezogen hat und die Planung steht, sucht er sich dafür die besten ebenfalls eigenständigen Professionisten als Partner zur Umsetzung. Bauer: "Ich bin hauptsächlich in der Region rund um das Waldviertel tätig. Da habe ich ein hervorragendes Netzwerk und kann die besten Partner für die jeweilige Aufgabe finden.“ Bauers Geschäftsmodell ist sofort aufgegangen. Im vergangenen Jahr konnte er einen Umsatz von 680.000 Euro verbuchen. Durch den Schritt in die Selbständigkeit hat er sein Motto "Mehr Raum für wichtige Dinge“ verwirklicht.

Eik Breit, Musiker und Kabarettist

Eik Breit ist ein fröhlicher Mensch, aber das neue Jahrtausend begann für ihn schlecht: Konkurs im Jahr 2001, unverschuldet. Er hatte sein EAV-Geld (der Musiker und Kabarettist ist Gründungsmitglied jener Band, welcher TV-Star Klaus Eberhartinger einst vorstand) in das Café einer Bekannten investiert und im Gesellschaftervertrag unbemerkt fremde Haftungen übernommen. Als künstlerischer Intendant des Festivals "Jazzsommer Graz“ kam er danach zwar rasch wieder auf die Füße, der Veranstaltungsreihe wurden jedoch von der steirischen Landesregierung als Folge diverser Sparpakete die Subventionen entzogen. Als freier Musiker und Kabarettist ließ dann die Auftragslage zu wünschen übrig, Reserven anzulegen hatte Breit verabsäumt. Genau in diese Phase fielen, ein EPU-Klassiker, Nachzahlungsforderungen der SVA und Vorauszahlungsforderungen der Finanz: Breit war neuerlich pleite. Er bot eine 20-prozentige Quote als stillen Ausgleich an. Das Finanzamt stimmte zu, die Sozialversicherung lehnte ab. "Die konnten gar nicht anders und argumentierten, die Gesetzeslage zwinge sie dazu“, erinnert sich Breit. Es kam zum Privatkonkurs. Der endete, skurril genug - mit einer 20-prozentigen Quote. Plus Abwicklungskosten in derselben Höhe; Breit zahlte der SVA also, was er ursprünglich angeboten hatte - nur musste er Zusatzkosten für Anwälte, Masseverwalter und Behörden übernehmen. Nun lebt er wieder von den bescheidenen EAV-Tantiemen, die nach wie vor tröpfeln, und feilt an neuen Kabarettprojekten. "Immer noch ärgere ich mich über die verstockten Bedingungen der SVA, die gegen jede Logik sind“, kommentiert Breit sein persönliches Desaster. Fröhlich ist er aber immer noch.

Helmut Klaffenböck, IT-Berater

Helmut Klaffenböck ist die EPU-Erfolgsstory schlechthin. Nichts von dem, womit viele Einpersonenunternehmer zu kämpfen haben, ist ihm zugestoßen. Ins Geschäft rutschte der IT-Berater, als er neben dem Publizistikstudium in Salzburg für Kommilitonen, die Agenturen gründeten, nebenbei deren erste PCs servicierte. Eins gab das andere, die Sache brummte von Anfang an. Klaffenböck betreut heute zum Beispiel die komplette IT von Grayling, Österreichs größter PR-Agentur. Zuhause ist er in Hof bei Salzburg, in Wien unterhält er eine Wohnung als Bleibe, wenn er bei Kunden ist. "Das taugt den zwei Kindern“, sagt er, "wenn sie vom Land in die Stadt können.“ Werbung macht Klaffenböck nicht, nicht einmal eine Website besitzt er, ist auch nicht nötig. Denn der Mann ist derart gut im Geschäft, dass er kaum weiß, wie er neue Aufträge abarbeiten soll. "Man wird weitergereicht“, erklärt er seine seit Jahren unverändert erfolgreiche Akquisitionsstrategie. Durchhaltevermögen, Fleiß, Flexibilität und in gewissem Maß Verzicht auf Privatleben seien Voraussetzung, um als Einmannunternehmen zu punkten. "Man muss mit ganzem Herzen und Einsatz bei der Sache sein, sonst klappt es nicht“, sagt Klaffenböck. Es gehe ums Ausfüllen von Nischen und das Vermeiden von Fallen: "Ich habe immer sorgfältig darauf geachtet, dass Reserven vorhanden sind, wenn Zahlungen anstanden - und dass ich nie Probleme mit der Eigenmittelausstattung bekomme.“

Franz Lazarus, Grafiker

Es ist gar nicht lange her, da hatte der Grazer Grafiker Franz Lazarus echte Probleme: Aufträge gingen, Fixkosten blieben, Finanzamt und Sozialversicherung standen fordernd vor der Tür. Lazarus dachte ans Aufgeben: "Mein Steuerberater sagte, dass es besser wäre, einen Job zu suchen.“ Die Suche brachte keine Anstellung, dafür einen Kunden, der sich nach und nach zum Großauftraggeber entwickelte. Seither läuft das Werk reibungslos.

Inzwischen kämpft Lazarus damit, überbordende Aufträge zu bewältigen. Sein Einpersonenunternehmen mutierte vor kurzem zur Agentur mit Mitarbeitern, aus dem Arbeitsraum in der Privatwohnung wurde ein 140-Quadratmeter-Büro unweit der Innenstadt. Was den Unterschied zwischen Problemen und Erfolg ausmacht? "Ich weiß es nicht“, sagt Lazarus. "Sicher trete ich heute selbstbewusster auf. Letztendlich spielt wohl Glück oder Pech eine große Rolle.“ Mit Behörden hat er, als die Probleme übermächtig waren, auf die weniger angenehme Weise Bekanntschaft gemacht: "Klar habe ich die alle persönlich kennengelernt, als ich nicht zahlen konnte, vom Finanzamt bis zur Sozialversicherung.“ Jedoch sei zu differenzieren: "Die Sozialversicherung kennt nur dann kein Pardon, wenn du dich nicht rührst. Wenn man sich versteckt, sind sie erbarmungslos.“ Im Dialog agiere der Apparat durchaus konziliant. Probleme, die für ihn Geschichte sind: Lazarus überlegt eine Expansion nach Wien.

Petzy Panholzer, Gebärdensprache-Dolmetscherin

Petzy Panholzers Arbeitsplatz ist Europa, die viel beschäftigte Gebärdensprache-Dolmetscherin ist im österreichischen Parlament und im Wiener oder Grazer Gemeinderat ebenso zuhause wie in Amsterdam, Sofia oder Budapest. Denn sie kann, was nicht viele ihrer Zunft beherrschen: in mehreren Sprachen dolmetschen. Und das in beide Richtungen: gesprochene Sprache in die Welt der Gehörlosen übersetzen - und "voicen“, was Gehörlose in Gebärdensprache sagen. Aber gut gebucht zu sein heißt in dieser Branche wenig. Denn im Vergleich zu den Lautsprache-Dolmetschern sind Panholzer und ihre Kollegen oft schlecht bezahlt, teilweise sogar extrem schlecht. Dazu kommen stressige Arbeitszeiten, ausufernde Reisestrapazen, Hotelübernachtungen und damit auch Kosten ohne Ende. "Für eine alleinerziehende Mutter wie mich war das oft sehr schwer unter einen Hut zu bringen“, sagt Panholzer. Heute ist der Nachwuchs zwar erwachsen genug, um allein gelassen zu werden. Dafür schmerzt nach wie vor die vielerorts fehlende gesellschaftliche Akzeptanz: "Oft werden wir ins soziale Eck gestellt, während unsere Kollegen vom Lautsprache-Dolmetschen hoch angesehen sind.“ Hinzu kommen auch für Panholzer die EPU-typischen Troubles mit Finanzamt, Sozialversicherung und anderen Behörden. "Da muss ich eben durch“, sagt sie. In der Gebärdensprache sieht die entsprechende Geste wie ein entschlossener Handkantenschlag aus. Das passt.

Nachzahlungen an die Sozialversicherung, Vorauszahlungen an die Finanz, behäbige Behörden, wenig flexible Politik: 300.000 neue Selbständige und Ein-Personen-Unternehmen kämpfen täglich ums Überleben. FORMAT zeigt, wo die Probleme liegen, und präsentiert sechs Beispiele zwischen Erfolg und Untergang.

Sie sind bereits ein Heer von 300.000 - und manche von ihnen werden unruhig. Per Flashmob vor dem Sozialministerium, durch Rudelbildung auf Facebook oder über zunehmende Beschwerden bei diversen Anlaufstellen der Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft (SVA) weisen sie auf ihre Lage hin. Viele der sogenannten "Einpersonenunternehmen“ (EPU) kämpfen wirtschaftlich ums Überleben und liegen mit der Wirtschaftskammer (WKO) und der Sozialversicherungsanstalt (SVA) im Clinch.

Doch es gibt auch Kleinstunternehmer von einem anderen Schlag. Sie hatten das Angestelltendasein satt und kämpfen jetzt lieber alleine und selbständig um Kunden und Einkommen. Viele davon mit großem Erfolg (siehe Fallbeispiele). Sie haben gelernt, wie man Geschäftsmodelle entwickelt, Businesspläne schreibt und Kunden akquiriert. Ihr Lohn ist die Unabhängigkeit. Auch wenn die so weit geht, dass an Wochenenden gearbeitet wird und der Arbeitstag locker zehn Stunden hat. Manche von diesen Vollblut-Einzelunternehmern kommen sogar auf ihre Rechnung und verdienen deutlich mehr als in ihrem früheren Angestelltenleben. Doch diese Gruppe ist klein.

Die wachsende Zahl der neuen Einzelunternehmer symbolisiert einen Wandel in der Beschäftigungsstruktur - nicht nur der österreichischen Wirtschaft. Unternehmen bauen aus unterschiedlichen Gründen die Anzahl der nach Kollektivverträgen angestellten Mitarbeiter ab. Da der Arbeitsmarkt diese aber nicht wieder aufnehmen kann, wählen sie den Weg in die Selbständigkeit. Und so wird das Problem von der Sozialversicherungsanstalt der Angestellten auf jene der gewerblichen Wirtschaft geschoben. Eine Lösung ist das nicht. Deshalb kämpfen die Einpersonenunternehmen wie wild um Erfolg und Überleben.

Die immer selbstbewusster auftretenden Mikro-Entrepreneure passen so gut wie gar nicht mehr in das über Jahrzehnte tradierte Bild vom Unternehmertum, wie es WKO, SVA und wohl auch der Gesetzgeber nach wie vor haben. "Aber Einpersonenunternehmen sind Speedboote“, sagt die Wirtschaftsberaterin Martina Schubert, selbst ein EPU. Flexible und wendige, kleine Wirtschaftseinheiten seien das - mit völlig anderen Bedürfnissen und Erwartungen, als herkömmliche Unternehmen sie haben. Schubert berät Gründer, neue Selbstständige und Ich-AGs bei der Planung und Umsetzung ihrer beruflichen Selbständigkeit. In zahllosen Seminaren und Coachings hat sie sich in das Denkuniversum der Einzelunternehmer eingearbeitet und kann nachvollziehen, warum die meisten von ihnen sich mit Institutionen wie Kammer oder Sozialversicherung so schwer tun.

"Einpersonenunternehmen wollen einfach nur ihre Arbeit machen, ausreichend Geld verdienen und mit dem Thema Verwaltung nicht zu viel zu tun haben“, sagt Schubert. Vielen Einmannfirmen geht es viel eher um persönliche Zufriedenheit im Job oder Selbstverwirklichung - oder auch einfach darum, das zu tun, was sie schon immer machen wollten.

Das Leben ist kein Wunschkonzert

Aber das wirkliche Leben ist eben kein Wunschkonzert. Und so klafft zwischen den Mikrounternehmern und den vergleichsweise traditionell agierenden Apparaten der heimischen Wirtschaftsverwaltung eine immer breiter und tiefer werdende Kluft. Vor allem zwischen besonders schlecht verdienenden "Neuen Selbständigen“ und der SVA kracht es.

Grund des Zwists: Die SVA ist gesetzlich dazu verpflichtet, eine Mindestbeitragsgrundlage einzuheben. Das führt dazu, dass wenig bis gar nichts verdienende Einpersonenunternehmen in Relation zum Einkommen weit höhere Sozialversicherungsabgaben leisten müssen als gut verdienende Einmannunternehmer. Alexandra Glander, ebenfalls ein EPU, hat auf der Facebook-Plattform "Amici delle SVA“ errechnet, dass bei einem Gewinn von 10.000 Euro im Jahr rund 34 Prozent an Sozialversicherungsabgaben fällig sind. Beträgt der Gewinn 100.000 Euro, müssen nur noch etwas mehr als 15 Prozent davon abgeführt werden. Eine Quote, die besonders schlecht verdienende EPUs (immerhin ein Viertel aller Mikrounternehmer setzen brutto nicht mehr als 30.000 Euro pro Jahr um, wovon auch Kosten und Steuern abzuziehen sind) oft an den Rand des Konkurses treibt.

Moderne Sklaven

Als moderne Sklaven sehen sich manche EPUs daher bisweilen: gefesselt von Abgaben, schlecht entlohnt, in unsicheren Prekariats- und sonstigen ungünstigen Auftragsverhältnissen steckend, ausgebeutet, unabsehbaren Risiken ausgesetzt, von Kammer und Sozialversicherung bis zum letzten Cent in ihrem Geldbörsel verfolgt.

Das Problem dabei: Vor allem die Sozialversicherung kann gar nicht so, wie sie vielleicht möchte. "Uns sind vom Gesetz her einfach die Hände gebunden“, bedauert SVA-Chef Peter McDonald, der inzwischen zu Vertretern der EPU-Facebook-Gruppe durchaus eine gute Gesprächsbasis aufgebaut hat. So kommt es relativ oft zu Exekutionen und gar nicht so selten zu kuriosen Sachverhalten, wie etwa im Fall des Grazer Musikers Eik Breit (siehe Fallbeispiele).

Die Sozialversicherung muss bei Beitragsrückständen relativ rasch das Mittel der Exekution anwenden, weil das Gesetz es vorsieht. "Wir sind wie in vielen Fällen leider auch hier nur der Pianist, der nach den Noten anderer zu spielen hat“, weist McDonald jede Schuld von sich. Auch wenn sich schwer abschätzen lässt, wie groß der Spielraum tatsächlich ist, den die SVA-Exekutoren nützen können - oder könnten: Gar nicht wenigen Einpersonenunternehmen brechen die SVA-Forderungen endgültig das finanzielle Rückgrat, und sie schlittern in den Privatkonkurs. 9.596 private Insolvenzen gab es 2011 in Österreich, rund 14 Prozent davon betrafen Einzelunternehmer - deutlich mehr als deren Anteil an der Gesamtbevölkerung.

In der Wirtschaftskammer Österreich ist man sich der Probleme der neuen Einzelkämpfer bewusst. Mit einem umfangreichen Forderungskatalog an die Politiker versucht man, gesetzliche Rahmenbedingungen zu ändern (siehe Interview mit WKO-Chef Leitl ). Per Gesetz sind EPUs zwar Mitglied in der Wirtschaftskammer, die stellt sich gerade auf diese neue Art des Unternehmertums, das sich erst in den letzten Jahren so richtig zu entwickeln begonnen hat, ein. Es gibt umfangreiche Informationshilfen, Von der Erstellung von Business- bis zu Finanzplänen ist über eine eigene EPU-Plattform online alles abrufbar.

Von den rund 300.000 Einpersonenunternehmen, die es derzeit in Österreich gibt, sind über 40.000 sogenannte "neue Selbständige“. Diese Gruppe existiert seit 1997, als der Gesetzgeber den Sozialversicherungsschutz auch auf Angehörige neu entstandener Berufe ausweiten wollte. Jeder, der selbständig arbeitet, dies jedoch ohne Gewerbeschein tut, fällt darunter: freie Journalisten ebenso wie selbständige Krankenpfleger, Psychotherapeuten oder Jugendbetreuer. Selbst Totengräber, Piloten oder Animateure können laut einer Liste des "Forums zur Förderung von Selbständigkeit“ unter Umständen dazu zählen. Alle neuen Selbständigen sind zwar in der SVA zwangsversichert, in der WKO aber nicht Mitglied, haben also keine Standesvertretung.

Einigen Berufsgruppen wie den freien Journalisten bietet die Gewerkschaft Unterschlupf. "Wem über freie Dienstverträge oder vergleichbare Konstruktionen ein Angestelltenverhältnis vorenthalten wird, dem bieten wir Schutz, Unterstützung und Mitgliedschaft an“, sagt Bernhard Achitz, leitender Sekretär des ÖGB. Aber echte Selbständige können auch bei der Arbeitnehmervertretung Gewerkschaft naheliegenderweise nicht andocken.

Die taube Politik

Vor allem die Politik stellt sich bei Gruppierungen ohne Lobby mit Vorliebe taub. Kammer und Sozialversicherung verweisen zwar gerne zur Legitimation ihrer Handlungen auf Beschlüsse von Wirtschaftsparlament, Wirtschaftsbund und diversen Gremien - in denen allerdings kaum Einpersonenunternehmen sitzen. Der Wirtschaftsbund vertritt hauptsächlich den konventionellen Unternehmerbegriff der ÖVP, in dem Attribute wie flexibel, schnell und modern eher spärlich vorkommen. Selbst die Grünen tun sich mit den Mikrounternehmern schwer. Der grüne Sozialsprecher Karl Öllinger druckst herum, wird er auf die Thematik angesprochen. Und verweist auf Gespräche, die er laufend führe, ohne aber Konkretes dazu sagen zu können.

Lediglich Volker Plass von der Grünen Wirtschaft, als Grafiker selbst ein EPU, wirft sich in den Kampf um mehr Anerkennung für seinesgleichen. Auf der Facebook-Plattform der Amici mischt er nach Kräften mit. Aber selbst er stößt im Dialog auch mit grünen Abgeordneten an Grenzen.

Selber schuld

Allerdings: Nicht wenige jener Fälle, in denen Einpersonenunternehmen mit Problemen zu kämpfen haben, gehen auf deren eigenes Konto. Vor allem in Kreativberufen kann das notwendige unternehmerische Fachwissen oft nicht mit den inhaltlichen Ambitionen mithalten. Bürokratische Vorgaben beachten viele Einpersonenunternehmen schon bei der Gründung allzu oft nicht. Steuervorschreibungen, Zahlungsaufforderungen und Ähnliches landen nicht selten ungelesen in Pappschachteln. Administratives ist vielen Mikrounternehmern rasch ein Gräuel, daher scheitern viele von ihnen auch an einem unnötigen Informationsdefizit.

"Woher sollen sie die Informationen denn haben?“, fragt EPU-Beraterin Schubert: "Das sind ja alles Fachleute auf ihrem Gebiet und keine Buchhalter, Steuerberater oder Versicherungsexperten.“ Dass derartiges Know-how eben zur unternehmerischen Tätigkeit gehöre, wie die Kenntnis der Verkehrsregeln zum Autofahren, ist bei vielen Einpersonenunternehmen noch nicht angekommen.

Fakt ist: Die Informationen sind verfügbar und können leicht von jedermann abgerufen werden. Wirtschaftskammer und Sozialversicherung bieten über ihre Websites eine Fülle von Material an, Gründerzentren und -messen bieten jede Art von Beratung . Nach wie vor allerdings scheinen Einpersonenunternehmen dieses Angebot nicht konsumieren zu wollen - und scheitern dann eben oft an ihrer Unwissenheit.

Auch an mangelnder Kommunikationsfreude: Von den meisten, die in problematischen Zeiten diese Chance nützten, wird nämlich bestätigt, dass sowohl Finanzamt wie auch Sozialversicherung durchaus kulant agieren, sucht man das Gespräch. "Nur wenn man sich versteckt, sind die erbarmungslos und kennen kein Pardon“, sagt etwa der Grafiker Franz Lazarus.

Bis sich die Bedürfnisse der einen mit dem Angebot der anderen besser vertragen, dürfte es jedenfalls noch Jahre dauern. Aber man befindet sich zumindest auf dem Weg: Die drei stärksten Forderungen aus der Urbefragung aller Versicherten, welche die SVA gerade durchführt, werde man nach Möglichkeit beim Sozialminister durchsetzen, verspricht Obmann-Vize McDonald: "Das wird für uns ein Umsetzungsauftrag sein. Und wenn notwendig, stellen wir uns dann auch an die Spitze einer Reformbewegung.“

Auch Wirtschaftskammer-Boss Christoph Leitl sieht eine gute Zukunft: "EPUs sind wie Kinder. Man muss zunächst viel in sie investieren. Aber manche von ihnen sind die Arbeitgeber von morgen.“

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