"Amerikanische Millionäre wollen wir nicht"

Deutsche Bank, HSBC , Bank of Singapore und DBS Group sagen alle, dass sie Geschäfte mit vermögenden US-Kunden zurückgewiesen haben. Hintergrund sind neue Gesetze, die ab dem 1. Januar 2013 schrittweise in Kraft treten sollen und die Kosten für die Institute enorm erhöhen.

Die Regierung in Washington will mit dem 2010 beschlossenen “Foreign Account Tax Compliance Act” (Fatca) die Steuerhinterziehung von US-Bürgern verhindern. Das Gesetz verpflichtet Vermögensverwalter mit Sitz außerhalb der USA, Informationen über Einkommen und Zinszahlungen ihrer amerikanischen Kunden zu sammeln und weiterzugeben. Dadurch steigen die Compliance-Kosten für die Banken, während die Investment-Optionen für die Kunden gleichzeitig sinken. Insgesamt werden dadurch die Möglichkeiten der Banken reduziert, Gewinne mit US-Bürgern zu erzielen.

“Langfristig bedeutet es eine Benachteiligung, wenn Amerikaner immer weniger Gelegenheiten haben, im Ausland zu investieren”, sagt Marc Faber, der Fondsmanager und Herausgeber des Börsenbriefs “Gloom, Boom and Doom”, in Singapur.

Das fast 400 Seiten starke Gesetzeswerk, das von der Steuerbehörde Internal Revenue Service (IRS) im Februar vorgestellt wurde, schafft “unnötige Belastungen und Kosten”, kritisieren auch die beiden Bankenverbände “Institute of International Bankers” und “European Banking Federation” in einem gemeinsamen Brief vom 30. April an die IRS. Insgesamt sind mehr als 200 solcher Beschwerden bei der Behörde eingegangen. Am 15. Mai soll eine Anhörung dazu stattfinden. Die IRS kann beeinflussen, wie und wann einige Aspekte der Regeln eingeführt werden, das Gesetz insgesamt kann sie jedoch nicht aufheben.

UBS als Stein des Anstoßes

Fatca war ins Rollen gekommen, nachdem die Schweizer UBS
2009 eingestand, Amerikanern bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben und 780 Mill. Dollar zahlte, um einer Strafverfolgung zu entgehen. Die größte Schweizer Bank hatte bereits 2008 angekündigt, US-Bürgern keine Offshore-Konten mehr anzubieten. Die UBS ist nach Daten von Scorpio Partnership die weltgrößte Privatbank außerhalb der USA.

Reiche Amerikaner werden jetzt an die UBS-Geschäftsstellen in den USA verwiesen oder zu der Sparte Swiss Financial Advisers, die nach US- und Schweizer Recht verfährt, erklärt UBS-Sprecher Serge Steiner. US-Bürger außerhalb der Vereinigten Staaten erhalten Steiner zufolge weiterhin andere Dienstleistungen, von Wertpapier-Investments abgesehen. So erhalten sie Privat- und Geschäftskredite, können am Tagesmarkt Devisen handeln und Edelmetall-Transaktionen durchführen.

Allerdings dürfte es zu Einschränkungen kommen, was Investments in Produkte angeht, die von Dritten angeboten werden und über die UBS oder andere Banken gekauft werden könnten. “Die meisten Hedgefonds, die mir in Asien bekannt sind, nehmen keine amerikanischen Kunden”, sagt Faber.

Bank of Singapore, die Privatbankensparte von Oversea- Chinese Banking Corp. (OCBC), hat viele Millionen Dollar von Amerikanern abgewiesen, da sich die Bank nicht Probleme mit den Aufsichtsbehörden zuziehen wolle, erklärt Konzernchef Renato de Guzman. OCBC wurde kürzlich zum zweiten Mal in Folge zur stärksten Bank der Welt gewählt in einem Ranking von Bloomberg Markets. “Das ist alles zu komplex, zu schwierig”, sagt de Guzman im Interview mit Bloomberg News in Singapur. “Wir machen genügend Geschäfte in Asien, deswegen wollen wir uns das Leben nicht unnötig schwer machen.”

Alle sind sich einig

Bei Treffen mit anderen Branchengrößen in Singapur sei es die “vorherrschende Stimmung”, US-Kunden nicht zu akzeptieren, erläutert de Guzman. Seines Wissens seien 18 Privatbanken in dem Stadtstaat tätig, darunter Tochtergesellschaften von UBS, Credit Suisse Group AG, Deutscher Bank und HSBC.

Die britische Großbank HSBC entschied sich im Juli letzten Jahres, Amerikanern außerhalb der USA keine Vermögensverwaltungs-Dienste mehr anzubieten. Die Deutsche Bank erklärte, dass sie alle Wertpapierkonten im Ausland von Kunden mit Meldeadresse in den USA bis Mitte 2011 aufgelöst habe. Nicht von den Maßnahmen betroffen waren Spar- oder Girokonten und US-Bürger, die im Ausland ihren Wohnsitz haben. Insgesamt sei lediglich eine “geringe Kundenzahl” von den Maßnahmen betroffen gewesen, hieß es aus Frankfurt.

Sprecher von Credit Suisse, der französischen BNP Paribas SA und der niederländischen ABN Amro Bank NV, die ebenfalls zu den weltweit zehn größten Vermögensverwaltern außerhalb der USA zählen, erklärten, dass ihre Banken den Fall prüften und sich bislang noch nicht entschieden hätten, wie sie mit amerikanischen Kontoinhabern verfahren wollten.

Bank of America ist mit verwalteten 1,9 Billionen Dollar der weltgrößte Vermögensverwalter, gefolgt von UBS und Morgan Stanley mit jeweils 1,6 Billionen Dollar, wie aus Scorpio-Daten hervorgeht.

Bloomberg

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