Zinsen-Check: Wo derzeit noch am meisten zu holen ist

Zinsen-Check: Wo derzeit noch am meisten zu holen ist

Die Bilanz ist ernüchternd. Wer sein hart Erspartes auf Konten ohne Bindung parkt, schaut derzeit zu, wie ihm das Geld langsam, aber sicher durch die Finger rinnt.

Peter Czapek, Leiter des Privatkundengeschäfts der Bank Austria: "Mit täglich fälligen Sparbüchern ist es derzeit praktisch unmöglich, der Teuerung ein Schnippchen zu schlagen.“ Angesichts der Inflation, die heuer im Schnitt bei 2,2 Prozent liegen wird, müssten Sparer drei Prozent vor KESt lukrieren, damit die Kaufkraft zumindest stabil bleibt. Schließlich reduziert die 25-prozentige KESt die ohnehin tiefen Zinsen weiter. Lesen Sie im FORMAT-Zinsen-Check, bei welchen Banken das meiste zu holen ist und welche Produkte noch Chancen auf hohe Realzinsen bieten.

Zinsen auf Tauchstation

Die schlechte Nachricht zuerst: Sparer müssen sich wohl auf eine längere Durststrecke einstellen. So rechnet etwa Tim Geissler, als Chef des Treasuries der RLB NÖ-Wien der wichtigste Geldexperte des Instituts, dass die Europäische Zentralbank die Leitzinsen von derzeit einem Prozent auf ein halbes Prozent senken und auch nicht so schnell wieder den Retourgang einlegen wird: "In den nächsten zwei bis vier Jahren sollte man mit tiefen Zinsen rechnen.“ Dazu kommt, dass der heftige Kampf um jeden Sparer, der die Sparzinsen am Jahresanfang leicht steigen ließ, inzwischen abflaut. In der Branche wird gemunkelt, dass dies vor allem an der Bank Austria liegt, die seit April nicht mehr so viel Geld durch Extrazinsen anlockt, um es an den Mutterkonzern UniCredit weiterzuleiten. Außerdem verläuft die Kreditnachfrage branchenweit schleppend, was den Bedarf an neuem Spargeld dämpft.

Die gute Nachricht ist, dass die Inflation den Höhepunkt überschritten hat. Im Schnitt rechnet die Bank Austria heuer mit 2,2 Prozent und 2,0 Prozent im Jahr 2013. Selbst dann sind nur Sparbücher mit einer längeren Bindung lukrativ. Aktuell sind bei einer Laufzeit von fünf Jahren bei der Vakif- oder DenizBank 3,5 Prozent vor KESt zu holen, bei neun Jahren zahlt die DenizBank sogar vier Prozent fix auf die gesamte Laufzeit.

Die KESt sparen sich Anleger, die auf Wohnbauanleihen setzen, dafür ist das Geld lange gebunden. So bietet etwa die Stufenzins-Wandelschuldverschreibung "Salzburg“ der Hypo Salzburg, Laufzeit bis 2026 (ISIN AT0000A0T6Z7), einen Durchschnittskupon von jährlich 3,0 Prozent, der Kurs liegt bei 101 (Stand 27. Juni). Ebenfalls KESt-frei sind Versicherungseinmalerläge. Hier offeriert zum Beispiel die Bank Austria Versicherung mit dem "Active Capital Inflation 9/2027“ ein Produkt mit Inflationsschutz auf Basis einer Anleihe der Bank Austria. Am Ende der 15-jährigen Laufzeit werden insgesamt 170 Prozent des Einsatzes ausbezahlt, das entspräche einer Rendite von 4,7 Prozent vor KESt. Liegt die Gesamtinflation im Veranlagungszeitraum über 70 Prozent, erhöht sich die Auszahlung entsprechend.

Wen solch lange Laufzeiten abschrecken, der kann als Alternative zur variabel verzinsten Raiffeisen Obligation 2012-2017/19 (ISIN AT000B077235) greifen. Der Kupon orientiert sich während der fünfjährigen Laufzeit am 3-Monats-Euribor, beträgt aber mindestens 2,5 Prozent pro Jahr. Sollte der Euribor, der derzeit bei 0,7 Prozent dahingrundelt, über diesen Mindestwert steigen, erhöhen sich in dieser Phase auch die Kupons, allerdings maximal auf 5,5 Prozent. Realistischerweise können Anleger mit den fixen 2,5 Prozent rechnen, alles weitere wäre ein erfreulicher Zusatzertrag.

Mehr Risiko, mehr Ertrag

Deutlich höher liegen die Zinsen bei Unternehmensanleihen. Der Haken: Bei einer möglichen Insolvenz des Schuldners ist das Geld mehr oder weniger verloren. Das kann selbst bei bekannten Namen passieren, wie das Beispiel General Motors zeigt. Deshalb macht es Sinn, das Ersparte in Fonds anzulegen, die das Risiko sehr stark streuen. Die Fonds sind in verschiedene Risikostufen einzuteilen. Am solidesten sind Fonds, die sogenannte Corporate Bonds halten, also Unternehmensanleihen mit einem relativ soliden Rating von mindestens BBB. Auf dieses Segment hat sich zum Beispiel der empfehlenswerte Apollo Euro Corporate Bond (ISIN AT0000819487) spezialisiert. Im Schnitt weisen die Anleihen im Fonds derzeit eine laufende Rendite von 4,2 Prozent auf.

Mit durchschnittlich 6,5 Prozent laufender Verzinsung werfen derzeit die Anleihen im Espa Bond Corporate BB (AT0000A09HD5) noch um einiges mehr ab, dafür ist auch das Ausfallsrisiko spürbar höher. Alexander Fleischer, Anleihenchef der Erste Sparinvest: "Solche Papiere mit BB-Rating wie etwa Fiat, Nokia oder HeidelbergCement bieten derzeit das beste Chancen-Risiko-Verhältnis.“

Wem das nicht reicht, der kann zu High-Yield-Fonds greifen, die auch Papiere mit tieferen Ratingnoten wie B oder sogar CCC kaufen. Im Raiffeisen-Europa-HighYield (AT0000796537) werden derzeit 7,7 Prozent laufende Rendite erzielt. Die durchschnittliche Ausfallsrate im High-Yield-Bereich lag in den vergangenen 12 Monaten bei 2,5 Prozent. Allerdings rechnet Fondsmanager Thomas Korhammer, dass die Ausfälle in den kommenden 12 Monaten auf bis zu fünf Prozent steigen könnten, was aber unter dem Strich immer noch einen positiven Ertrag ergäbe.

Fazit: Sparen ist derzeit fast durchgehend ein Verlustgeschäft. Wer das nicht akzeptieren will, muss zumindest für einen Teil des Kapitals gewisse Risiken eingehen.

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