Causa Telekom: Cash für Colombo

Causa Telekom: Cash für Colombo

Aktentasche oder Plastiksackerl? Im Jahr 2005 stellte sich nicht nur Finanzminister Karl-Heinz-Grasser die heikle Frage, wie hundertausende Euro Cash diskret zur Bank zu bringen seien. Auch Stefano Colombo stand 2005 als Vorstand der Telekom Austria vor demselben Problem wie sein damaliger oberster Eigentümervertreter.

So kam, was kommen musste: Fünf Mal spazierte Colombo zum Bankschalter am Wiener Stock-im-Eisen-Platz, leerte die Ledertasche aus und verschwand mit einer Quittung in der Hand. Die Einzahlungen summierten sich auf mehr als eine Million Euro. Unangenehme Fragen blieben Colombo erspart, weil ihn das Bankgeheimnis vor Finanz und Polizei gut abschirmte. Das dubiose Cash für Colombo blieb daher wohl gehütet.

Acht Jahre später interessieren sich Bundeskriminalamt (BKA) und Bundesamt für Korruptionsbekämpfung (BAK) für die außergewöhnlichen Geldtransporte des Stefano Colombo und stellen längst überfällige Fragen: Woher stammt die Mille? Und ist die Quelle kriminell?

Auslöser für das akute Behördeninteresse ist eine FORMAT exklusiv vorliegende Anzeige der Deutschen Bank vom 22. Oktober 2012. Die Meldung bezieht sich auf den gebürtigen Italiener und Wahlösterreicher Colombo. „Wir haben Verdacht oder den berechtigten Grund auf Geldwäscherei“, schreibt ein Mitarbeiter der Compliance Abteilung in Wien: „Insgesamt wurden im Zeitraum 2. August 2005 bis 16. Februar 2007 1,18 Millionen Euro bar eingezahlt.“ Und weiter: „Es besteht aus Sicht der Bank der Verdacht oder berechtigte Grund zur Annahme, dass die Mittel aus einer in Paragraf 165 Strafgesetzbuch („Geldwäscherei“) aufgezählten strafbaren Handlung herrühren.“ Polizeiliche Ermittlungen werden daher dringend angeregt.

Der Staatsanwalt schrieb umgehend eine „Anordnung der Sicherstellung zur Sicherung privatrechtlicher Ansprüche“ und verfügte eine sofortige Kontensperre, „um zu verhindern, dass Colombo die auf dem Depot befindlichen Vermögenswerte beiseite schafft“. Die insgesamt 3,17 Millionen Euro, die auf dem Konto mit der Nummer 85376 bei der Deutschen Bank liegen, sind seither eingefroren.

Mit der Geldwäscheverdachtsmeldung hat die Deutsche Bank eine Bombe gezündet. Denn im Gegensatz zu den Bankern, die einen Zusammenhang mit den Telekom-Kursmanipulationen aus dem Jahr 2004 vermuten – dafür bekam Colombo im Februar eine (nicht rechtskräftige) Strafe von 3,5 Jahren Gefängnis aufgebrummt –, wittern die Polizisten eine Verbindung zur skandalumwitterten Mobiltel-Affäre.

Aus Sicht der Ermittler könnten die Zahlungen mit der Übernahme des bulgarischen Mobilfunkers durch die Telekom Austria im Jahr 2005 zu tun haben. Der Deal steht seit Jahren unter Korruptionsverdacht: Beim milliardenschweren Mobiltel-Kauf sollen Spitzenleute der Telekom Austria bestochen worden sein. Stefano Colombo war ein wichtiger Entscheidungsträger bei der Transaktion. Auf politischer Ebene war es der damalige Finanzminister Grasser. Bislang tappte die Justiz im Dunkeln. Doch bei der nun entdeckten Million könnte es sich um Kickbacks handeln, was Colombo stets bestritten hat.

Brisante Vorgeschichte

Im Jahr 2002 kaufte eine österreichische Investorengruppe dem mutmaßlichen Mafioso Michail Cherney (alias Mikhail Chernoy alias Michael Tschernoy) die bulgarische Mobiltel ab. Dem von Martin Schlaff angeführten Austro-Konsortium gehörten Ex-Androsch-Sekretär Herbert Cordt, Ex-ÖVP-Obmann Josef Taus und die von Helmut Elsner geführte Gewerkschaftsbank Bawag an. Sie zahlten rund 800 Millionen Euro für die Mobiltel. Kurz nach dem Kauf wurde Herbert Cordt aktiv. Als Vertreter der Neo-Mobiltel-Eigentümer engagierte er den gut vernetzten Lobbyisten Peter Hochegger, um bei Telekom und Finanzministerium gute Stimmung zu machen. Für den Erfolgsfall – „Telekom kauft Mobiltel“ – wurde Hochegger eine Provision von 500.000 Euro zugesagt. „Das war leicht verdientes Geld“, sagt Hochegger in einem „profil“-Interview vom März 2013. Das Honorar habe er mit Walter Meischberger geteilt, der direkten Zugang zu Grasser hatte. Er selbst beackerte den Telekom-Vorstand. „Colombo hatte Zweifel, dass sich das rechnen könnte“, sagt Hochegger. Doch am Ende konnte er umgestimmt werden. Im Juli 2005 war der Deal perfekt. Die Telekom zahlte 1,6 Milliarden Euro. Schlaff und Co. waren richtig reich. Wie es zu Colombos Meinungswechsel kam, blieb ein Rätsel. Geld könnte ein Motiv gewesen sein, so der Verdacht der Ermittler.

Fakt ist: Kurz nach der Pro-Mobiltel-Entscheidung starteten Colombos dubiose Geldtransporte: Mit 400.000 Euro in der Aktentasche spazierte er am 2. August 2005 erstmals in die Privatbank Sal. Oppenheim (heute: Deutsche Bank Österreich). Am 19. September 2005 kam er mit 300.000 Euro und zu Weihnachten gab’s 50.000 Euro Nachschlag. Die letzten beiden „Bartransaktionen“ fanden laut Geldwäsche-Anzeige im Juli 2006 (250.000 Euro) und im Februar 2007 (180.000 Euro) statt. „Es handelt sich um Veranlagungen für die Eltern“, sagt Colombo-Anwalt Kurt Kadavy zu FORMAT. Wieso das Geld nicht überwiesen wurde, kann nur Colombo beantworten – und der ist nicht erreichbar. Kickbacks weist Kadavy zurück: „Das Geld hat nichts mit Mobiltel zu tun.“

Kurz nach der letzten Bargeldzahlung endete Colombos Telekom-Karriere. Ein Abgang, der ihm mit 1,2 Millionen Euro Abfertigung und einem 500.000 Euro dotierten Konsulentenvertrag versüßt wurde. Das Telekom-Geld wurde bargeldlos überwiesen, so wie es sich gehört.

Colombo blieb nicht lange arbeitslos. Im Juni 2007 übernahm die Privatstiftung von Ex-Mobiltel-Eigentümer Martin Schlaff die Kontrolle über den börsenotierten Feuerfestriesen RHI – und machte Colombo für zwei Jahre zum Finanzvorstand. Als solcher hinterließ er zwar keinen bleibenden Eindruck, dafür cashte er nochmals ordentlich ab.

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