In Österreich landen Manager stets sanft

Weshalb sich Vorstände auf ihre Netzwerke verlassen können

Was haben der österreichische Fußball und die österreichische Wirtschaft gemeinsam? Wer irgendwo rausfliegt, landet mit Sicherheit in kürzester Zeit irgendwo anders. Im Fußball fallen Österreichs Trainer, Spieler, Funktionäre nie allzu tief, denn die Konkurrenz nimmt auch Leute mit durchschnittlicher Erfolgsbilanz – Hauptsache, man kennt sich.
In Österreichs Wirtschaft geht es ähnlich zu, wie das Beispiel Andreas Bierwirth beweist: Im März des Jahres wurde der deutsche Manager bei der maroden AUA vor die Tür gesetzt (und zwar recht unsanft), nun darf er beim Mobilfunker T-Mobile durchstarten. Er kenne die österreichische Wirtschaft eben gut, wird seitens seines neuen Arbeitgebers argumentiert.

Ein gutes Beispiel

Ohne die sicherlich vorhandenen Management-Eigenschaften von Herrn Bierwirth schmälern oder gar in Abrede stellen zu wollen: Dieser Fall ist symptomatisch für die Netzwerke in der Wirtschaft, die jeden auffangen, der aufgefangen werden will. Man kennt sich eben, man(n) bleibt sich treu, man kann sich aufeinander verlassen – schließlich kann man nie wissen, wann man selbst mal den Anderen braucht.

Der ausgebildete Berufspilot Bierwirth, der unter anderem fürs Marketing von Lufthansa und Germanwings werkte, war ab 2008 im AUA-Vorstand tätig gewesen. Ein Wechsel von der Luftfahrtbranche in den Mobilfunk mag ungewöhnlich sein; zumindest hätte man vom nächsten T-Mobile-Chef Branchenkenntnis erwartet. Aber darum geht es nicht; ein fähiger Manager kann sich recht schnell auf anderen Sektoren einstellen. Er muss ja nicht wissen, wie ein Handy-Netzwerk im Detail funktioniert, sondern er muss Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen führen können, motivieren, bei Krisen rasch reagieren. Auch ein anderer Ex-AUA-Vorstand kam nicht aus der Flugindustrie: Alfred Ötsch war davor bei Siemens tätig gewesen. Wobei: So ein gutes Beispiel ist Herr Ötsch dann auch wieder nicht….

Freunderlwirtschaft oder nicht?

Aber wie gesagt: Darum geht es nicht. Es geht um die Frage, weshalb Manager, deren Erfolgsbilanz zumindest fraglich oder löchrig ist, selten Schwierigkeiten haben, woanders anzudocken. Ist das Netzwerk, ist die „Freunderlwirtschaft“ mehr wert als alles andere? Übrigens ist es in der Medienszene keineswegs anders: Manager, die erwiesenermaßen wenig zusammengebracht haben, tauchen nach ihrem Ausscheiden beim Verlag A in kürzester Zeit bei Verlag B auf.

Wetten, dass uns noch unzählige weitere Beispiele für die sanfte Landung von Managern aller Branchen begegnen werden?

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