EXKLUSIV: Die Justiz untersucht einen Telekom-Immobiliendeal aus 2003

Der Staatsanwalt prüft ein Insidergeschäft mit Telekom-Immobilien wegen Untreue- und Kickbackverdacht. Im Visier der Ex-Telekom-Boss Heinz Sundt. Der Grundstücksdeal machte Ex-ÖBB-Chef Martin Huber und Walter Meischberger zu reichen Männern.

Die Doppelrolle birgt enormes Konfliktpotenzial. Edith Hlawati ist Partnerin der Großkanzlei Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati (CHSH). Zudem ist die Anwältin seit 2001 stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Telekom Austria (heute: A1).

Diese Business-Kombination hat die 54-jährige Juristin nun ins Visier der Ermittler gebracht. Auslöser ist ein Bericht der internen Revision der Telekom Austria über den Verkauf der Immobilie Nordbergstraße 15 in Wien-Alsergrund. Demnach profitierte eine kleine Gruppe rund um den Baukonzern Porr vom Deal 2003. Auch die Kanzlei CHSH verdiente gut als Berater, was Topanwältin Hlawati nun in die Bredouille bringen könnte.

Brisante Papiere

Das Insidergeschäft mit der Telekom-Immobilie geht aus FORMAT exklusiv vorliegenden Polizeiprotokollen und einer Telekom-Strafanzeige hervor. Die Dokumente nähren den Untreueverdacht gegen Ex-Telekom-Boss Heinz Sundt beim Deal Nordbergstraße.

Das Brisante daran: Die Telekom verkaufte die Immobilie viel zu billig an ein Konsortium rund um den Baukonzern Porr. Deutlich wurde das beim Weiterverkauf an das Bankhaus Wölbern. „Auffällig ist die rasante Wertsteigerung des Objektes“, heißt es in einem internen Revisionsbericht der Telekom Austria. Die Porr-Gruppe zahlte für die Immobilie in Summe 34,6 Millionen Euro und erhielt von der Wölbern-Bank im Gegenzug rund 49 Millionen – ein Plus von 41 Prozent.

Die Ermittler vermuten Kickback-Zahlungen, die nach dem Deal geflossen sind. Immerhin verdiente das Porr-Konsortium unterm Strich rund 14 Millionen Euro. Der Verdacht richtet sich in erster Linie gegen die Ex-Telekom-Vorstände Heinz Sundt und Stefano Colombo sowie die BUWOG-Provisionäre Walter Meischberger und Ernst Plech. Auch Ex-ÖBB-Chef Martin Huber – zum Zeitpunkt des Immobiliendeals war er Topmanager bei der Porr – und der mittlerweile schwer erkrankte Baulöwe Anton Kallinger-Prskawetz hatten ihre Finger im Spiel.

Die Gratis-Option

Tatsächlich entwickelte sich die Transaktion höchst seltsam, wie die interne Revision der Telekom Austria feststellte. Rückblende: Das brisante Immobilien-Karussell begann mit einer Aufsichtsratssitzung im November 2002. „ Das Präsidium genehmigte die Verwertung des Objektes durch Einräumung einer Option an die Soreg Beteiligungsverwaltungs Gmbh (…) Bei Ausübung dieser unentgeltlichen Option wurde ein Kaufpreis von 30,5 Millionen Euro vereinbart und die Optionsdauer bis 31. Oktober 2003 befristet “ (Revisionsbericht).

Wieso die zur Porr gehörende Soreg Gmbh eine Gratis-Kaufoption erhielt, will Telekom-Vizepräsidentin Hlawati nicht kommentieren. Mit dem Thema Nordbergstraße hatte sie als Aufsichtsrat nie zu tun, lässt sie FORMAT ausrichten.

Fakt ist: Die Soreg-Option wurde laut Revisionsbericht für die „Telekom Austria durch Heinz Sundt und Stefano Colombo“ unterzeichnet und vom Aufsichtsratspräsidium quittiert. Ex-Telekom-Vizechef Colombo: „Alle Immobiliendeals waren Chefsache. Sundt war der Chef.“ Sundt will alle Vorwürfe nicht kommentieren.

Für den Soreg-Geschäftsführer und Porr-Vorstand Martin Huber entwickelte sich der Deal jedenfalls perfekt: Am 1. Oktober 2003 kaufte die Soreg das Objekt Nordbergstraße von der Telekom um die vereinbarten 30,5 Millionen Euro und am 3. November ein dazugehöriges ÖBB-Grundstück um 4,1 Millionen Euro. Und noch vor Jahresende wurde das Gesamtpaket abgestoßen. Das Bankhaus Wölbern legte dem Porr-Konsortium (Soreg und AKP) 49 Millionen Euro auf den Tisch. Im Wölbern-Prospekt vom Dezember 2003 steht: „ Ein unabhängiger Sachverständiger hat das Objekt mit einem Verkehrswert von 50,3 Millionen Euro bewertet.“

Auch Hlawati bringt der Wölbern-Prospekt nun in Erklärungsnot: „Grundlage für den Erwerb waren unter anderem die rechtliche Due-Diligence-Prüfung der Rechtsanwälte Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati. “ Die Kanzlei CHSH soll damit rund 500.000 Euro verdient haben. Das Beratungsmandat und die Honorarhöhe will Hlawati nicht kommentieren.

Meischis Money

Die exorbitante Wertsteigerung von rund 14 Millionen Euro binnen weniger Monate machte die Ermittler jedenfalls stutzig. Sie wittern Untreue zum Schaden der Telekom Austria und Kickbacks. Das Geld könnte verteilt worden sein, heißt es.

Die Polizei hat zahlreiche Belege dafür, dass nicht alles sauber lief. So mischten beim Projekt Nordbergstraße die BUWOG-Provisionäre Walter Meischberger und Ernst Plech mit. Plech dürfte Amigo „Meischi“ Insiderinfos gesteckt haben, die der an Sundt und Huber weitergab, so der Verdacht. Denn die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) wollte das Objekt Nordbergstraße 2003 kaufen. Auch der Mieter stand schon fest: die WU Wien. Immobilienmakler Plech war damals BIG-Aufsichtsrat und über all das bestens informiert. Letztlich wurde die BIG überraschend aus dem Rennen gedrängt. Die Porr-Gruppe hatte das „bessere Angebot“.

„Wo woar mei Leistung?“

Meischberger verdiente sehr gut. Seine Zehnvierzig Gmbh verrechnete der Kallinger-Firma AKP, die ein Mitglied des Porr-Konsortiums war, im Oktober 2004 für „Beratung und Unterstützung“ beim Projekt Nordbergstraße 708.000 Euro. „ Es handelt sich um ein Projekt, das ich mit Ernst Plech abwickelte “, so Meischberger laut Polizeiprotokoll. Sein „ freundschaftlicher Rat “ war wichtig. Doch was war „Meischis“ Leistung? „ Die Kontakte zu Telekom und Porr hatte ich “, sagte er in seiner Einvernahme am 3. Februar 2010. „ Meine Leistung war, zu wissen, dass die WU Platz sucht, und weiters zu wissen, dass die Telekom dort ein Projekt verkauft. Dann habe ich das System zusammengebaut

Pikant: Einen Tag vor dem heiklen Polizeiverhör war ein Telefonat zwischen „Meischi“ und Plech belauscht worden. Sein damals abgehörter Kommentar zum Projekt Nordbergstraße hat mittlerweile Kultstatus: „Wo woar mei Leistung?“ Für alle Beteiligten gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

Telekom-Organigramm zum Verkauf „Nordbergstraße“

– Ashwien Sankholkar

"Es werden sicher noch viele Fälle im Ausmaß eines Telekom-Skandals aufgedeckt"

Telekom

"Es werden sicher noch viele Fälle im Ausmaß eines Telekom-Skandals aufgedeckt"

Causa Telekom: Cash für Colombo

Telekom

Causa Telekom: Cash für Colombo

Heinz Sundt: "Hochegger war sein Geld wert"

Telekom

Heinz Sundt: "Hochegger war sein Geld wert"