Frauen an die Macht

Die Mächtigste

Theresa Jordis sitzt in sieben Aufsichtsräten - darunter große Firmen wie die Erste Group.

Die Aufsteigerin

Regina Prehofer hat seit Oktober 2011 sechs neue Aufsichtsratsmandate erhalten.

Die Mandate-Sammlerin

Sigrid Oblak sitzt als Wien-Holding-Chefin in elf Aufsichtsräten.

Wie viele Frauen sitzen in Österreich wirklich in Spitzenpositionen? FORMAT erstellte erstmals eine Liste der Frauen mit den einflussreichsten Aufsichtsratsmandaten des Landes. Die Quotendebatte im Praxistest.

Eigentlich haben sie es immer schon gewusst, aber jetzt haben es die Frauen auch noch schwarz auf weiß: Sie sind klüger als Männer. Der neuseeländische Wissenschaftler und IQ-Forscher James Flynn erklärte in einem Interview in der "Sunday Times“, dass der durchschnittliche Intelligenzquotient von Frauen erstmals höher sei als der von Männern.

Auch Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek weiß das. Sie macht wieder einmal Druck, dass der Anteil von Frauen in Spitzenpositionen steigen soll (siehe Interview ). Heinisch-Hosek fordert eine gesetzlich verpflichtende Frauenquote für Unternehmen der Privatwirtschaft. Sofort hagelte es Absagen aus Wirtschaft und Politik. Im endlosen Kampf um die Quote ist durch Heinisch-Hoseks Vorstoß eine neue Runde eröffnet.

Im staatsnahen Bereich hat man mit der Quotenregelung gute Erfahrungen gemacht. Und dennoch: Im Management spielen Frauen immer noch eine untergeordnete Rolle. Besonders auffällig ist das in den Vorstandsetagen. Betrachtet man die im Prime Market der Wiener Börse notierten Unternehmen, finden sich dort in den Vorstandspositionen 135 Männer, aber nur drei Frauen. Etwas höher ist die Quote in den Aufsichtsräten dieser Firmen - 10,5 Prozent. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) ist das zu wenig.

FORMAT hat nun eine Liste jener Frauen erstellt, die die meisten Aufsichtsratspositionen auf sich vereinen. Spitzenreiterin ist die Rechtsanwältin Theresa Jordis, auf Platz zwei liegt die Ex-Bankerin Regina Prehofer, gefolgt von Stadtwerke-Chefin Gabriele Payr.

Investoren wollen Frauen

"Ich habe das Gefühl, es geht bei Frauenthemen immer zwei Schritte nach vorn und dann einen zurück“, sagt Sigrid Oblak, Geschäftsführerin der Wien Holding und Nummer vier im FORMAT-Ranking. Die Krise habe eher dazu geführt, dass der Aufstieg von Frauen gebremst wurde. Oblak selbst hat die Flaute nicht gespürt - seit sie 2009 in die Geschäftsführung der Wien Holding wechselte, ist sie auch in vielen Aufsichtsräten der Gruppe vertreten. Insgesamt kommt sie derzeit auf elf Aufpasser-Mandate. Auf so viele Sitze kommen in Österreich sogar Männer nur selten.

Die Aufsichtsrats-Kaiserin, die Wiener Rechtsanwältin Theresa Jordis, hat sieben Mandate, allerdings in unterschiedlichen Unternehmen und in sehr großen wie etwa der Erste Group oder weichenstellenden, politnahen wie der ÖIAG, wo sie erst seit kurzem mitbestimmen darf. Auch Gertrude Tumpel-Gugerell und Regina Prehofer dürfen sich über viele neue Mandate bei wichtigen österreichischen Unternehmen freuen: Die frühere Direktorin der Europäischen Zentralbank Tumpel-Gugerell ist mittlerweile in fünf Kontrollgremien vertreten. Prehofer, die 2010 die Bawag verließ und seit dem Vorjahr Vizerektorin der Wirtschaftsuniversität ist, sitzt in sechs Aufsichtsräten.

"International geht der Zug in Richtung mehr Frauen. Auch die Investoren legen Wert auf Diversität im Aufsichtsrat“, sagt Prehofer. Es herrsche einfach ein anderes Klima, wenn auch Frauen dabei sind. "Andere Aspekte werden beleuchtet, andere Fragen werden gestellt - das hat einen Wert“, ist die Ex-Bankerin überzeugt. Bei Wienerberger und AT&S beispielsweise wurde die Zahl der Aufsichtsräte extra aufgestockt, um Frauen hereinzuholen. Manche Unternehmen gehen sogar noch einen Schritt weiter: Der deutsche Luftfahrtkonzern EADS hat sich diese Woche dazu selbstverpflichtet, die Anzahl der weiblichen Führungskräfte auf 20 Prozent zu erhöhen.

"Es ist noch zu wenig im Bewusstsein der Entscheidungsträger, dass Diversifizierung den Unternehmen wirtschaftliche Vorteile bringt. Dabei ist das längst wissenschaftlich erwiesen“, sagt auch Ulrike Baumgartner-Gabitzer, die seit 2007 im Verbund-Vorstand sitzt und fünf Aufsichtsratsmandate hat. Als Grund für den Frauenmangel sieht sie Fehler in der Vergangenheit: "Man hat es jahrelang verabsäumt, Frauen in die mittlere Führungsebene zu bringen. Jetzt sind eben keine da, die man in den Vorstand bringen könnte.“

Internet hilft bei Frauensuche

Neue Aufsichtsrätinnen zu finden wäre hingegen kein Problem, glaubt Prehofer. "Ich kenne genügend qualifizierte Frauen, die auch willens wären, in Aufsichtsräte einzuziehen“, sagt sie. 37 Namen finden sich derzeit auch in einer Aufsichtsrätinnen-Datenbank der Wirtschaftskammer. Als Aufseherin brauche man "branchenspezifische Fachkompetenz, Führungskompetenz sowie Kommunikationsfähigkeit“, sagt Wirtschaftskammer-Generalsekretärin Anna-Maria Hochhauser, die diese Plattform mitinitiiert hat. Allerdings stünden sich manche Frauen selbst im Weg. "Von Frauen, die man befördern will, hört man immer: Das muss ich erst mit meiner Familie abklären. Das hört man von Männern fast nie“, sagt Baumgartner-Gabitzer.

Quote wirkt

Doch auch wenn mancher Vormarsch erst noch mit Mann und Kind abgestimmt wurde, er findet - langsam aber doch - statt. Vor allem im staatsnahen Bereich. Seit März 2011 hat sich der Bund verpflichtet, den Frauenanteil in den Aufsichtsräten von 55 staatsnahen Unternehmen zu erhöhen: von 16,1 Prozent im Jahr 2008 auf 25 Prozent bis 2013 und 35 Prozent bis 2018.

Schon jetzt ist das erste Etappenziel mehr als erreicht. 26 Prozent der Aufsichtsräte sind weiblich - Tendenz steigend. Infrastrukturministerin Doris Bures entsandte in manche Aufsichtsräte nur mehr Frauen - etwa zuletzt in die Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft (aws). "Die gezielte Förderung von starken Frauen in meinem Einflussbereich ist mir seit meinem Amtsantritt ein wichtiges Ziel, das ich mit großer Hartnäckigkeit verfolge“, sagt Bures.

Auch Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner fördert Frauen. "Daher werden wir bei den nächsten Aufsichtsrats-Besetzungen in unserem Bereich - konkret: Schloss Schönbrunn und Tiergarten Schönbrunn - auf qualifizierte Absolventinnen des Führungskräfteprogramms ‚Zukunft.Frauen‘ zurückgreifen“, verspricht er.

Kampf um Eingriffe

So sehr Mitterlehner im Bund mit gutem Beispiel vorangeht - so sehr bremst er aber, was Frauenquoten in Privatunternehmen betrifft. "Die Unternehmen sind mit privatem Geld aufgebaut worden, tragen das volle Risiko und müssen daher weiterhin die Freiheit haben, sich ihr Personal selbst auszusuchen. Markteingriffe durch Quoten und Förderpläne, die noch dazu den bürokratischen Aufwand erhöhen, lehnen wir ab“, betont der Minister. Frauenministerin Heinisch-Hosek will hingegen börsennotierte Unternehmen verpflichten, dass 40 Prozent der Aufsichtsräte weiblich sein sollen. Derzeit regelt der Corporate Governance Kodex dieses Thema nur am Rande. Aspekte der Diversität seien auch im Hinblick "auf die Vertretung beider Geschlechter“ zu berücksichtigen, heißt es in dem Benimm-Papier. Verpflichtend ist diese Regel freilich nicht.

Das sei zu wenig Druck, meinen manche Frauen. Sie verweisen auf internationale Quotenerfolge: Norwegen hat vor knapp zehn Jahren beschlossen, dass mindestens 40 Prozent (und maximal 60 Prozent) eines Entscheidungsgremiums Frauen sein sollen. Der Anteil der Frauen hat sich seither von knapp sieben auf 42 Prozent erhöht.

Frauen gegen Frauenquoten

WU-Vizerektorin Prehofer kann diesem sanften Zwang einiges abgewinnen. "Ich halte Quoten für sinnvoll, weil dadurch schneller etwas bewegt wird“, sagt sie. Doch der Großteil der Frauen, die bereits Karriere gemacht haben, können sich hierzulande mit verpflichtenden Quoten nicht anfreunden. Raiffeisen-Oberösterreich-Vorstand Michaela Keplinger-Mitterlehner etwa hält davon wenig. "Man sollte die berufliche Entwicklung von Frauen nicht auf ein Quotenargument reduzieren, sondern Rahmenbedingungen schaffen, die möglichst viele Frauen motivieren und unterstützen“, sagt sie. Auch Brigitte Jank, die Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, lehnt Quoten ab, "weil Frauen sich dann den Vorwurf gefallen lassen müssen, dass nicht der oder die Bestqualifizierte den Job bekommen hat“. Auch Baumgartner-Gabitzer ist eine Quoten-Gegnerin: "Ich finde es besser, wenn es zu einer langsamen Veränderung von unten herauf kommt. Irgendwann wird das für Unternehmen selbstverständlich sein, Frauen an die Spitze zu bringen.“ Bei derart großen Auffassungsunterschieden braucht es wohl doch noch einiges an weiblicher Intelligenz, um das "Frauenproblem“ zu lösen.

Wegbereiter einer neuen Industrie

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Comeback der Krise?

Business

Comeback der Krise?