Falle für Kreditnehmer: Neue Wertpapier-KESt vergrößert das Loch bei Tilgungsträgern

Falle für Kreditnehmer: Neue Wertpapier-KESt vergrößert das Loch bei Tilgungsträgern

Jahrelang galt die endfällige Kreditfinanzierung mit Tilgungsträgern als Geheimtipp. Drückerbrigaden zogen durch die Lande und schwatzten Kreditnehmern „mündelsichere“ Wertpapiere zur späteren Abdeckung der Kreditsumme auf. Auch so manche Bank spielte mit. Die Eruptionen am Finanzmarkt sorgen dafür, dass Tilgungsträger die versprochene Performance nicht erreichen werden. Und die neue Wertpapier-KESt sorgt unter Umständen dafür, dass das Loch noch größer wird.

Der jüngste Finanzmarktstabilitätsbericht der Nationalbank gibt sich betont nüchtern: Der Bestand an in Österreich vergebenen Fremdwährungskrediten lag per Ende März 2012 bei 56,2 Milliarden €. Zum Vergleich: Die Staatschulden Irlands lagen im letzten Vorkrisenjahr (2007) bei 47,1 Milliarden €. Vier Jahre und einige Bankenrettungsaktionen später ist die Schuldenlast der Inselrepublik auf 169,3 Milliarden € explodiert.

OeNB: Banken müssen handeln

Explosiv ist auch die Situation bei den Fremdwährungskrediten, speziell jenen die mit einem Tilgungsträger unterlegt sind. Und das liegt nicht nur an der momentanen Stärke des Schweizer Franken. Laut Finanzmarktstabilitätsbericht der OeNB lag der Anteil privater Haushalte an den Fremdwährungskrediten bei 27,6 %. Rund drei Viertel dieser Kredite sind mit Tilgungsträgeren unterlegt. Die OeNB im O-Ton: „Diese (meist klassischen Lebensversicherungen oder andere kapitalmarktorientierte Produkte) mussten im Zuge der Finanzmarktturbulenzen deutliche Performanceeinbußen hinnehmen, wie eine im Jahr 2011 durchgeführte Umfrage zeigte.“ Die OeNB weiter: „Die Banken sind nun angehalten, entsprechende Maßnahmen zu treffen, um die teils beträchtlichen Deckungslücken zu schließen.“

Die neue Wertpapier-KESt, die seit 1.4.2012 endgültig in Kraft getreten ist, und realisierte Kursgewinne mit 25 % besteuert wird das Loch bei einigen Tilgungsträgern weiter aufreißen. Der Grund ist einfach: Die 25 %, die sich der Staat schnappt könnten am Ende bei der ursprünglich zugrunde gelegten Ansparvariante auf den Tilgungsträger fehlen.

Zwar wurden in das Wertpapier-KESt-Gesetz spezielle Ausnahmebestimmungen eingebaut, die das Problem bei den Tilgungsträgern entschärfen sollten, doch diese werden nicht in allen Fällen greifen. Wertsteigerungen aus Kapitalvermögen (z.B. Fonds), die vor dem 1.11. 2010 im Rahmen eines Tilgungsplanes für einen Kredit abgeschlossen wurden, bleiben dann steuerfrei, wenn
• der Tilgungsplan „nachweislich“ mit einem Kredit zusammenhängt der für die Anschaffung, Errichtung und Sanierung von Wohnraum (Eigenheim) aufgenommen wurde. Der Nachweis muss in Form eines Tilgungsplanes erbracht werden.
• Das Kreditvolumen 200.000 € nicht übersteigt. Laut Roland Reisch, Partner bei TPA Horwath ist diese Summe so zu verstehen, dass bei einer höheren Darlehenssumme nur jener Teil der Steuer unterliegt, der über die 200.000 € hinausragt.
„Die Steuerfreiheit gilt allerdings nicht automatisch, sondern muss beantragt werden“, erklärt Reisch.

Ausnahmen von der Wertpapier-KESt auf Vermögenszuwächse (Kursgewinne, etc.) gelten auch für Versicherungsprodukte, z.B. fondsgebundene Lebensversicherungen, die vielfach ebenfalls als Tilgungsträgern eingesetzt wurden. Kapitaleinkünfte aus Versicherungsprodukten, die erst nach Ablauf einer Frist von 15 Jahren, auf einmal ausbezahlt werden unterliegen nicht der neuen Wertpapier-KESt..

Lücke schließen

Trotz dieser beiden Ausnahmen könnte es bei vielen endfälligen Krediten, die auf Tilgungsträgern aufbauen eng werden. Experte Reisch, der wie er sagt von dieser Kredit-Variante nichts hält, da „sie der absoluten Mehrheit der Personen nichts gebracht hat“, rät jedenfalls dazu rechtzeitig vorzusorgen: „Man sollte sich möglichst rasch eine zusätzliche Ansparvariante überlegen um eine eventuelle Lücke am Ende zu schließen.“

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