Elite-Uni will an der Wirtschaft andocken

Elite-Uni will an der Wirtschaft andocken

Kommerzielle Verwertung der Forschungsarbeiten wird nun angegangen, langfristig soll ein Technologiepark nebem dem Campus entstehen.

Für eine weitgehend getrennte Betrachtung von Forschung und Entwicklung sprach sich der ehemalige Vizepräsident für Technologietransfer des Weizmann Instituts in Israel, David Mirelman, bei einer Veranstaltung an der Elite-Uni ISTA (Institute of Science and Technology Austria) in Klosterneuburg aus. Ein Institut wie das ISTA könne zwar ein guter Ausgangspunkt für unternehmerische Vorhaben sein, dessen Umsetzung müsse aber außerhalb erfolgen. Einig war sich das Podium darüber, dass in Österreich zu wenig Risiko- und Startkapital für Spin-offs aus dem akademischen Umfeld zur Verfügung stehen und der Aufbau einer unternehmerische Kultur erst in den Kinderschuhen steckt.

Mit der Gründung eines Büros, dass sich mit der Förderung und Nutzung geistiger Eigentumsrechte an wissenschaftlichen Entdeckungen beschäftigt, macht das 2009 eröffnete IST Austria einen ersten Schritt in Richtung zukünftiger kommerzieller Verwertung seiner Arbeit. Als Leiter des Technology Transfer Office wurde mit Monatsbeginn Egenhard Link bestellt, der bereits langjährige Erfahrung in der Technologietransfer-Organisation der deutschen Max-Planck-Gesellschaft gesammelt hat. Gemeinsam mit der Wirtschaftsagentur des Landes Niederösterreich ecoplus ist mittelfristig auch die Entwicklung eines Technologieparks unmittelbar neben dem IST-Campus in Klosterneuburg geplant.

Das Weizmann Institut hatte bei der Förderung von Vorhaben mit dem Ziel, Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in industrielle Anwendungen zu überführen, international eine Vorreiterrolle inne und lukriert mittlerweile jährlich dreistellige Dollar-Millionenbeträge aus der Verwertung geistiger Eigentumsrechte. "Wir wollen aber unsere Grundlagenwissenschafter nicht zu Entwicklern machen", betonte Mirelman. Die Wissenschafter müssten die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, was sie tun wollen. Dafür brauche es aber flexible Modelle, die es erlaubten, zwischen Universitäten und angeschlossenen Technologieparks hin und her zu wechseln.

Ein solches Projekts brauche vor allem viel Zeit. Nicht zuletzt gehe es darum, eine eigene Kultur des Unternehmertums aufzubauen. Mirelman warnte daher vor dem Versuch, in anderen Ländern erfolgreiche Modelle einfach zu übernehmen. Dazu fehle in Österreich auch das nötige Risikokapital, wie der Managing Director des IST Austria, Gerald Murauer, betonte. Im Gegensatz zu Israel, das die Statistiken in dem Bereich anführt, liege Österreich hier weit zurück.

Wichtig für die erfolgreiche Umsetzung eines Technologieparks sei es, "eine Marke zu etablieren". Für die beteiligten Firmen müsse die Beteiligung einen Mehrwert darstellen, so Murauer, der darauf hofft, in der Umgebung des IST Austria einen "Leitbetrieb" mit Sogwirkung auf andere Unternehmen anzusiedeln. Die Co-Gründerin des im Technologiepark Martinsried bei München angesiedelten, auf personalisierte Medizin spezialisierten Spin-offs SpheroTec, Barbara Mayer, wies hingegen darauf hin, dass in Martinsried zuerst neu gegründete kleine Firmen dominierten. Große Firmen seien dann erst nach und nach gefolgt.

Die Wissenschafterin betonte, dass nicht jeder Forscher die "Anatomie des Entrepreneurs" mitbringt. Als unternehmerisch orientierter Wissenschafter müsse man auch "in erster Linie an das Patent und nicht an eine Veröffentlichung in 'Nature' denken", so Mayer. Die Frage, ob das ins Konzept einer in erster Linie auf Grundlagenforschung und die Ausbildung von Wissenschaftern spezialisierten Institution passt, beantwortete der aus Österreich stammende und von den Nazis vertriebene Medizin-Nobelpreisträger Eric Kandel aus dem Publikum. Er wolle "vor allem gute Wissenschaft aus dem IST kommen sehen" und betonte, dass es in erster Linie darum gehen sollte, "Entrepreneure für Wissenschaft zu interessieren und nicht umgekehrt".

Der diesjährige Science-Industry-Talk wurde zu Ehren des scheidenden Präsidenten der Industriellenvereinigung, Veit Sorger, abgehalten. Mit der Veranstaltung wurde Sorgers Beitrag zu Gründung des IST Austria gewürdigt.

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