Neuer Streit um A-Tec

Die Verkaufsverhandlungen um die im Oktober des Vorjahres in die Insolvenz geschlitterte A-Tec-Gruppe werden von heftigen Turbulenzen überschattet. Mittwoch früh gab es Hausdurchsuchungen bei mehreren A-Tec-Managern, darunter bei Firmenchef Mirko Kovats sowie den beiden Vorständen Franz Fehringer und Christian Schmidt.

Auch die A-Tec-Zentrale in der Wiener Wächtergasse wurde nach Material durchsucht. Grund für den unerwarteten Besuch ist die Anzeige eines früheren Geschäftspartners, mit dem Kovats in den 90er-Jahren Immobilienprojekte in Polen realisierte. Rudolf Krtina, der Kovats auch schon als VA-Tech-Aktionär geklagt hat, unterstellt dem 62-Jährigen Misswirtschaft, die zur Pleite des Konzerns geführt habe. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Untreue, betrügerischer Krida, grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen und Bilanzfälschung. In der A-Tec ist die Rede von einer Racheaktion: „Der Mann hat private Gründe und weiß nicht einmal, wie die A-Tec aufgestellt ist. Der kann rein gar nichts beurteilen.“

Die Hausdurchsuchungen kommen denkbar ungelegen

Noch mehr Ärger kann Kovats jetzt gar nicht gebrauchen. Wie FORMAT aus gut informierten Kreisen erfuhr, ist es auch zu einem Zerwürfnis zwischen dem A-Tec-Boss und dem tschechisch-slowakischen Private-Equity-Fonds Penta gekommen. Penta galt als Favorit im Rennen um die A-Tec. Kovats brach die Gespräche kurzerhand ab, nachdem sich herausgestellt hatte, dass Penta die A-Tec in nur sechs Monaten filetieren und verkaufen wollte. So hätte Penta die Montanwerke Brixlegg an die französische Astorg-Gruppe verhökern wollen, heißt es. Zwar liegt das Angebot von Penta noch vor, doch versuchen Kovats und Finanzchef Fehringer Stimmung gegen den Fonds zu machen – bereits mit Erfolg, wie es scheint. Der Großteil des Aufsichtsrats wünscht sich einen Industriekonzern und keine Finanzgruppe als Investor, „um das Überleben der A-Tec langfristig zu sichern“.

Im Rennen sind neben Penta noch die indische Essar-Gruppe, der Genfer Fonds Springwater und ein Konzern aus China. Ein Verkauf entweder nach Indien oder nach China gilt als wahrscheinlich. Denkbar ist, dass sich kleinere Unternehmen beteiligen – allerdings nicht an der gesamten A-Tec-Gruppe, sondern nur an einzelnen Töchtern. Zum Beispiel: Geht die A-Tec an Essar, könnte ein Partner der Inder eine Beteiligung am A-Tec-Motorenbauer ATB erhalten. In Summe gibt es drei Unternehmen, die hoffen, auf diese Weise ein Stück vom Kuchen abzubekommen: zwei europäische Industriebetriebe und ein Fonds aus London. Kovats und Fehringer prüfen nach dem Bruch mit Penta alle Varianten. Die Verhandlungen dürften sich bis Mitte August ziehen. In der ersten Septemberhälfte soll der Deal bei einer außerordentlichen Hauptversammlung abgesegnet werden.

Um die im Sanierungsplan fixierte Quote von 47 Prozent für die Gläubiger zu erreichen, muss der Verkauf 210 Millionen Euro einspielen. Laut FORMAT-Informationen sollen aber 20 Millionen Euro zurück an die Investoren fließen, „wegen Gegenverrechnungen aus Haftungen für die AE&E“, wie ein Eingeweihter berichtet. AE&E ist die frühere Anlagenbautochter der A-Tec.

- Silvia Jelincic

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