Bauwirtschaft in der Krise

Bauwirtschaft in der Krise

Österreichs große Baukonzerne trifft die Krise: Durch den Spardruck werden die Aufträge der öffentlichen Hand seltener. Auch das Geschäft in Osteuropa beginnt zu bröckeln. Die Jobs für die vielen Beschäftigten werden zunehmend unsicherer.

Zwei Jahre lang vom eigenen Büro auf Bautafeln der Konkurrenz zu schauen - das wollte Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner nicht erleben müssen. Direkt vor seiner Nase entsteht auf der Donauplatte in Wien mit dem DC Tower gerade der höchste Wolkenkratzer Österreichs, fünfmal so hoch wie die Strabag-Zentrale. Also beauftragte er seine Mitarbeiter, ein Offert für den Bauauftrag zu kalkulieren. Das Ergebnis: Bei dem vom Bauherrn geforderten Preis hätte die Strabag 50 Millionen Euro verloren. Haselsteiners Entscheidung: "Dann lieber Bauchschmerzen.“ Jetzt bauen dort die Porr und die bayrische Baufirma Max Bögl.

Das Beispiel ist symptomatisch für die Leiden der Branche. "Trotz guter Auftragslage verfallen die Preise“, klagt Haselsteiner, "jeder glaubt, dieser eine Auftrag ist der letzte, den es gibt, und will ihn um jeden Preis haben. Das ist fast eine Art Panik.“ Die Strabag hat gerade reagiert und ihre erst drei Monate alte Gewinnprognose für 2012 korrigiert: Das angestrebte operative Ergebnis von 300 Millionen Euro sei kaum erreichbar, so die Warnung.

Eine Branche im Umbau

Auch bei den großen Mitbewerbern bebt das Fundament. Bei der Porr AG ist der Großaktionär B&C Industrieholding ausgestiegen und hat sein 37-Prozent-Aktienpaket an eine Gruppe um Porr-Vorstandschef Karl-Heinz Strauss verkauft. Allerdings muss die Übernahmekommission noch entscheiden, ob diese Transaktion ein Pflichtangebot an die andere Aktionäre auslöst.

Beim dritten großen heimischen Baukonzern, der Alpine, gibt es Unruhe in der Führungsetage. Der neue Alpine-Boss Johannes Dotter will den Konzern den "Marktgegebenheiten entsprechend anpassen“. Soll heißen: Die Alpine wird schrumpfen. Mehrere Führungskräfte verließen den zweitgrößten Baukonzern des Landes. Zuletzt hat auch noch die ehemalige EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner einen Rückzieher gemacht und nicht wie geplant den Vorsitz des Alpine-Aufsichtsrats übernommen (siehe Interview mit Alpine-Chef Johannes Dotter ).

Die großen drei der Branche leiden an den gleichen Problemen: an den leeren Kassen der öffentlichen Hand und an internen Umbauarbeiten. Dabei steht die Bauwirtschaft nicht so schlecht da. Nach den starken Einbrüchen infolge der Finanzkrise 2009 und 2010 ging es vergangenes Jahr wieder aufwärts. Mit 245.000 Beschäftigten (plus 1,5 Prozent) erreichte die Branche 2011 annähernd das Vorkrisenniveau. Doch in der für den heimischen Arbeitsmarkt so wichtigen Branche macht sich Unruhe breit. Andrea Kunnert, Bauexpertin des Wifo, erwartet nominell für heuer und die kommenden zwei Jahre zwar ein leichtes Wachstum bis 0,7 Prozent - doch inflationsbereinigt bedeutet das einen klaren Rückgang.

Kleine im Vorteil

Die Rosinen im Baukuchen sind zunehmend ungleich verteilt. Dank öffentlicher Förderung boomt das Sanierungsgeschäft, der Immobilienhype kurbelt den Neubau von Wohnungen an. Doch davon profitieren vor allem lokale Baufirmen, die großen Konzerne mit ihren Overhead-Kosten sind bei kleineren Aufträgen kaum konkurrenzfähig. Nach einer aktuellen Studie von Czipin Consulting erzielen kleine Bauunternehmen daher eine deutlich höhere Umsatzrendite als die großen Konzerne. Und im Kerngeschäft von Strabag, Alpine und Porr, dem Tiefbau, geht es kontinuierlich bergab. Bund, Länder und Gemeinden sind chronisch knapp bei Kasse und sparen kräftig bei Ausgaben für Straßen, Brücken und Kanalnetze. Die Folge: Seit 2009 schrumpft der Tiefbau von Jahr zu Jahr, in Summe sind mehr als 20 Prozent des Auftragsvolumens verloren gegangen.

Da sollte man bedeutende Auftraggeber nicht noch zusätzlich vergrämen. So hat das heftige Hinhauen von Westbahn-Chef Stefan Wehinger auf die ÖBB wohl zu dessen Abgang beigetragen. Denn die Attacken kamen bei der für die ÖBB verantwortlichen Infrastrukturministerin Doris Bures nur mäßig gut an. Die Dame hat aber wichtige Großaufträge zu vergeben, die Westbahn-Großaktionär Haselsteiner im Interesse der Strabag nicht gefährden wollte.

"Der Tiefbau wird auch in den kommenden Jahren leicht rückläufig sein“, erwartet Wifo-Expertin Kunnert. Hinzu kommt, dass sich auch die Wirtschaft bei Bauaufträgen für Büros und Lagerhallen zurückhält. "Unsere Investitionsbefragung zeigt, dass die Industrie ihre Gebäudeinvestitionen heuer um 16 Prozent einschränken wird“, warnt Bank-Austria-Ökonom Günther Wolf.

Minus in Europa

Was die großen Baukonzerne noch mehr trifft: In ganz Europa bricht das Geschäft ein. Fachleute erwarten einen Rückgang des Bauvolumens um 2,1 Prozent. Am ärgsten trifft das wieder einmal den Tiefbau mit einem Minus von über vier Prozent. Vor allem Osteuropa ist vom einstigen Hoffnungsmarkt zur Problemzone geworden. Die Zukunftsmärkte der Bauindustrie liegen daher in Übersee. "In Kanada, Südamerika und Asien gibt es genug Großaufträge“, analysiert ein Branchenexperte, "doch dafür sind wir noch nicht richtig aufgestellt.“ Die Strabag baut immerhin mehrere Tunnels für die größte Kupfermine der Welt in Chile. Auftragswert: 100 Millionen Euro.

Ein Handicap für den Aufbruch in die Ferne ist, dass sich Strabag, Porr und Alpine allesamt im Umbruch befinden. Bei der Strabag verabschiedet sich gerade Patriarch Haselsteiner. Zwar genießt Nachfolger Thomas Birtel, Chef der Strabag Deutschland, hohe Anerkennung im Haus, doch muss er sich erst ein eigenes Team aufbauen.

Porr-Chef Strauss hat im Frühjahr den Vorstand umgebaut und fährt ein massives Sparprogramm. Sein größtes Problem: Die langjährige enge Beziehung der Porr zur roten Reichshälfte hat dem Unternehmen zwar viele Aufträge gebracht, umgekehrt mussten aber auch reichlich Personalwünsche erfüllt werden. Die Aufträge sind mittlerweile abgearbeitet, die Mitarbeiter geblieben.

Auch Alpine-Chef Dotter bastelt daran, den Konzern zu restrukturieren. Der spanische Mutterkonzern FCC ist zum Teil von der Krise des Landes betroffen. Und Gewinne aus der Österreich-Tochter sind noch nicht an die Mutter geflossen. Deswegen hat FCC-Boss Baldomero Falcones nun den Vorsitz im Aufsichtsrat übernommen.

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