Zerbricht die Eurozone am Schlafentzug der Politiker?

Zerbricht die Eurozone am Schlafentzug der Politiker?

Aber genau das werden sie vermutlich nicht tun. Von den letzten sechs Gipfeltreffen der Region gingen drei nicht vor vier Uhr morgens zu Ende. Auf dem bisher letzten Gipfel am 29. Juni wurde bis um fünf Uhr morgens verhandelt. Und auch die Tagungen der Euro-Finanzminister dauern meist bis nach Mitternacht.

Die Ausdehnung der Sitzungen bis zum nächsten Morgen tut den Politikern nicht gut. Sie dürfte einer der Gründe sein, warum der für den 20. Juli angesetzte nächste Gipfel, auf dem eine Rettungsaktion für spanische Banken festgeklopft werden soll, bereits mittags beginnt. Schlafmangel hat in der Geschichte eine Rolle bei zahlreichen falschen Entscheidungen gespielt, die unter anderem zu dem Unfall im Atomkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg in den USA, der durch den Tanker Exxon Valdez ausgelösten Ölpest und dem gescheiterten Start der Raumfähre “Challenger” führten.

“Wir sind nicht dafür geschaffen, bis tief in die Nacht zu arbeiten”, sagte Chris Idzikowski, Co-Gründer der British Sleep Society, der sich seit mehr als 30 Jahren wissenschaftlich mit dem Schlaf befasst. “Das ist mit die schlechteste Tageszeit für Verhandlungen.”

Wer zu lange wach bleibt, agiert laut neuesten Untersuchungen ähnlich wie jemand, der größere Mengen Alkohol konsumiert hat. Er lässt sich stärker von anderen beeinflussen und ist eher bereit, Risiken einzugehen. Schlafmangel kann die Gehirnfunktionen behindern und zu Fehleinschätzungen führen.

Die politischen Führer Europas täten besser daran, zu einer “normalen” Zeit zwischen 22 Uhr und Mitternacht ins Bett zu gehen, und der schlafenden Natur ihren Lauf zu lassen, sagt Idzikowski, der auch Direktor des Edinburgh Sleep Centre ist. “Das Gehirn beschäftigt sich auch im Schlaf mit der Lösung von Problemen”, vor allem während des sogenannten REM-Schlafs, der durch schnelle Augenbewegungen gekennzeichnet ist und mit Lernen, Erinnerung und Träumen zusammenhängt, erläutert er.

Schlaf ist für das Leben so wichtig wie Essen und Trinken. Studien zum Schlafentzug gibt es schon seit über einem Jahrhundert, aber erst in den letzten Jahren ist die Technik, insbesondere die funktionale Magnetresonanztomographie (fMRT) weit genug fortgeschritten, um solche Experimente zu ermöglichen.

Die meisten Erwachsenen brauchen zwischen siebeneinhalb und achteinhalb Stunden Schlaf pro Nacht, schätzt James Maas, der 48 Jahre lang an der Cornell University in Ithaca, New York, Psychologie gelehrt hat. Einige benötigten jedoch auch mehr und andere weniger. Rund 70 Prozent der Erwachsenen schlafen laut Maas zu wenig.

Schlaflos "besoffen"

Bei Menschen, die 16 Stunden lang wach sind, zeigt die Hirnaktivität Ähnlichkeiten mit der von Personen, deren Blut einen Alkoholgehalt von 0,5 Promille aufweist. Ist man 24 Stunden wach, reagiert das Gehirn wie bei jemandem, der ein Promille Alkohol im Blut hat - damit dürfte er in keinem der Länder, die an den Verhandlungen zur Schuldenkrise beteiligt sind, mehr Auto fahren.

Die Verhandlungen über das zweite Rettungspaket für Griechenland dauerten dreizehneinhalb Stunden an, die anschließende Pressekonferenz endete erst um kurz vor 6 Uhr morgens. Bei den Tagungen europäischer Spitzenpolitiker spiele die Bequemlichkeit der Teilnehmer keine Rolle, erklärt Guy Schuller, Sprecher für den luxemburgischen Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker, der auch die Euro-Finanzminister-Gruppe leitet. “Bei vielen dieser Sitzungen steht mehr auf dem Spiel als die Bequemlichkeit der Anwesenden”, betont Schuller.

Eine ganze Nacht ohne Schlaf könne eine Reihe von Gehirn- Funktionen beeinträchtigen, sagt Scott Huettel, Direktor am Center for Interdisciplinary Decision Science an der Duke University in Durham, North Carolina. So könne die Aktivität in den Hirnregionen, die für die Bewertung positiver Ergebnisse zuständig seien, erhöht sein, während sie in den Regionen, in denen negative Ergebnisse bewertet werden, die Aktivität reduziert sei, führt er aus und bezieht sich dabei auf eine Studie, die er mit seinen Kollegen im vergangenen Jahr im Fachblatt Journal of Neuroscience veröffentlichte. Das lasse die entsprechende Person risikofreudiger erscheinen als sie tatsächlich sei, so Huettel.

Warum also arbeiten manche Leute die ganze Nacht durch, obwohl es immer mehr Hinweise darauf gibt, dass der Schlafmangel ernsthafte gesundheitliche und psychische Probleme verursacht? Die Antwort sei einfach, erklärt Maas: Unwissenheit. “Wenn das Adrenalin fließt, erscheint die Idee gut. Warum tun wir eine Menge Sachen, die schlecht für uns sind? Weil wir die Leute nicht davon überzeugen können, sie nicht zu tun.”

Manchmal können sich aber auch die Politiker den Folgen des Schlafmangels nicht entziehen. EU-Kommissionspräsident Barroso erklärte gegenüber Journalisten auf die Frage nach Details zu der am 29. Juni ausgehandelten Einigung: “Ich werde mich jetzt nicht zu Einzelheiten äußern, ich habe noch nicht einmal drei Stunden geschlafen.”

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