Googeln wie die Profis

Googeln wie die Profis

Google-Wissenschafter Daniel Russell, "Director of User Happiness“, verrät erstaunliche Tricks, wie man die mächtigste Internet-Suchmaschine der Welt mit ein paar simplen Kniffen bis ins letzte Detail ausnützt.

Wenn Daniel M. Russell, laut Visitenkarte "Director of User Happiness“ bei Google, laut Eigendefinition von Beruf "Such-Anthropologe“, einen seiner gefragten Vorträge hält, beginnt er meist mit einer Rätselaufgabe. Zum Beispiel dieser: Sie wachen eines Morgens auf einer Reise an einem Ihnen völlig unbekannten Ort auf und können sich an rein gar nichts erinnern. Totale Amnesie. Alles, was Sie sehen, ist dieser Blick aus dem Fenster .

Die Fragen lauten also: Wo sind Sie? Und wie lauten Adresse und Telefonnummer des Gebäudes, in dem Sie sich befinden?

Nicht nur mit diesem Rätsel konfrontierte Russell kürzlich eine Hundertschaft neugieriger Journalisten bei der diesjährigen "Investigative Reporters & Editors Conference“ (IRE), veranstaltet von der renommierten US-Zeitung "Boston Globe“. Die Rechercheprofis, darunter auch einige Pulitzer-Preisträger, hingen wie Gläubige an den Lippen jenes Mannes, der bei Google die Art und Weise erforscht, wie die Menschen diese Suchmaschine nutzen.

"Im Netz schwirren jede Menge Internet-Suchtipps herum“, berichtet John Tedesco, ein Reporter der "San Antonio Express-News“. "Aber man bekommt nicht oft Ratschläge von jemandem, der das Google-Suchsystem selbst permanent optimiert und ganz offen aus dem Nähkästchen plaudert.“ Angesichts der Tatsache, dass die Menge der weltweiten Suchanfragen in den vergangenen Jahren zwischen 40 und 50 Prozent per annum in Billionen-Dimensionen gestiegen ist, nimmt es nicht Wunder, wenn Russell meint: "Die richtige Suche im Netz sollte heute eigentlich Teil der Allgemeinbildung sein.“ Allein in Österreich werden täglich mindestens 30 bis 40 Millionen Internet-Suchabfragen registriert, davon weit über 90 Prozent via Google.

Die Macht der Kombination

Dieses praktisch völlig unübersichtlich gewordene Informationsangebot der weltweit rund 600 Millionen Websites stellt die größte Hürde einer punktgenauen Internetsuche dar. Um in einfachen Schritten schneller zum Ziel zu kommen, kombinieren daher viele Google-Nutzer bestimmte Begriffe - in englischer Sprache und Versalien - mit den Wörtern "AND“, "OR“ sowie "NOT“.

"AND“ bringt laut Russell leider fast gar nichts, weil es von Google wie jedes andere Wort auch behandelt wird. "OR“ ist schon besser. Wer zum Beispiel nach "Häupl bestritt“ OR "Häupl behauptete“ OR "Häupl meinte“ sucht, wird ausreichend Infos über eine bestimmte Häupl-Kontroverse finden. Wenn Sie hingegen einen Suchbegriff ausschließen wollen, vermeiden Sie "NOT“. Besser ist es, das Minuszeichen ohne Leertaste vor den unerwünschten Term zu tippen. Also beispielsweise "Wien-Häupl“, wenn Sie nichts über den Bürgermeister, aber etwas über Österreichs Hauptstadt wissen wollen. Zielführend ist in jedem Fall auch die Google-Funktion "Verwandte Suchabfragen“ ("related search“).

Wenn das allerdings auch nichts bringt, weil der Suchbegriff selbst unklar ist, empfiehlt Russell "umgekehrte Wörterbücher“ ("reverse dictionary“), die allgemeine Beschreibungen in Fachtermini ummünzen, oder die Google-Funktion "define“, dann Leerzeichen, und den "Begriff“: "Glauben Sie mir, das hilft.“

Ebenso geschickt ist es, bestimmte Phrasen oder Wortfolgen in Anführungszeichen zu setzen. Wer etwa den Satz "Häupl sieht grün“ ohne Gänsefüßchen googelt, kriegt etwa 79.500 Hits über rot-grüne Angelegenheiten im Wiener Rathaus. Wer aber auf die Anführungszeichen nicht verzichtet, landet bei einem einzigen Link über ein offenbar recht lebhaftes Schreiduell im Wiener Stadtparlament.

Überraschende Tricks

Das System dieser mächtigen Suchmaschine ist inzwischen so ausgereift, dass es von sich aus manchmal Begriffe auswirft, von denen es glaubt, Sie würden diese oder zumindest ähnliche suchen. Das kann stimmen, muss aber nicht. Und nicht selten werden in den Suchresultaten auch Websites aufgelistet, in denen sich Ihr Suchbegriff gar nicht befindet. Dieses zeitraubende Ärgernis kann mit dem relativ unbekannten, aber einfachen Befehl "intext:[Schlüsselwort]“ vermieden werden. Damit wird Google gezwungen, etwa im Falle von "intext:Häupl intext:Gecko“ anzuzeigen, womit sich der Wiener Bürgermeister während seiner Zeit am Naturhistorischen Museum so beschäftigt hat.

Achtung: Bis vor etwa einem Jahr die Website des noch jungen sozialen Netzwerks "Google+“ offiziell online gegangen ist, wurde die "intext:“-Funktion auch weitgehend durch das simple "+“-Zeichen direkt vor dem Suchbegriff erfüllt. Aber seither ist diese Systemoperation durch Ein- und Ausführungszeichen ersetzt worden. Ein "+“ vor einem Begriff hindert Google lediglich daran, diesen mit einem Synonym zu ersetzen oder darin (vermeintliche) Tippfehler zu korrigieren. Wer also unbedingt ein bestimmtes Wort in einem Link sucht, ist mit "intext:“ besser dran.

Sollten Sie Ihr Wort dann jedoch nicht gleich finden, brauchen Sie sich bloß der weithin bekannten Tastenkombination "Strg + F“ ("Cmd + F“ auf Apple-Rechnern) zu bedienen. Denn die funktioniert nicht nur in jedem digitalen Textdokument, sondern zur Überraschung vieler oft auch bei Internetseiten. "Ich glaube, dass dies in den USA 90 Prozent der Nutzer nicht wissen“, meint Russell. "Wenn ich dann diesen kleinen Trick enthülle, sind die meisten wie vor den Kopf geschlagen und können gar nicht glauben, wie sie ihre Zeit vergeudet haben. Wer den Find-Shortcut nicht kennt, ist bei seinen Suchen um etwa zwölf Prozent langsamer.“

Profi-Searcher verwenden selbstverständlich auch all jene Hilfmittel, die Google zur Suchoptimierung auf der Einstiegsseite mit den Resultatlisten anbietet. Etwa unter "Mehr Optionen“ (meist links angeordnet) oder über "Erweiterte Suche“ (meist rechts oben). Letztere ist besonders empfehlenswert: Hier lassen sich nicht nur bestimmte Regionen, Sprachen, Zeiträume, Dateiformate oder sogar Nutzungsrechte herausfiltern, sondern auch beliebig viele Suchworte und Wortgruppen explizit in- oder exkludieren.

What Would Woodward Do?

Auch Google Maps ist ein nicht zu verachtendes Suchwerkzeug. Falls Sie in der Hitze des Sommers vielleicht im beliebten "Hotel Restaurant Häupl“ nahe der frischen Gestade des Attersees einchecken und wissen wollen, was sonst noch so in der Gegend los ist, tippen Sie einfach das Sternchen-Zeichen ("*“) ins Suchfeld. Google zeigt Ihnen dann sofort jeden einzelnen Ort, den es in der näheren Region kennt - von Lokalen über Geschäfte bis zu anderen Herbergen. Über meist mitgelieferte Erfahrungsberichte können Sie dann auch gleich checken, ob sich etwa ein Besuch in der Cafébar Liehman lohnt oder nicht.

Die Rechercheure auf der IRE-Konferenz, die sich das Kürzel "WWWD“ - es steht für "What Would Woodward Do?“, gleichsam die bei jedem amerikanischen Investigativ-Journalisten verinnerlichte Frage, wie der berühmte Watergate-Aufdecker eine komplizierte Frage angegangen wäre - auf die Fahnen heftet, begannen natürlich schnell, ihre eigenen Erfahrungen und Tricks mit Russell auszutauschen. Tedesco berichtete etwa von einer Story, für die er einen relativ einfachen, aber offenbar recht klugen Suchkniff verwendet hat. Und zwar die Beschränkung der Google-Suche auf eine einzige, bestimmte Website mit dem simplen Befehl "site:[url]“.

"Für mich eine der nützlichsten Suchvarianten überhaupt. Ich habe sie etwa für einen Bericht über Verletzungen bei Pferderennen benutzt“, so der Texaner. "Die Leute von der Texas Racing Commission waren nicht sehr auskunftsfreudig. Aber ich brauchte bloß ‚injuries site:txrc.state.tx.us‘ einzugeben und war schnell bei einem gut versteckten Datensatz, der belegte, dass in den letzten fünf Jahren 300 Pferde auf texanischen Rennbahnen jämmerlich gestorben sind.“

Wer derartige Recherchen auch noch auf bestimmte Dateitypen einschränken will, erreicht das schnell mit der Eingabe "filetype:[extension]“. So erhält man etwa bei der Suche nach "Michael Häupl filetype:xls“ ein detailliertes Excel-Sheet über das Semesterprogramm der Wiener SP-Parteischule, laut dem der Parteichef am 21. Juni die Absolventen-Dekrete überreicht hat.

Manchmal soll es aber auch vorkommen, dass der Betreiber der Homepage die eine oder andere weniger harmlose Kleinigkeit wieder entfernt, bearbeitet oder zu zensurieren versucht. Russell empfiehlt in diesem Fall eine kleine Internet-Zeitreise in den Cache-Pufferspeicher der Website. Das geht ganz einfach mit dem Befehl "cache:[url]“, aber viele Web-Techniker kennen den Trick natürlich auch. Der Erfolg dieser Suchvariante hängt also vom Faktor Geschwindigkeit ab.

Die Liste der Google-Suchfeinheiten - von Alarmfunktionen über die persönliche Suchhistorie bis hin zu Video-Searches über YouTube hinaus - ist kaum enden wollend. Zu erwähnen wären noch zwei weniger bekannte, aber recht elegante Kniffe, die auf visuelle Daten zugreifen. Einerseits die sogenannte "Diagramm-Suche“. Diese ist dann hilfreich, wenn Sie nach einem bestimmten Teil einer Maschine, etwa eines Fahrrades, suchen, aber dessen Namen nicht wissen. Tippen Sie einfach "Fahrrad Diagramm“, und Sie landen ganz schnell bei etwa diesem Link .

Des Rätsels Lösung

Andererseits das selbst für geübte Nutzer immer wieder erstaunliche "Google Image Search“. Im Bildersuche-Eingabefeld befindet sich rechts ein kleines Kamera-Icon, mit dessen Hilfe Sie ein x-beliebiges Bild - eine Landschaft, ein Objekt, eine Person - hochladen können. Google sucht dann automatisch nach ähnlichen Bildern, und mit etwas Glück erfahren Sie, was auf Ihrem Schnappschuss überhaupt drauf ist. Wie einfach das geht, zeigt ein YouTube-Video:

Wer sich nun trotz all dieser Research-Tipps nicht damit abmühen will, Daniel Russells Konferenz-Bilderrätsel auf eigene Faust zu lösen, braucht bloß seinen Blog "SearchReSearch“ aufzusuchen. Aber weil das ein bisschen unsportlich wäre, hier gleich die Antwort: Sie befinden sich im Warsaw Financial Center. Adresse: Emilii Plater 53. Telefonnummer: +48/22/2071900. Hätten Sie’s rausgefunden?

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