Playboy-Häschen in der Krise

Playboy-Häschen in der Krise

Lustvolle Kämpfe: Am 27. Juli starten die Olympischen Sommerspiele. Für den deutschen „Playboy“ zogen sich gleich fünf Spitzensportlerinnen aus. Warum die Erotik-Offensive aber wenig nützt.

Sex-Ikone Marilyn Monroe tat es, Bond-Girl Ursula Andress tat es, US-Beauty Kim Basinger ebenfalls und die vollbusigen „Baywatch“- Nixen sowieso: Sie alle haben sich für Hugh Hefners „Playboy“ ausgezogen und wurden dadurch noch ein Stück berühmter. Die Liste prominenter Bunnys, wie die hübschen, meist blonden, „Playboy“-Modelle gemeinhin genannt werden, ist lang, und nicht immer sind es schöne Schauspielerinnen und Sängerinnen, die sich spärlich oder gar nicht bekleidet für das legendäre US-Hochglanzmagazin ablichten lassen.

Das aktuelle Cover des deutschen „Playboy“ etwa zieren die Sport-Beautys Beate Gauß, Christina Schütze, Angela Maurer, Christin Steuer und Regina Sergeeva. Fünf deutsche Spitzensportlerinnen, die ab 27. Juli bei den Olympischen Spielen in London um Medaillen kämpfen. Der „Playboy“ spricht auf seiner deutschen Website bereits von besonders „lustvollen“ Spielen und feiert damit gleich auch noch seinen Geburtstag.

Geburtstag

Am 1. August vor vierzig Jahren erschien das Blatt erstmals in deutscher Sprache. Das Jubiläumsheft zeigt vierzig prominente Häschen, darunter Michael Jacksons skandalumwitterte Schwester LaToya und das platinblonde, unter ominösen Umständen verstorbene texanische Busenwunder Anna Nicole Smith. Und seit dem Startschuss des deutschen „Playboy“ 1972 zählen neben Deutschen vor allem Österreicher zur treuen Leserschaft, sagt Klaus Lang, Marketingmanager bei Secret Factory (vormals Beate Uhse). „In unseren Österreich-Geschäften verkauft sich die deutsche Ausgabe des ‚Playboy‘ bestens, vor allem, weil die Qualität stimmt“, sagt Lang. Aktuell hat der deutsche „Playboy“ 1,22 Millionen Leser, die Auflage liegt bei 225.400 Stück. Kleiner Schönheitsfehler: Vor fünf Jahren waren es schon deutlich über 300.000. Obgleich die ganze Männermagazinbranche seit Jahren in der Krise steckt, den Branchenprimus „Playboy“ traf es mit voller Wucht.

Lustlose Zeiten

Medien gegenüber gibt sich das Unternehmen deshalb zugeknöpft. Zu sehr musste das von Hugh Hefner gegründete Blatt, das sich über die Jahrzehnte zum weitverzweigten Erotikimperium auswuchs, leiden: Mitbewerber wie das Männermagazin „Penthouse“ erstarkten, vor allem kämpft man aber wegen Gratis Erotikinhalten im Internet seit Jahren mit sinkenden Werbeeinnahmen und rückläufigen Verkaufszahlen.

Playboy Enterprises Inc. war einmal ein florierendes Firmenreich, doch Bunnypatriarch Hefner verlor die klare Linie, die Auflage brach ein, der TV-Kanal wurde verkauft, und die meisten Clubs und Hotels des Erotikreiches schlossen wieder. 200 der rund 800 Mitarbeiter mussten gehen (siehe " Hefners Häschen bringen kein Geld "). Und 2008 kam es gar zu einem Novum: Hefner verkaufte Tickets für seine legendären Partys, um so die Finanzprobleme wieder in den Griff zu bekommen. Zwischenzeitlich trennte er sich gar von einem Teil seiner Company. 2011 erwarb Hefner das Veräußerte fast gänzlich zurück, beendete aber seinen Börsenauftritt. Mitleid muss man mit Hefner aber keines haben: Seine Company ist mehr als 200 Millionen Euro wert.

Mehr als nur Sex

Viele sehen es fast schon als Wunder, dass es den „Playboy“ als Institution freizügiger, maskuliner Lebensart überhaupt noch gibt, was wohl an der langen Geschichte des Männermagazins liegt. 1953 von Hefner in Chicago gegründet, zehrt die Marke mit dem Hasenkopf noch heute vom Nimbus des Tabubruchs und gilt als mutiger Vorreiter progressivliberaler Weltoffenheit gegen den sexuellen Puritanismus der US-Nachkriegszeit. Allerdings wird dem „Playboy“ auch vorgeworfen, die sexuelle Emanzipation nur vorzuschieben, um einen phallozentrischen Kult zu zelebrieren, in dem Frauen reine Potenztrophäen sind.

Dennoch sind die Klischees, mit denen das Magazin belegt wurde, bis heute in vieler Hinsicht ungerechtfertigt. Große Meriten hatte sich Hefner keineswegs nur auf dem Feld der sexuellen Libertinage erworben, stets war sein Blatt auch ein Forum für profund recherchierte Reportagen und anspruchsvolle Themen aus Politik, Kultur und Gesellschaft. So publizierten im amerikanischen „Playboy“ Größen wie Doris Lessing, Vladimir Nabokov und Michael Crichton. „Der ‚Playboy‘ ist eine gelungene Mischung aus Erotik und Seriosität und könnte in jeder Arztpraxis aufliegen. Auch Frauen lesen ihn gerne“, sagt Alexander Gerhardinger, Chef des Wiener Erotik- und Saunaclubs Goldentime.

Geschichte schrieben auch die großen Interviews, beispielsweise mit dem radikalen Führer der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, Malcolm X, oder mit Fidel Castro, der dem „Playboy“ gleich zweimal Rede und Antwort stand. Der Selbstdarsteller Castro wusste die damals noch ungewöhnliche Kombination aus Politischem und Persönlichem geschickt zu nutzen, die „Playboy“-Redaktion klagte allerdings über teils 20 Minuten lange Monologe des Diktators, in denen er keine Zwischenfrage zuließ.

Neue Pläne

Hefner lässt sich wenig vorschreiben. Noch heute will er die Cover seiner US-Ausgaben selbst absegnen, ohne sein Okay geht gar nichts. Derzeit treibt der rüstige Rentner die Sanierung seines Unternehmens voran. Geplant ist ein Ausbau des Lizenzgeschäfts, wie auch die zweite Österreich-Auflage zeigt. Hefner befürwortet einen eigenen „Playboy“ für China, doch noch scheitert er am dortigen Verbot für Erotikmagazine. Erst vor kurzem kam es wegen der Freizügigkeit des „Playboy“ zu heftigen Protesten auf den Philippinen, wo das Magazin seit kurzem erhältlich ist.

Zudem will Hefner wieder mehr Hosen, Pullover und T-Shirts mit dem Hasenkopf-Logo unter seine Anhängerschaft bringen, auch Neueröffnungen von Clubs stehen an. In London, wo die Olympischen Spiele ausgetragen werden, gibt es schon einen neuen. Man wird sehen, ob für die fünf Häschen Gauß, Schütze, Maurer, Steuer und Sergeeva auch dort dabei sein alles sein wird.

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