Red-Bull-Chef Didi Mateschitz baut sein
Medienunternehmen aus

Dietrich Mateschitz will sein kleines, aber feines Medienimperium ausbauen. Zukäufe von Zeitungen, Medienmanagern und Sportrechten sollen „Red Bull Media“ Flügel verleihen.

Wenn Dietrich Mateschitz ruft, dann kommen sie alle. Diese Woche waren die „goldene“ Lizz Görgl und US-Skistar Lindsey Vonn zu Gast im Talk im Hangar-7. Aber auch andere Prominente wie Sebastian Vettel, Claus Peymann oder Neil Armstrong, der erste Mann am Mond, statteten der wöchentlichen Talkshow von Servus TV, dem eineinhalb Jahre alten Fernsehprojekt des „Bullen“, schon einen Besuch ab.

„SN“ im Visier?

Überhaupt ist der 66-jährige Selfmade-Milliardär bekannt dafür, dass er keine halben Sachen macht. Nachdem er sein Red-Bull-Team letztes Jahr aufs oberste Treppchen der Formel 1 dirigierte, konzentriert er sich nun voll darauf, dass auch seine Medienunternehmen erfolgreich werden. Heimlich, still und leise hat Mateschitz in den letzten Jahren ein Imperium aufgezogen, das alle Stückeln spielt: Von Radiosender und Plattenlabel über Magazine, Mobilfunk bis eben TV von Red Bull ist alles dabei. Und vielleicht wird die Palette schon bald auch auf eine Tageszeitung ausgedehnt. In Salzburg macht das Gerücht die Runde, dass es Gespräche zwischen Mateschitz und den Eigentümern der „Salzburger Nachrichten“ (SN) geben soll.

Aber auch ohne Ausweitung des Portfolios platzt das Red-Bull-Media-Haus in Salzburg aus allen Nähten. Auch aktuell sucht das Unternehmen 49 neue Mitarbeiter. Vom Webdesigner über einen Redakteur bis zum Medienrechtsexperten ist alles dabei.

Manche der Red-Bull-Projekte expandieren rasend schnell und können sich zahlenmäßig sehen lassen. Etwa das Lifestyle-Magazin „Red Bulletin“, das vor drei Jahren gelauncht wurde und heute bereits in zehn Ländern von Kuwait bis Neuseeland mehr als 30 Zeitungen, darunter der deutschen „FAZ“ und der „New York Times“, beigelegt wird. Ende letzten Jahres erfolgte der Start in Ungarn, mittlerweile liegt die Gesamtauflage des Magazins bei satten 4,6 Millionen Stück. Weitere Märkte, vor allem in Asien, sollen folgen. Eine Erfolgsgeschichte aus dem Hause Red Bull ist auch die Social-Media-Präsenz. Mehr als 15 Millionen Facebook-Fans hat der Energydrink-Riese schon. Red Bull ist damit auch das einzige europäische Unternehmen, das es unter die beliebtesten zehn Brands weltweit auf Facebook geschafft hat. „Was Mateschitz angreift, wird zu Gold. Ich traue ihm auch weiter sehr viel zu“, streut ihm sein Mitbewerber Eugen Russ, Chef des Vorarlberger Medienhauses, Rosen.

Den meisten Aufholbedarf am Weg zu Gold dürfte Red Bull Media bei Mateschitz’ Lieblingsprojekt, dem Fernsehen, haben. Eineinhalb Jahre nach dem Start von Servus TV hat es der Sender mit Sitz in Salzburg auf 0,6 Prozent Marktanteil geschafft. Die Werbeeinnahmen fielen laut Focus Research im Jahr 2010 mit gerade einmal 3,2 Millionen Euro im Vergleich zu anderen Privatsendern äußerst bescheiden aus. Was speziell auf das nicht gerade breitenwirksame Programm zurückzuführen sein dürfte. „Wir wollen bewusst kein Trash-Programm machen.

Dschungelcamps oder Big-Brother-Shows wird man bei uns sicher nie sehen“, ist Servus-TV-Programmchef Wolfgang Pütz stolz. Manche Fernsehexperten zweifeln deshalb, ob das Bullen-Fernsehen jemals profitabel sein kann. Ex-RTL-Chef Helmut Thoma zählt zu dieser Gruppe: „Mateschitz kann nicht ernstlich glauben, dass er damit kommerzielle Erfolge erzielen wird. Dabei handelt es sich wohl nur um das Hobby eines Milliardärs.“ Er ist auch skeptisch, ob das Konzept, gleich in mehreren Ländern (Zielgebiet sind Österreich, Deutschland, die Schweiz und Oberitalien) zu reüssieren, aufgehen wird.

Dennoch spricht einiges gegen die These, dass der Red-Bull-Chef sein TV nur als Hobby betrachtet. Die Servus-TV-Mannschaft zählt mittlerweile schon 200 Mitarbeiter. Zuletzt lief Wolfgang Köhler, der Dokumentationsstar des ORF, mit seinem ganzen Team zu Red Bull über. Seine Serie „Terra Mater“ soll Anfang April on air gehen. Auch mit anderen prominenten Kandidaten soll Red Bull Media Gespräche führen. So wird der frühere Styria-Chef Horst Pirker als Mateschitz’ Favorit für den Chefsessel genannt. Dieser aber schweigt sich aus.

Möglicher Streitpunkt zwischen den beiden als sehr dominant geltenden Herren: Wie viel Macht ist der Red-Bull-Chef bereit an Pirker abzugeben? Denn Mateschitz gilt als wahrer „Control Freak“. Praktisch keine Entscheidung, speziell im Fernsehen, wird ohne ihn getroffen. Aber nicht nur in Top-Personal, auch in Marketing soll in Zukunft mehr investiert werden. „Wir werden im Frühjahr eine Dreiländerkampagne in Österreich, Deutschland und der Schweiz fahren, um die technische Reichweite zu erhöhen“, kündigt Servus-TV-Geschäftsführer Martin Blank an. Denn diese soll speziell in Deutschland mit 15 Prozent und in der Schweiz mit 13 Prozent noch deutlich nachgebessert werden.

Im ORF hat man erkannt, dass in Salzburg ein ernstzunehmender Konkurrent heranwächst. Erst kürzlich konnte sich Generaldirektor Alexander Wrabetz einen Seitenhieb auf die geringen Quoten einiger Servus-TV-Produktionen nicht verkneifen. Vor allem im Sport wird das Match zwischen Servus TV und dem öffentlichrechtlichen Sender härter werden. Hatte Mateschitz 2010 bei der Vergabe der Fußball-Bundesliga-Rechte noch das Nachsehen, so könnte es bei der in Kürze stattfindenden Vergabe der Rechte für Skirennen anders aussehen, berichten Insider. Mateschitz sei bereits in Gesprächen mit ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. Und die kürzlich auf Servus TV ausgestrahlte ÖSV-Dokumentation wird von Beobachtern als Einstandsgeschenk für eine künftige Zusammenarbeit gewertet.

Ein Manko haftet Mateschitz’ Medienprojekten dennoch an: Gewinn werfen sie bislang nicht ab. Aber schließlich trifft es ja keinen Armen, und auch der Verkauf der Energy Drinks und das Formel-1-Geschäft waren für den Bullen anfangs nicht profitabel.

– Angelika Kramer

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