Eurofighter-Gegengeschäfte: Die Liste des Wahnsinns

Eurofighter-Gegengeschäfte: Die Liste des Wahnsinns

Die Palette jener Gegengeschäfte, die vom Wirtschaftsministerium anerkannt wurden, ist ein buntes Sammelsurium aus teils seltsamen, teils fragwürdigen sowie teils durchaus seriösen Geschäftsfällen. Gemeinsam ist den meisten, dass sie nur oberflächlich dokumentiert und im Eilzugstempo durchgewunken wurden.

Echte

Magna Steyr Power Train: Ein Gegengeschäft mit Fiat zur Produktion von Allrad-Komponenten im Volumen von 8,99 Millionen Euro hat tatsächlich stattgefunden. Allerdings ortet der Grüne Peter Pilz Ungereimtheiten beim Zeitpunkt der Einreichung.

FACC: Das Management des Herstellers von Leichtbau-Komponenten sieht sich durch die Zulieferung von Landeklappenteilen für den neuen Airbus 380 „in eine neue Dimension“ katapultiert. Der Deal scheint in Ordnung, allerdings merken Experten an, dass das Geschäft womöglich auch ohne den Eurofighter-Deal zustande gekommen wäre.

Test Fuchs: Das niederösterreichische Unternehmen ist in der Flugzeugtechnik für die Luftfahrt aktiv und etabliert. Es liefert Mess- sowie Prüfgeräte im Ausmaß von mehreren Millionen Euro an Luftfahrtunternehmen.

Fragwürdige

Babcock Borsig España: Die „Austrian Energy & Environment“ aus dem seinerzeitigen Firmenreich von Mirko Kovacs erwarb um 100.000 Euro das in Konkurs befindliche spanische Unternehmen. Als dessen Wert wurde das längst verspielte Stammkapital von 47,4 Millionen angesetzt, davon Kaufpreis und fiktive Kosten für Sozialplan und Schuldentilgung abgezogen. In die Gegengeschäftsliste eingepreist wurde der Kauf, der in Österreich weder Arbeitsplätze noch Wertschöpfung induzierte, dann mit 17,3 Millionen.

Ramonda BeKleidungs GmbH: Das italienische Handelsunternehmen wagte 2003 den Schritt nach Österreich, angeblich nach einem Hinweis der „Alenia“, dass der Markt hier vielversprechend sei. Wegen der ökonomischen Auswirkungen auf Österreich setzte die Plattform Eurofighter den Wert des Deals mit dem ungefähren dreifachen Jahresumsatz von Ramonda an. Das Wirtschaftsministerium soll ursprünglich sogar gedrängt haben, den zehnfachen Wert einzupreisen – was selbst den großzügigen Gutachtern dann doch als zu gewagt erschienen sein dürfte.

Glatz Schilder GmbH: Was das Vorarlberger Unternehmen für EADS an anrechenbaren Gegengeschäften tatsächlich geleistet hat, ist unklar. Der heutige Geschäftsführer der Nachfolgefirma will von nichts wissen und findet trotz Aufbewahrungspflicht keine Unterlagen. Der Assistent des verstorbenen Firmenchefs sagt, bevor er das Telefonat mit FORMAT abrupt beendet: „Ich habe überhaupt keine Lust, darüber zu sprechen.“

Skurrile

Dr. Ricc abona Psychologen KEG: Der Innsbrucker Therapeut Heinrich Riccabona wurde 2003 für Coachings von EADS-Managern engagiert. „Eine kleine und lächerliche Geschichte“, sagt Riccabona selbst dazu und will daran „nicht mehr erinnert“ werden.

Beraternetzwerk TOEM: Das Unternehmensberater-Netzwerk ist in verschiedenen Bereichen bis hin zur Lebensberatung aktiv. Coach Thomas Hartwig kam in den Genuss von Aufträgen aus dem EADS-Umfeld. Was er genau tat, liegt im Dunkeln. Sein Telefon hebt der Lebensberater nicht ab.

Die volle Gegengeschäftsliste der Jahre 2003/2004

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