Tag X - Der Showdown in der Euro-Krise naht

Tag X - Der Showdown in der Euro-Krise naht

Griechenland geht das Geld aus, die Stimmung vor der Wahl am 17. Juni ist angespannt. Die meisten Länder Europas bereiten Notfallpläne vor, um für den Ausstieg Griechenlands aus dem Euro gerüstet zu sein. Spaniens Banken sind ebenfalls am Rande des Zusammenbruchs. Selbst Fans der Gemeinschaftswährung müssen zugeben, dass es so nicht weitergeht. 13 Jahre nach seinem Start durchlebt der Euro seine schwerste Krise. Aber was passiert, wenn der Euro ein Mitglied verliert? FORMAT zeigt, was der Tag X bedeuten könnte. Eines steht fest: Es wird dramatischer, als es jetzt schon ist.

Der Tag X, an dem Griechenland aus der Eurozone austritt, könnte Freitag, der 6. Juli, sein. Europa steht am Beginn der Sommerferien, die Wahl in Griechenland ist geschlagen, die Aussichten, dass das Land künftig einen Sparkurs einschlägt, sind gering.

"Gewinnt die Syriza-Partei bei der nächsten Wahl und bleibt beim bestehenden Kurs, wird der EU nichts anderes übrig bleiben, als Griechenland den harten Weg des Austritts gehen zu lassen“, meint Herbert Stepic, Chef der Raiffeisen Bank International.

FORMAT hat aus unzähligen Banken- und Expertenstudien, aus Gesprächen mit Ökonomen, Politikern und Unternehmenschefs ein Szenario entwickelt, wie dieser Tag X und die folgenden Tage aussehen könnten. Eine Fiktion mit realem Hintergrund, die hoffentlich so nie Wirklichkeit wird.

1. Akt: Stunde der Wahrheit, Freitag, 6. Juli, 23 Uhr

Alles Mögliche wurde versucht: Hilfspakete, Sparvorschläge, Drohungen, aufmunternde Worte, weitere Verhandlungen. Nicht nur die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat mehr als einmal betont, sie wolle, dass Griechenland in der Eurozone bleibt. Aber bei diesem kurzfristig einberufenen Treffen am Freitagabend schlägt die Stunde der Wahrheit. Schon am Nachmittag waren die Börsen nervös. Über Twitter sind Gerüchte laut geworden, Merkel, Frankreichs Präsident François Hollande und Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker würden in heikler Mission nach Athen reisen. Nicht, um mit der neuen griechischen Regierung unter dem Linksbündnis Syriza weiter zu verhandeln, sondern um sie vor die Wahl zu stellen: Ganz oder gar nicht.

Alle Seiten dementierten. "Die Sparpolitik hat sich als falsches Medikament der Therapie erwiesen. Nicht nur für Griechenland, auch für Portugal, Spanien und Italien“, hat Bündnis-Chef Alexis Tsipras noch vor wenigen Tagen wiederholt und versucht, Partner für einen neuen Weg zu finden. Er will mit Ausgaben die Wirtschaft ankurbeln. Aber Deutschland verweigert ohne Sparprogramm weitere Tranchen aus dem Euro-Rettungsfonds. Die Steuereinnahmen sind zurückgegangen, allein im Mai angeblich um 30 Prozent. "Das politische Chaos untergräbt offenbar die ohnehin laxe Steuermoral vieler Griechen noch weiter“, ätzte das "Handelsblatt“.

Auch wenn Tsipras ebenso wie die europäische Politik gegen einen Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone ist - keine der beiden Seiten will sich länger erpressen lassen. Mehrmals drohen an diesem Freitag die Gespräche, zu denen per Telefon immer wieder auch EZB-Chef Mario Draghi hinzugezogen wird, zu platzen. Kurz nach 23 Uhr Ortszeit (also nach dem New Yorker Börsenschluss) ist es so weit. Eilig wird eine Pressekonferenz einberufen. Merkel, Hollande, Juncker und Tsipras treten gemeinsam vor die Presse. Tsipras ergreift das Wort und sagt in wenigen, knappen Sätzen, dass Griechenland aus dem Euro austreten, aber Teil der EU bleiben werde. Die rechtlichen Details - bisher sehen die Verträge das nicht vor - würden noch ausgehandelt, grundsätzlich sei man sich einig. "Es gibt Möglichkeiten, auch völkerrechtliche Verträge aufzulösen“, hatte etwa Carsten Brzeski, Ökonom bei der ING Bank, für den Fall des Falles in Aussicht gestellt.

Die Vertreter der Euroländer betonen, dass die EU nochmals zusätzliche Mittel bereitstellt, um die Auswirkungen des "Grexit“ abzufedern. Der Regierungschef gibt bekannt, dass die griechische Regierung das Wochenende dafür nutzen werde, die Abläufe des Ausstiegs und die Einführung einer neuen Währung zu planen, und ruft das Volk zu Ruhe und Solidarität auf. Tsipras’ Koalitionspartner Antonis Samaras von der konservativen Partei Nea Demokratia sagt, die Polizei habe die Anweisung, massiv gegen Überfälle, Plünderungen und gewalttätige Unruhen vorzugehen.

2. Akt: Grenzen dicht, Freitag, 6. Juli, Mitternacht

Sobald die Nachricht bekannt ist, dass Griechenland aus dem Euro ausscheidet, geht es Schlag auf Schlag. "Die Geldinstitute in Griechenland werden erst am Donnerstag wieder aufsperren“, verkündet der Präsident der griechischen Zentralbank noch in der Nacht des Austritts. Auch an den Bankomaten werde es kein Geld geben. Damit soll verhindert werden, dass die Griechen in totaler Panik ihre Ersparnisse abheben - und die ohnehin schwachen Banken gänzlich zusammenbrechen.

Gegen bisher geltendes EU-Recht wird die Kapitalverkehrsfreiheit beschränkt, Überweisungen benötigen eine Genehmigung. Auch an den Grenzen werden wieder Kontrollen durchgeführt: Denn laut Schengen-Abkommen hat jedes Mitgliedsland das Recht, 30 Tage lang Personen- und Warenkontrollen einzuführen, wenn es die öffentliche Ordnung und Sicherheit gefährdet sieht.

Dennoch versuchen viele Griechen, ihr Erspartes außer Landes zu bringen. Schon in den vergangenen Wochen waren täglich bis zu 700.000 Euro von Banken abgezogen worden, Reiche hatten schon längst Konten im Ausland eröffnet. "Ein Austritt wird trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ruchbar, wodurch es zu einem Bank Run kommt“, hat Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria, Wochen davor gewarnt. Auch die Touristen, die sich trotz der kritischen Situation noch nach Griechenland wagten, haben vorgesorgt. Schon Ende Mai hatte der deutsche Reisekonzern TUI Individualreisenden dazu geraten, größere Mengen an Bargeld mitzunehmen. "Kunden, die Pauschalreisen über einen Veranstalter buchen, sind abgesichert“, sagt Josef Peterleithner, Chef des österreichischen Reisebüroverbands.

3. Akt: Notstand in Athen, Samstag, 7. Juli

Die Beruhigungsversuche der griechischen Regierung und der europäischen Spitzenpolitik zeigen an diesem Wochenende zunächst Wirkung. Auf den Straßen Griechenlands bleibt es ruhig, aber es herrscht Ratlosigkeit. In Fernsehinterviews sagen junge Griechen, spätestens jetzt würden sie beginnen, sich in Deutschland und Frankreich nach Jobs umzusehen, wie es einige ihrer Freunde bereits getan haben. In Spanien kommt es zu Demonstrationen, um sich mit den Griechen solidarisch zu zeigen. In Österreich werden mehrere Facebook-Gruppen gegründet. Aufgrund des guten Wetters ziehen die Sondersendungen im Fernsehen aber zunächst nur wenige in Bann.

Irgendwann am Samstagnachmittag eskaliert allerdings in Athen die Situation, so wie es schon ein paar Mal bei Demonstrationen gegen den Sparkurs der Fall war. Niemand weiß genau, gegen wen sich die Gewalt richtet. Vermummte ziehen durch die Stadt, Autos und Geschäfte, von denen ohnehin fast die Hälfte leer steht, brennen. Auch in der Hafenstadt Thessaloniki, wo die Arbeitslosigkeit wie in ganz Griechenland bei 25 Prozent liegt, droht die Stimmung zu kippen. "Wenn Griechenland den Euro verlässt, wird es im Bürgerkrieg enden“, hatte Michalis Chrysochoidis, der vormalige griechische Zivilschutzminister, vor Monaten gewarnt. Aus Angst vor weiteren Eskalationen - als Argentinien im Jahr 2001 die 1:1-Bindung des Peso an den Dollar löste, waren Massenstreiks, Demonstrationen und Straßenschlachten die Folge - holt die griechische Polizei das Militär zu Hilfe. Trotz aller Sparmaßnahmen war das Militär in den vergangenen Jahren gut ausgerüstet worden, vor allem, um die EU-Außengrenze zur Türkei zu sichern.

Die griechische Regierung ruft den Notstand aus. Gerüchte über einen bevorstehenden Militärputsch werden strikt zurückgewiesen. Alle Welt blickt nach Griechenland. In Resteuropa ist der Schock trotz aller Vorkehrungsmaßnahmen und Szenarienspiele groß und die Lage enorm angespannt. Parallel dazu bereiten internationale Hilfsorganisationen Unterstützungsmaßnahmen für die elf Millionen Griechen vor. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Arbeitslosen, der Obdachlosen und sozial Bedürftigen in den kommenden Wochen massiv ansteigen wird. "Häufig wird unterschätzt, welche Schwierigkeiten eine neue Währung mit sich bringt“, hat etwa der Ökonom Carsten Brzeski gewarnt.

4. Akt: Das neue Geld, Samstag, 7. Juli, abends

Untergangs-Gurus und Euroskeptiker sind sich sicher, dass die neue alte Währung für Griechenland schon seit 2010 gedruckt ist. Dafür gibt es aber keinerlei Bestätigung. Laut Experten dauert es rund drei Monate, bis ausreichend Bargeld in neuen Scheinen und Münzen vorhanden ist.

Die griechische Zentralbank, die Samstagfrüh ihre Unabhängigkeit erklärt hat, meldet sich kurz vor den Abendnachrichten über das griechische Staatsfernsehen zu Wort. Sie erklärt, dass sie die "Neo Drachme“ einführen werde, deren Scheine und Münzen im Format an den Euro angepasst würden, um einen rascheren Übergang zu gewährleisten. Die Regierung hat die Einführung der neuen Währung mit einer Notverordnung beschlossen. In der Zwischenzeit würden griechische Euros eingefärbt und ebenfalls als neue Drachme gelten. Auch die Umstellung des elektronischen Zahlungsverkehrs werde vorbereitet. Dass der griechische Staat Beamtengehälter und Pensionen ab sofort in Schuldscheinen bezahlt, wird weder bestätigt noch dementiert.

Internationale Experten gehen davon aus, dass die neue Währung innerhalb kürzester Zeit zwischen 50 und 80 Prozent an Wert verlieren wird. Ein griechischer Richter fordert die Aufstockung des Personals, da die Anzahl der Unternehmens- und Privatkonkurse enorm ansteigen werde, weil die Griechen ihre Schulden in Euro nicht mehr bedienen könnten.

In den Abendnachrichten ruft die griechische Regierung abermals zur Ruhe auf und fordert, sich an die Gesetze zu halten. Es wird berichtet, dass ein Gesetzesentwurf zur strengeren Verfolgung von Schwarzarbeit in Ausarbeitung sei, schon bisher habe sie rund ein Viertel der griechischen Wirtschaft ausgemacht. Viele Experten gehen davon aus, dass der Euro als Parallelwährung erhalten bleibt und die Bevölkerung versucht, so viel wie möglich in dieser Währung abzuwickeln. Die Regierung betont, es würden harte Zeiten auf die Griechen zukommen, aber immerhin seien sie so dem Spardiktat der Eurozone entkommen. Dennoch müsse man zusammenhalten, um für die neue Währung Vertrauen zu schaffen. Weil Griechenland ein Importland ist, droht die Hyperinflation. "Erst mittelfristig werden durch die neue Währung Vermögenswerte so billig, dass ausländische Investoren zugreifen“, hat auch der deutsche Ökonom Clemens Fuest gewarnt, "kurzfristig kann es sogar zu Versorgungsengpässen kommen, etwa bei Medikamenten.“

In der ORF-Sendung "ZiB 1“ ist Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, zu Gast. Er bedauert den Euro-Austritt Griechenlands und versichert, die europäischen Institutionen hätten die Lage im Griff.

5. Akt: KrisenTreffen, Sonntag, 8. Juli

Nicht nur in Griechenland arbeiten Regierungsmitglieder und Banker rund um die Uhr. In ganz Europa, aber auch in den USA, China und Japan sind an diesem Wochenende kurzfristig Treffen der Staats- und Finanzspitzen angesetzt. Überall bemüht man sich um Beruhigung. Man wolle einfach auf alles gefasst sein, lautet der gemeinsame Tenor.

In Griechenland beschließt das Parlament in einer außerordentlichen Sitzung Sonntagfrüh die gesetzliche Grundlage für den Euro-Austritt. Bei Treffen der europäischen Regierungschefs gemeinsam mit dem Währungsfonds und Vertretern der Europäischen Zentralbank müssen Hilfspakete abgesegnet werden, die den Ausstieg erleichtern. Aus der Argentinien-Krise wurde gelernt, dass die Wirtschaft durch eine solche Zwangsumstellung radikal abgewürgt wird. In den ersten Monaten des Jahres 2002 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt in dem südamerikanischen Land um 12 Prozent, für Griechenland wird mit einem Minus von 7 Prozent gerechnet.

Die griechische Regierung hat sich in Abstimmung mit den europäischen Partnern und dem IWF auch bereits mit dem Pariser Club in Verbindung gesetzt, um die Staatsschulden neu zu verhandeln. Die europäischen Staaten drängen darauf, nicht all ihre direkten und indirekten Hilfeleistungen für Griechenland abschreiben zu müssen, wobei Österreich mit rund neun Milliarden Euro betroffen wäre. Insgesamt hat Griechenland Außenstände in Höhe von 220 Milliarden Euro. Wenn man auch die Haftungen für den Euro-Rettungsschirm oder die Anteile bei der EZB hinzurechnet, kommt man auf 313 Milliarden Euro, hat der Brüsseler Thinktank Centre for European Policy Studies berechnet. Von Anleihen im Wert von 142 Milliarden Euro, die Griechenland ausgegeben hat, sind fast 52 Milliarden Euro im Besitz der Europäischen Zentralbank. Meldungen, wonach die EZB jetzt selbst vor der Pleite stehe, machen die Runde.

Am Sonntagabend ist Angela Merkel zu Gast in der deutschen Talkshow von Günther Jauch. Sie gibt sich optimistisch, dass Griechenland den Ausstieg aus der Eurozone gut verkraften wird, und spricht dem griechischen Volk Verständnis und Hilfe zu. Mehrmals betont sie, dass Griechenland in der Währungsunion einen absoluten Ausnahmefall darstelle, dass die manifeste Krise dieses Landes, das gerade einmal zwei Prozent der gesamten europäischen Wirtschaftsleistung ausmache, andere und tiefere Ursachen habe als die Schwierigkeiten, mit denen etwa Spanien und Portugal konfrontiert seien. So wie Eurogruppen-Chef Juncker und der französische Präsident Hollande lobt sie die Sparfortschritte Portugals, das eng mit der Troika zusammenarbeitet, und betont, dass sich Lösungen für Spaniens Banken finden würden, man der nationalen Regierung dabei nicht vorgreifen dürfe. Dennoch wird angstvoll beobachtet, wie in Neuseeland und Australien die Märkte reagieren, die EZB, die US-Notenbank Fed, die Bank of England und die Bank of Japan setzen für Montagnachmittag eine gemeinsame Pressekonferenz an.

6. Akt: Märkte im Chaos, Montag, 9. Juli

Während in Griechenland die Banken geschlossen sind, um einen Ansturm besorgter Bürger zu verhindern, sperren am Montagmorgen nach dem Tag X die Geldinstitute in Resteuropa wieder auf. Vor allem in Spanien, wo die Geldinstitute ohnehin sehr schwach aufgestellt sind, kommt es dennoch zu einem Run auf die Banken. Die Schweizerische Nationalbank führt Devisenkontrollen ein, weil der Kurs des Frankens nach oben katapultiert wird. An den Börsen herrschen dramatische Zustände. Nach starken Kursverlusten wird der Handel von Aktien aus den Branchen Banken, Versicherungen und Luftfahrt in Europa ausgesetzt.

Die Europäische Zentralbank verkündet, wieder Staatsanleihen zu kaufen, und gewährt den Banken zinsenlose Kredite. Die Zinsen auf zehnjährige Staatsanleihen von Spanien, Portugal, Irland und Italien steigen dennoch auf Rekordwerte. Die EZB reagiert, wie viele Ökonomen es zuvor gefordert hatten - auch wenn sie die Grenzen der Möglichkeiten ihres Eingreifens einmal mehr ausreizt. "Wenn die EZB klarmacht, dass keine Bank außerhalb Griechenlands daran bankrottgeht, wären Bank Runs verhindert“, hatte Stefan Bruckbauer im Mai gesagt, "es besteht die Gefahr, dass die Situation sonst eskaliert.“ Doch allein im April wurden schon 31 Milliarden Euro (1,9 Prozent) an spanischen Einlagen abgezogen.

Die Nationalbanken der Euroländer stehen in engem Kontakt mit den wichtigsten Banken. Frankreich musste einigen Instituten Hilfestellung gewähren, da sie stark in Griechenland engagiert waren. Sie haben ihre dortigen Niederlassungen geschlossen.

"Für die Banken ist Geld da, für uns keines“, rufen arbeitslose Jugendliche, die abends in ganz Europa demonstrieren. Einige europäische Regierungschefs fordern, dass Europa eine gemeinsame Bankeneinlagengarantie verabschieden solle. Auch der Ruf nach einem europäischen Finanzminister und der Einführung von Eurobonds wird wieder laut. Von allen Seiten hagelt es Kritik an der europäischen Führung - nach wie vor ist nicht geklärt, ob der seit 1. Juli in Kraft getretene permanente Rettungsmechanismus ESM direkt Hilfe an Banken geben könnte.

Indirekt kommt sogar aus den USA der Vorwurf, die Europäer würden zu wenig unternehmen, um die Ansteckung anderer Krisenländer zu verhindern. Auch hier eröffnen die Börsen schwach. Der Euro verliert. Wie schon seit Wochen ziehen internationale Investoren Geld aus Europa ab.

Irgendwie läuft alles aus dem Ruder, die Entscheidungsfindung innerhalb der EU dauert allen zu lange, die Positionen bleiben widersprüchlich. Österreichs Finanzministerin Maria Fekter wird am Rande eines Gipfels von Journalisten falsch verstanden, die Meldung erhöht den Druck, dass auch Spanien und Italien aus dem Euro aussteigen sollen.

7. Akt: Die Krise zieht ihre Kreise

"Die Rückkehr zu nationalen Währungen ist unvermeidlich“, sagt der deutsche Professor Wilhelm Hankel. "Es gibt keine Alternative zu realistischen Wechselkursen zwischen den Währungen, weil sie sowohl das Auseinandertriften der Volkswirtschaften als auch deren Verschuldungen verhindern.“ Hankel hat in den 70er-Jahren unter anderem auch für den damaligen österreichischen Finanzminister Hannes Androsch gearbeitet und erwartet, dass nach einem Austritt Griechenlands aus dem Euro die Gemeinschaftswährung ganz zerbricht. "Im Gegensatz zu den USA ist Europa kein Nationalstaat, daher funktioniert eine gemeinsame Währung nicht“, sagt der Volkswirt und Buchautor. Selbst ein "N-Euro“, ein Euro für die nordeuropäischen Staaten, wäre nicht überlebensfähig. "Das wäre nur eine Wiederholung des Wahnsinns, die wirtschaftlichen Unterschiede sind zu groߓ, meint er.

Nicht nur für Griechenland, auch für den Rest von Europa rechnen die Ökonomen jetzt mit einer Rezession. Selbst Länder, die nicht den Euro hatten, leiden: Die Bank of England muss mehrere Hundert Milliarden Pfund in die britische Wirtschaft pumpen. Zudem gibt es einen gigantischen Zustrom an Einwanderern, die in Großbritannien Asyl beantragen. Dem Balkan droht eine schwere Krise.

Die Union ist nicht nur mit der Währungspolitik am Ende. Thilo Sarrazin kündigt ein Buch mit dem Titel "Deutschland braucht die EU nicht“ an. Wechselkursrechner werden zu App-Bestsellern. Und der Tag X geht als der Schwarze Freitag in die europäische Geschichte ein.

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