Techniker aller Fachrichtungen sind äußerst begehrt am Arbeitsmarkt

Lokalaugenschein an den Ausbildungsstätten junger Techniker: Bei Karrieremessen und Recruiting-Events sind die Absolventen aller technischen Fachrichtungen heiß begehrte Objekte der Begierde.

Jobbörse an der HTL Braunau vor wenigen Wochen: Nicht nur Firmen aus dem Innviertel, auch Betriebe aus dem Großraum Salzburg und Linz und sogar eine ganze Reihe von bayrischen Unternehmen präsentierten sich den künftigen Ingenieuren als attraktive Arbeitgeber. Über 60 Firmen nahmen an dem Event teil. Ein neuer Rekord.

Derselbe Tag, ein anderer Schauplatz: Recruiting Day an der FH Joanneum in der Steiermark. Was vor acht Jahren als kleine Informationsveranstaltung des Studiengangs Informationsmanagement begann, ist mittlerweile ein hochrangiger Event für Unternehmen mit Personalbedarf. Die Personalverantwortlichen von Andritz, Magna Steyr, Deloitte, Accenture, KPMG, Infonova bis hin zu Peek & Cloppenburg – und das ist nur ein kleiner Auszug aus der Liste – werben um die Gunst der Studierenden.

An der FH Oberösterreich kämpft man indes mit einem ganz praktischen Problem: Es gibt nicht genug Platz für alle Unternehmen, die an der Karrieremesse teilnehmen wollen. Den enormen Ansturm könne man gar nicht bewältigen, sagt Wilhelm Burger, Dekan der FH OÖ. Sogar Betriebe aus Norddeutschland hätten den langen Weg in Kauf genommen, um hier nach Nachwuchs Ausschau zu halten. Helene Czanba, Geschäftsführerin des Career Center der TU Wien, berichtet von einer Verdoppelung der Stellenangebote seit 2009. Im Vergleich zum Vorjahr könne man nochmals eine Steigerung der Annoncenzahl von 65 Prozent verzeichnen.

„Fakt ist, wir können alle zusammen den Bedarf an Technikern nicht decken, und zwar bei weitem nicht“, bringt Fritz Schmöllebeck, Rektor der FH Technikum Wien, die Sache auf den Punkt. „Unsere Absolventen werden schon während des Studiums von Wirtschaft und Industrie umworben. Die meisten Studierenden haben schon vor Ende des Studiums mehrere Jobangebote am Tisch.“

Top-Einstiegsgehälter

Nicht zuletzt aus diesem Grund können sich die Einstiegsgehälter junger Techniker durchaus sehen lassen. Je nach Qualifikation werden im Schnitt zwischen 2.400 und 2.800 brutto pro Monat bezahlt. In der Industrie gibt es nicht selten noch ein paar Hundert Euro drauf. Beim Automobilzulieferer Magna Steyr etwa bietet man begehrten Kandidaten bis zu 3.500 Euro. „Mittlerweile kommen ja auch schon süddeutsche Unternehmen in die Steiermark und fischen uns gute Techniker weg. Mit dem Gehaltsniveau bayrischer Unternehmen lässt es sich nun einmal schwer mithalten“, sagt Markus Tomaschitz, Geschäftsführer von Magna Education & Research.

Die lukrativen Bedingungen machen es Bachelor-Absolventen technischer Studien mitunter schwer, sich für ein weiterführendes Masterstudium zu entscheiden. Während ihres Pflichtpraktikums gegen Ende des Studiums erleben sie erstmals hautnah, wie sehr ihr Wissen gefragt ist. Wozu also noch weiterbüffeln?

Auch für Katrin Riegler waren die Monate in ihrer Praktikumsfirma ein voller Erfolg. Sie sei sofort nach Abschluss ihres Informationsmanagement-Bachelors herzlich willkommen, ließ Magna Steyr sie umgehend wissen. Das schmeichelt natürlich. „Ich habe mir lange überlegt, ob ich das Offert annehmen soll, die Verführung, in so einem großen Konzern beginnen zu können, war schon sehr groߓ, sagt Riegler. Doch letztlich schlug sie das Job-Angebot aus. Vernünftiger erscheint es ihr, sich doch Vollzeit ihrem „intensiven und fordernden“ Masterstudium zu widmen. „Aber seit meinem Praktikum bin ich noch motivierter und selbstbewusster, weil ich gesehen habe, wie gut meine Ausbildung ist und wie sehr meine Kompetenzen am Arbeitsmarkt gefragt sind. Das ist ein gutes Gefühl“, sagt die junge Technikerin.

Interesse der Industrie

Bei dem Technologieunternehmen Infonova wurden im letzten Jahr insgesamt 60 Mitarbeiter mit einer technischen Ausbildung aufgenommen. „Wir hätten gerne noch mehr eingestellt, hätten wir nur mehr gefunden“, sagt Geschäftsführer Gerhard Greiner. „Ob HTL-, FH oder TU-Absolventen, an Bewerbern aller Einrichtungen besteht großes Interesse, wir können alle sehr gut gebrauchen.“

Auch Johannes Gschwandtner, Geschäftsführer von Technosert Electronic, einem Dienstleister für Industrieelektronik, hält einen guten Ausbildungsmix unter seinen Mitarbeitern für essenziell. TU-Absolventen seien für Forschung und Entwicklung prädestiniert, FH-Absolventen könnten hinge- gen sofort in den Produktionsprozess integriert werden. „Die Curricula an den FHs sind nämlich auf konkrete Berufsbilder ausgerichtet. Das ist eine Bereicherung für den Bildungssektor!“

Was aber keineswegs heißt, dass TU-Akademiker nicht genauso gebraucht werden. „Die Kombination von technischer und wirtschaftlicher Ausbildung ist am Markt heiß begehrt. Aber genauso werden Elektrotechniker, Bauingenieure, Maschinenbauer und allen voran Verfahrenstechniker dringend gesucht. Wir würden uns wünschen, dass sich noch viel mehr Maturanten für diese Studienrichtungen entscheiden, denn die Chancen sind einfach exzellent“, sagt Czanba.

„Harte“ Studien

Einige dieser „harten“ Technikstudien werden auch an der FH Technikum Wien angeboten. „Aber gerade die klassischen Ingenieurwissenschaften ‚verkaufen‘ sich derzeit nicht so gut wie Studienrichtungen, die einen Mix aus Technik, Wirtschaft und Umwelt bieten“, beobachtet FH-Rektor Schmöllebeck. Deshalb versucht man an der Wiener FH mit sehr speziellen Inhalten, den Zeitgeist zu treffen und so neue Zielgruppen an Bord zu holen: Game Engineering und Simulation, Sports Equipment Technology, Biomedical Engineering, Tissue Engineering and Regenerative Medicine sind Beispiele dafür. Allerdings kann es sich nicht jede FH leisten, solche Nischen-Lehrgänge anzubieten, denn die Kosten dafür sind hoch, die Teilnehmeranzahl mit 15 oder 20 Studierenden jedoch oft recht klein.

Sinn im Job

Anders ist die Lage bei Studien, deren Abschluss einen Green Job, also einen Arbeitsplatz im Umweltsektor, verspricht. Dazu zählt etwa der Lehrgang „Urbane Erneuerbare Energietechnologien“, für den sich immer mehr Maturanten entscheiden. „Diese Menschen haben ein besonderes Anliegen. Sie wollen einmal etwas tun, womit sie einen nachhaltigen Beitrag für die Umwelt leisten. Viel Geld zu scheffeln, das alleine ist für sie kein Anreiz“, sagt Schmöllebeck.

Das trifft auch auf Peter Oehler zu. Nach seinem Bachelor in Mechatronik und Robotik an der FH Technikum Wien entschied er sich für einen Master, der ihn beruflich in eine ganz neue Richtung bringen sollte: „Natürlich hätte ich in die Automobilbranche gehen und dort noch schnellere Autos entwickeln können. Aber ich wollte etwas tun, was für mich mehr Sinn macht.“

So wagte er den Schritt zu Crystalsol, einem jungen Start-up, das sich mit der Entwicklung innovativer Solarzellen beschäftigt. „Mir war bewusst, dass ich mit meiner Entscheidung ein Risiko eingehe. Wie sich ein so junges Unternehmen entwickelt, ist nicht vorhersehbar. Dass wir in kurzer Zeit so viel Erfolg haben würden, damit konnte niemand rechnen. Aber die Unsicherheit hat mich nicht weiter belastet.“

Völlig zu Recht: Mit der Gewissheit, sofort wieder einen Job zu finden, können sich Techniker heutzutage gelassen und selbstbewusst am Arbeitsmarkt bewegen.

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