"Die deutschen Tugenden sind beachtlich"

"Die deutschen Tugenden sind beachtlich"

FORMAT: Man hat das Gefühl, dass bei dieser EURO von allen Mannschaften ein besonders angriffsfreudiger Fußball gespielt wird, als ob es eine unausgesprochene Übereinkunft der Trainer zu dieser Spielweise gäbe.

Marcel Koller: Bei der EURO stehen lauter Top-Mannschaften am Feld. Da muss gegeneinander angegriffen, attackiert, gekämpft werden. Und so kommt es eben zu den vielen Toren. Man sieht aber auch, dass die Verteidigung bei den einzelnen Teams gut arbeitet.

Welchen Teams trauen Sie einen EM-Sieg zu?

Koller: Den Deutschen und den Spaniern.

Haben sich die Deutschen als Mannschaft in der Vergangenheit besonders weiterentwickelt?

Koller: Die haben in den vergangenen Jahren auch schon so gespielt wie jetzt. Aber im Vergleich zu vor zehn Jahren natürlich schon.

Kann man sagen, dass, seit Jogi Löw die Mannschaft übernommen hat und dort wie ein Manager bei einem Unternehmen einen Change-Prozess eingeleitet hat, das Spiel der Deutschen nicht mehr so hölzern, hart und auf reine Kraft ausgelegt ist?

Koller: Die Deutschen spielen jetzt harmonischer und sind dadurch eine absolute Top-Mannschaft. Sie spielen erfahren, klug, abgeklärt und ruhig. Sie spielen sehr konsequent, lassen sich nicht beirren, wenn es einmal gerade nicht so läuft. Das sind die deutschen Tugenden, die sie zu einem der aussichtsreichsten Kandidaten für den EM-Titel machen.

Zu den deutschen Tugenden gehört auch eine besondere Art von Zusammenspiel, die Jogi Löw wie der CEO eines Unternehmens beim Nationalteam eingeführt hat. Egoistisches Verhalten auf dem Spielfeld gibt es bei den Deutschen nicht mehr. Alles ist dem gemeinsamen Ziel untergeordnet.

Koller: Ja, die Zeiten, in denen ein Stürmer nur vor dem gegnerischen Tor auf den entscheidenden Pass gewartet hat, sind vorbei. Es wird viel intensiver zusammengespielt. Es werden von allen gemeinsam Spielzüge erarbeitet.

Ist diese "Alle ordnen sich dem gemeinsamen Ziel unter“-Strategie die Zukunft im modernen Fußball?

Koller: Man muss natürlich auch auf die individuellen Fähigkeiten der Spieler achten. Wenn jemand ganz außergewöhnliche Qualitäten hat, muss ich die im Sinne der Mannschaft und des Erfolgs fördern und einsetzen.

Jogi Löw hat 2010 das Enfant terrible Michael Ballack gegen den teamorientierten Philipp Lahm ausgetauscht und damit Erfolg gehabt. Sie haben beim Länderspiel gegen die Ukraine bewusst Marko Arnautovic eingesetzt, der ja eine sehr stark ausgeprägte und eigenwillige Spielerpersönlichkeit ist. Verfolgen Sie diese Strategie weiter?

Koller: Ja, Arnautovic hat sehr hohe fußballerische Qualitäten, die aber noch nicht voll entfaltet sind. Diese Qualitäten müssen weiter gefördert und entwickelt werden. Wir arbeiten intensiv daran. Das ist ein Prozess, der jetzt begonnen worden ist, und die Entwicklung seiner Fähigkeiten für das Team wird noch weitergehen.

So wie Jogi Löw bei der deutschen, sind Sie der CEO bei der österreichischen Nationalmannschaft. Kann es nicht passieren, dass es beim Rest der österreichischen Mannschaft, so wie vor zwei Jahren beim deutschen Nationalteam, dadurch nicht zur Entfaltung der vollen Leistung kommt?

Koller: Das Vertrauen zueinander ist da. Arnautovic ist bereit, den gemeinsamen Weg zu gehen. Es gibt keine unguten Worte. Und wenn es einmal nicht so läuft, diskutieren wir das in Ruhe aus.

Lesen Sie weiter im neuen FORMAT (25/2012): Joachim Löw – Deutschlands bester Manager.

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