Die Geldgeschäfte des Grafen

Die Geldgeschäfte des Grafen

Die Justiz sucht fieberhaft nach den Geldempfängern des Waffenlobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly. In Österreich stehen zehn Personen im Visier des Staatsanwalts.

Ich fliege einmal im Monat nach London, und dort treffe ich mich mit jemandem vom Vorstand (von British Aerospace, Anm.), und er fragt mich dann nicht nur über Österreich und ob die Donau noch blau ist oder nicht, sondern über alle möglichen Zusammenhänge“, gab Alfons Mensdorff-Pouilly in seiner Einvernahme beim britischen Serious Fraud Office (SFO) am 8. November 2007 offenherzig zu Protokoll. „Meine Hauptmitwirkung bestand darin, meine Meinung zu sagen und Informationen bereitzustellen.“ That’s it!

Die Mensdorff-Einvernahme ist Teil eines vertraulichen SFO-Dossiers, das FORMAT in der Vorwoche exklusiv veröffentlicht hat. Darin wird dem Ehemann von Maria Rauch-Kallat eine zentrale Rolle im „Red Diamond“-Schmiergeldsystem des Rüstungsriesen British Aerospace (BA) vorgeworfen. Das SFO hegte darin Zweifel an Mensdorffs Geschichte. Immerhin waren die BA-Manager in Spitzenzeiten bereit, fast 100 Millionen Dollar für Ratschläge des Waffenlobbyisten zu zahlen. So viel Geld für simple Beratung? „Kaum zu glauben“, meint ein Ermittler.

Das SFO intensivierte die Ermittlungen und wurde im April 2008 fündig: Razzien in London wiesen auf Mensdorff als „Red Diamond“-Strippenzieher hin. Zudem wurden Briefkastenfirmen und Hintermänner enthüllt, die ihn unterstützt hatten. Für alle Personen gilt die Unschuldsvermutung.

„British Aerospace leistete auf verschiedene Methoden und über verschiedene Gesellschaften Zahlungen an Mensdorff“, so der SFO-Bericht vom 25. Juli 2008: „Die für Marketingdienstleistungen gezahlten Gelder wurden in bar an Dritte verteilt; nachträglich wurden Berichte und Vertreterverträge erstellt, um diese Zahlungen zu rechtfertigen, und Mensdorff manipulierte korrupt den politischen Prozess zugunsten von BA.“

Entlarvt wurden die Geschäfte des Grafen durch einen Insider: Mark Cliff. Der Brite assistierte dem verstorbenen BA-Berater und Mensdorff-Verwandten Timothy Landon und war nach eigenen Angaben Verwalter von „Red Diamond“. Die Geldempfänger seien nur „in Codes“ besprochen worden, erzählte Cliff. Wer letztlich wie viel bekam, hätten Landon, Mensdorff und dessen Kompagnon Kurt Dalmata gewusst. Cliff verblüffte die SFO-Ermittler mit einer Art Kostenvoranschlag, die Mensdorff bei einem Meeting bei British Aerospace im Herbst 2001 präsentiert haben soll. Demnach seien „korrupte“ Drittzahlungen von 250 Millionen Schilling (18,2 Millionen Euro) zur Beeinflussung der Militärbeschaffung an vier Österreicher thematisiert worden (siehe Tabelle). Ungarn galt damals als billig, Tschechien als kostspieliger, erinnerte sich Cliff. In Österreich hat der Staatsanwalt vorläufig sechs (Ex-)Politiker und vier hochrangige Militärs als Verdächtige im Visier, die ersten Einvernahmen sollen noch vor dem Sommer beginnen.

Das Geld für Mensdorffs Aktivitäten sprudelte jedenfalls laut SFO-Akt kräftig: „Von März 2000 bis Juli 2003 zahlte BA 5,6 Millionen Pfund (...) für in Österreich, Ungarn und der Tschechischen Republik erbrachte Leistungen (...) Von Dezember 2004 bis Dezember 2006 zahlte BA 10,8 Millionen Pfund (...) für in der Tschechischen Republik (ein Erfolgshonorar in Höhe von 4 Prozent für den Leasing-Vertrag der Gripen) und in Ungarn durchgeführte Tätigkeiten.“ Nachsatz: „Ein Großteil dieses Betrages wurde anschließend auf Konten in Österreich überwiesen.“

Danach soll die Geldverteilung erst richtig los gegangen sein. Mensdorff selbst machte sich die Hände nicht schmutzig. Einerseits wies er Mitarbeiter seiner Firma MPA zur Mithilfe an, andererseits griff er auf Amigos zurück. „Dalmata, ein guter Freund und Kollege von Mensdorff, wurde zum Abheben von Barbeträgen bei Banken in der Schweiz und Österreich eingeschaltet“, heißt es im SFO-Papier. Die Briten vermuten, dass dabei Banker geschmiert worden sind. „Dalmata konnte hohe Geldbeträge abheben, indem er eine korrupte Beziehung zu seinem Banker Axel Fundulus, der mit der Bank Sal.Oppenheim in Verbindung steht, einfädelte.“ Fundulus erhielt etwa 532.359 Dollar aus dem Red-Diamond-System. Wofür, ist unklar.

Mensdorff zeigt gegenüber FORMAT kein Interesse, die mysteriösen Millionenzahlungen zu erklären. Sein Anwalt Harald Schuster: „Kein Kommentar.“

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