Inside USA: Detroit – zu Besuch in der Hölle

Inside USA: Detroit – zu Besuch in der Hölle

Nach drei Jahren in der Vorstadt hat sich Nathaniel Wallace ein Loftapartment in der Stadtmitte von Detroit gekauft. Ausschlaggebend für ihn war nicht zuletzt, dass die Kriminalitätsrate in dem Gebiet innerhalb von drei Jahren um 38 Prozent abgesackt war.

Der 32-Jährige zahlte weniger als 200.000 Dollar für die Wohnung in dem frisch renovierten Gebäude mit einer Edelstahl- Küche und einer Dachterrasse, von der aus er das Baseball- Stadion Comerica Park sehen kann. “Viele sehen Detroit als einen coolen Ort an, wo alle sein wollen”, sagt er.

Sechs Meilen weiter nördlich wurde Jimmy Womack, Abgeordneter der Demokraten im US-Kongress, am 8. Juli in der Nähe seines Hauses mit vorgehaltener Waffe ausgeraubt. Drei Männer stahlen 300 Dollar aus seinem Portemonnaie. Nachdem er sich weigerte, ihnen seinen Cadillac SRX Baujahr 2011 zu geben, gingen sie lachend weiter. “Wir fallen als Gemeinschaft auseinander”, sagt Womack.

Diese beiden Fälle spiegeln Lage in der Stadt Detroit wider: Kleine, sichere Enklaven ziehen neue Bewohner an, während in anderen Stadtteilen die Gewalt regiert. Letztendlich dürfte sich das Schicksal der fast bankrotten Stadt dadurch entscheiden, ob es gelingt, die Vitalität der Stadtmitte auszuweiten. Im Herzen der Stadt wuchs die Bevölkerung in den vergangenen zehn Jahren um 33 Prozent, während die Stadt insgesamt 25 Prozent ihrer Einwohner verlor. Kürzungen bei der Polizei haben mit dazu beigetragen, dass Detroit die gefährlichste Großstadt der USA ist.

Im vergangenen Jahr gab es 2.137 Gewaltverbrechen pro 100.000 Einwohner in Detroit, darunter 344 Morde. Damit ist die Stadt trauriger Spitzenreiter aller US-Städte mit mehr als 300.000 Einwohnern, wie aus FBI-Zahlen hervorgeht. Auf Platz zwei kommt St. Louis mit 1.857 Gewaltverbrechen pro 100.000 Einwohner.

Im Zentrum Detroits, einem Treffpunkt für Künstler und Lebenskünstler, sieht es ganz anders aus. Hier hat sich die Bevölkerungszahl von 2000 bis 2010 auf 14.550 fast verdoppelt. Wohnungs-Leerstand - wie in den meisten anderen Teilen Detroits - gibt es hier kaum. Der erste Öko-Supermarkt wird gerade gebaut und viele der alten Gebäude restauriert. Die 54 Sicherheitskräfte der Wayne State University patrouillieren die Stadtmitte zusammen mit der Polizei - das Ergebnis ist ein Rückgang der Gewaltverbrechen um 38 Prozent von 2008 bis 2010, sagt Polizei-Captain Emery Burk.

Doch auch wenn die Stadtmitte mittlerweile zu einer Trend- Gegend geworden ist, sind die Preise immer noch vergleichsweise niedrig. Die 32-jährige Liz Alvarez, ihr Sohn Cal und ihr Mann Joe Klecha sind vor neun Monaten ins Zentrum gezogen. Sie haben für ihre renovierte Wohnung in einem Altbau von 1890 rund 132.000 Dollar gezahlt. Die Wohnung hat knapp 300 Quadratmeter Wohnfläche. Ihr Arbeitsweg ist von 45 Minuten Fahrtzeit auf 5 Minuten geschrumpft. “Dies ist eine wunderbare Wohngegend, mit wunderbaren Nachbarn - und alle passen auf”, sagt Alvarez.

Sicherheit nur Wunschtraum

Als der US-Bundesstaat Michigan im April eingriff, um die Finanzen Detroits in Ordnung zu bringen, erklärte Gouverneur Rick Snyder, dass die Rettung der Stadt darin bestünde, Steuerzahler und Unternehmen anzulocken. Sicherheit ist zwar wichtig, in den meisten Teilen der Stadt ist sie jedoch nur ein Wunschtraum.

“Es herrscht ein Klima der Gewalt und alle glauben, dass sie sich alles leisten können und damit durchkommen, da es nicht genügend Polizeikräfte gibt, um etwas dagegen zu tun”, sagte Benny Napoleon, Sheriff von Wayne County, bei einem Treffen mit Tankstellen- und Ladenbesitzern am 9. Juli. Er selbst läuft mittlerweile auch Patrouille in der Stadt, um die Polizei zu unterstützen. Tankstellenbesitzer Frank Dabaja erklärte, dass sich die Stadt “im Kriegszustand” befinde.

Leichter wird es in Zukunft auch nicht werden, wie es scheint: Polizeichef Ralph Godbee kündigte bei dem Treffen an, dass er weitere 100 Polizistenstellen auf dann 2533 streichen müsse, nachdem die Zahl von 4.000 im Jahr 2005 bereits deutlich reduziert wurde. Am Mittwoch erklärte Bürgermeister Dave Bing zudem, dass deren Gehälter um zehn Prozent gesenkt werden. Das Spitzengehalt bei der Polizei von Detroit beträgt dann 47.913 Dollar, erklärt Joe Duncan von der Polizeigewerkschaft.

Für die Polizisten Carl Mack und Everett Richardson, die im Osten der Stadt auf Streife sind, wirkt diese Aussicht etwas entmutigend. “Wie soll ich da optimistisch sein und etwas gegen die schlimmsten Gewaltverbrechen hier unternehmen?”, fragt der 48-jährige Mack, der seit 13 Jahren Polizist ist. Die Zahl der Einbrüche, Schießereien und Fälle häuslicher Gewalt hat mit dem Niedergang der Wirtschaft in letzter Zeit nur noch zugenommen, sagt er.

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