„E-Books werden sich durchsetzen wie Taschenbücher“

„E-Books werden sich durchsetzen wie Taschenbücher“

Deutsche Verlegerin gründet Spezialverlag für elektronische Bücher.

Vor kurzem haben in den USA die Verkäufe von E-Books – also elektronische Bücher – jene von Taschenbüchern überholt. Entsprechende Lesegeräte – allen voran Kindle von Amazon – machen diese Variante des Buchs auch in Europa beliebter. Im deutschsprachigen Raum nutzt schätzungsweise schon jeder vierte Leser zumindest hin und wieder ein E-Book anstatt eines gedruckten Buchs.

Mehr Anbieter

Ein Anzeichen für das wachsende Geschäft in dem Umfeld ist die steigende Zahl an spezialisierten Anbietern. In Deutschland wurde vor kurzem ein neuer Verlag gegründet, der ausschließlich E-Books anbietet: dotbooks nennt sich das Unternehmen, ins Leben gerufen von der Verlegerin Beate Kuckertz, die davor bei verschiedenen Verlagen wie Droemer Knaur für die Programmerstellung verantwortlich war.
FORMAT hat mit Beate Kuckertz über ihre unternehmerischen Perspektiven, den Markt und die Buchpreisbindung gesprochen.

FORMAT: Was war ihre Motivation, einen Verlag für E-Books zu gründen?

Beate Kuckertz: Ich habe Programme bei großen Publikumsverlagen entwickelt und gemanagt. Während eines Sabbaticals habe ich mich beruflich neu orientiert. Ich wusste, ich will weiter neue Inhalte und Autoren entdecken und Buchprogramme auf- und ausbauen. In den USA war zu der Zeit bereits das eBook stark im Kommen, so lag die Idee nahe, einen eBook-Verlag zu gründen.

Die USA sind also für Sie der Beweis, wohin sich der Markt entwickelt?

Was das Internet betrifft, sind meistens die USA der Vorreiter. Gerade auf dem Buchmarkt zeigt sich dort die nächste Entwicklung für Europa und den deutschsprachigen Raum. Das Buch an sich ist ja nicht bedroht, es ändert sich nur die Darreichungsform. Statt gedruckter Werke wünschen sich Leser heute die digitalen Versionen.

Was sind im Moment die wichtigsten Argumente für ein E-Book gegenüber einem gedruckten Werk?

Da gibt es mehrere. Zunächst muss man sagen, dass E-Books ein Medium für Vielleser sind. Wer nur ein Buch im Monat liest, wird auch in Zukunft nicht unbedingt auf E-Books setzen. Doch wer viel liest, für den sind E-Books einfach praktischer. Denken Sie nur an den Urlaub, man könnte hunderte Bücher mitnehmen und sogar vor Ort online neu bestellen, wenn man beispielsweise auf ein Thema oder vor Ort auf ein interessantes Buch stößt. Außerdem ermüdet das Lesen mit den eReadern auch nicht so stark wie bei so mancher Papierqualität, ich kann die Buchstabengröße verändern, ich schone die Umwelt und so weiter.

Das heißt, der Vormarsch des E-Books ist nicht aufzuhalten?

Nein, es wird sich durchsetzen so wie das Taschenbuch in den 1960ern.

Welcher e-Reader ist für Sie im Moment der beste?

Ich habe inzwischen alle gängigen Geräte ausprobiert, etwa den Kindle von Amazon oder den Reader von Sony – und ich bevorzuge keinen. Die sind alle gut gemacht.

Aber es muss ein e-Reader sein, kein Tablet-PC wie das iPad?

Wer viel liest, wird ein spezialisiertes Gerät bevorzugen, weil es einfach lesefreundlicher als etwa das iPad ist.

Die Käufer von E-Books ärgert es, wenn sie den gleichen Preis zahlen müssen wie für gedruckte Bücher, die ja in der Herstellung ungleich mehr kosten.

Ich sehe das Problem auch. Das kommt daher, dass für die klassischen Verlage das E-Book nur eine weitere Verwertungsform ist. Bei meinem Unternehmen ist das umgekehrt, ich habe ja fast keinen Overhead, keine Papier- und Lagerkosten. Daher kann ich die E-Books günstiger anbieten, sie kosten bei dotbooks zwischen 99 Cent und 9,99 Euro.

Und wie sieht es mit der Qualität aus?

Qualitätssicherung ist mir ganz wichtig. Wir sind keine Self-Publishing-Plattform, wir haben ein Lektorat und ähnliche Mechanismen wie ein klassischer Verlag. Es gibt also eine verlegerische Kontrolle, die inhaltliche und stilistische Qualität garantiert.

Rechnen Sie mit mehr Konkurrenz? Bisher ist die Zahl der reinen E-Book-Verlage sehr gering.

Ich hoffe es, denn Konkurrenz belebt den Markt. Bisher machen die klassischen Verlage erst zwei Prozent ihres Umsatzes mit E-Books, in den USA macht das bei manchen schon bis zu 30 Prozent aus. Meine Prognose: Bis 2015 wird der Anteil auch bei uns sieben bis zehn Prozent betragen, und wahrscheinlich gibt es dann auch mehr E-Books-Verlage wie dotbooks.

Sie haben Belletristik, aber auch Sachbücher und Esoterik im Angebot. Wohin gehen Sie inhaltlich?

Ich will sowohl in die Breite als auch in die Tiefe gehen. In den USA ist bei den elektronischen Büchern eher die populäre Unterhaltungsliteratur gefragt, dotbooks legt hier ebenfalls Schwerpunkte. Aber das heißt nicht, dass es bei dotbooks keine Sachbücher geben wird. Ein Vorteil von eBooks ist ja, dass Verlage schnell auf neue Themen, auf Trends und Lesebedürfnisse reagieren können. Vom Manuskript bis zum Buch dauert es bei dotbooks zwei Monate, bei klassischen Verlagen bis zu eineinhalb Jahre.

Wie groß ist das Interesse der Autoren?

Überraschend hoch. Das liegt auch daran, dass die klassischen Verlage gerade ihre Listen kürzen und Neuerscheinungen zurückfahren. Die Autoren suchen daher neue, professionell arbeitende Verlage wie dotbooks.

Ist auch der österreichische Markt für Sie interessant?

Auf jeden Fall. In einigen Tagen wird auf www.dotbooks.de auch die Zahlung via Kreditkarte möglich sein, das sollte das Interesse aus Österreich an unserer Plattform noch ankurbeln. Außerdem können Sie dotbooks-Titel auch bei Amazon oder Apples iBook Store bestellen, ein Vorteil von E-Books ist ja, dass es hier beim Lesen keine Grenzen mehr gibt.

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