FORMAT-Interview mit Xing-Österreich-Chef Robert Beer

FORMAT-Interview mit Xing-Österreich-Chef Robert Beer

Hohe Investitionen haben im ersten Quartal den Gewinn des Karriere-Netzwerks Xing gedrückt. Österreich-Chef Robert Beer sagt im Interview, weshalb das börsenotierte Unternehmen munter weiter investiert und welche neuen Services es geben soll.

Ohne Netzwerke geht gar nichts. Und in beruflicher Hinsicht ist Xing die Nummer eins: Während Facebook vornehmlich für private Kontakte genutzt wird, ist Xing das Portal für die Karriere und für Freunderlwirtschaft 2.0. Dementsprechend rasch wächst die Plattform, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf mehr als 5,5 Millionen Mitglieder kommt.

Dieses Wachstum kostet aber Geld: Das börsenotierte Unternehmen hat im ersten Quartal in Produktentwicklung und Vertrieb investiert, was das Ebitda um 15 Prozent auf 4,8 Millionen € sinken ließ. Der Umsatz ist um 13 Prozent auf 17,7 Millionen gestiegen. Demnächst soll der Recruiting-Bereich ausgebaut werden, das Unternehmen arbeitet an einer Software, mit der die Suche nach neuen Mitarbeitern erleichtert werden soll.

FORMAT hat Robert Beer, Country Manager Xing Österreich, über die Zukunft des Karriere-Netzwerks gesprochen.

FORMAT: Wie hat sich Xing im ersten Quartal in Sachen Mitgliederzahlen in Österreich entwickelt?

Robert Beer: Wir beobachten in Österreich seit einigen Monaten ein beschleunigtes Mitgliederwachstum. Xing wuchs in Österreich in den ersten vier Monaten des Jahr zirka um einen Drittel stärker als im Vorjahreszeitraum. Die Anzahl der Mitglieder liegt in Österreich bei deutlich über 460.000.

FORMAT: Der Bereich E-Recruiting ist im ersten Quartal gewachsen. Wie hat sich da speziell der österreichische Markt getan?

Der Bereich hat sich in Österreich sehr erfolgreich entwickelt: Die Anzahl der HR-Profis, die mit dem kostenpflichtigen Recruiter-Account gezielt Fachkräfte suchen – und damit auch latent Stellensuchende ansprechen können – ist in Österreich von März 2011 bis März 2012 um über 50 Prozent gewachsen.

FORMAT: Das Ebitda ist im ersten Quartal zurückgegangen – wird es auch im zweiten Quartal weiter hohe Investitionen geben?

Wir konnten in allen Erlösquellen im ersten Quartal zulegen, auch die Mitgliederzahlen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind so stark gewachsen wie seit drei Jahren nicht. Wir haben stark investiert – gerade in den Bereichen Personal und Marketing. Planmäßig lag daher das Ebidta unter dem Vorjahreswert. Unser klarer Fokus ist weiterhin Wachstum, die Investitionsentscheidungen dafür werden jedoch im Headquarter in Hamburg getroffen.

FORMAT: Wie werden Sie in den nächsten Monaten die berufliche Vernetzung via Xing weiter verbessern?

Das tun wir kontinuierlich: So haben wir im vergangenen Dezember Xing Beta Labs gelauncht – eine Testplattform für neue Funktionen auf Xing. Diese sind noch nicht bereit für die große Masse, werden aber den Mitgliedern schon zum Testen vorgestellt. Sie helfen uns mit ihrem Feedback, die Funktionen zu verbessern, so dass wir sie schnell in einer marktreifen Version auf der Plattform einführen können. Diese neuen Funktionen sind auf optimale Nutzung der Plattform und bessere Vernetzung ausgerichtet. Beispiele sind etwa die Freelancer-Projektbörse oder die Möglichkeit, die Updates anderer Mitglieder zu abonnieren, die noch nicht ihre Kontakte sind.

FORMAT: Wie beurteilen Sie den Börsengang von Facebook?

Bitte haben Sie Verständnis, dass ich mich grundsätzlich nicht zu anderen Marktteilnehmern äußere.

FORMAT: Sie planen auch neue Werbeformen – besteht da nicht die Gefahr, dass Mitglieder dem negativ gegenüberstehen?

Unser Ziel ist es, sowohl für unsere Nutzer als auch für unsere Kunden Relevanz zu schaffen. Mitglieder sollen auf Xing Inhalte sehen, die sie interessieren und ihnen einen Mehrwert liefern. Genau das ermöglicht der neue Ad Creator. Das ist ein Selbstbuchungstool, über das Mitglieder plattforminterne Inhalte auf Xing gesondert herausstellen können, jedoch immer im Kontext unseres geschäftlichen Netzwerks.

FORMAT: Wie entwickelt sich die Vernetzung in Fachgruppen?

Mittlerweile gibt es mehr als 50.000 Fachgruppen auf Xing, in denen sich Mitglieder zu den vielfältigsten Themen austauschen oder Rat einholen. Diese Form der Vernetzung spielt auch in Österreich eine große Rolle. Allein die Wien-Gruppe hat fast 30.000 Mitglieder. Und auch in den regionalen Gruppen von Graz oder Salzburg vernetzen sich Mitglieder aktiv. Auf Xing sehen wir zudem, dass in Österreich auf die persönliche Komponente im Berufsleben nach wie vor großen Wert gelegt wird. So wurden in Österreich im ersten Quartal 2012 rund 2.500 Events organisiert, auf denen Mitglieder den online geknüpften Kontakt offline vertiefen.

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