Milliardäre und Politik

Silvio Berlusconi - Ex-Ministerpräsident Italiens

Trat 1994 mit der Partei "Forza Italia“ an, das Land zu reformieren, was ihm nur bruchstückhaft gelang. Berlusconi nützte während dreier Ministerpräsidentschaften brutal alle Möglichkeiten seines Medienkonzerns Fininvest zum Machterhalt, war wegen des Hangs der Italiener zu Glanz und Glamour lange beliebt. Musste 2011 gehen, weil er es schließlich selbst für das Verständnis seiner Landsleute zu bunt trieb: "Bunga-Bunga“, Skandale und Krise kosteten den "Cavaliere“ den Job.

7,20 Milliarden Euro

Michael Bloomberg - Bürgermeister der Stadt New York

Bloomberg ist der Musterknabe unter allen Superreichen in der Politik. Der Unternehmer - Bloomberg wurde mit Finanzmedien groß und besitzt heute ein gigantisches Medienimperium - führt die Stadt New York mit Umsicht und kommt gut bei den Bürgern an. Er genehmigt sich als Bürgermeister ein Jahressalär von nur einem Euro und fährt gerne mit dem Fahrrad von "Gracie Mansion“, dem traditionellen Amtssitz des Stadtchefs, ins Rathaus. Muss nach drei Amtszeiten im kommenden Jahr abtreten.

16,0 Milliarden Dollar

Mitt Romney - US-Präsidentschaftskandidat

Trotz Doppelabschluss in Jus und Betriebswirtschaft an der Elite-Universität Harvard tut sich der Multimillionär mit einem zielsicheren öffentlichen Auftreten schwer. Romney lässt wenige Fettnäpfchen aus. Sein Vermögen erwarb der bekennende Mormone und Ex-Gouverneur von Massachusetts mit der Investmentfirma Bain Capital. Selbst in Krisenzeiten und trotz einer durchwachsenen Performance von US-Präsident Barack Obama kann er diesen derzeit in keiner einzigen Umfrage ernsthaft gefährden.

250 Millionen Dollar

Hans Peter Haselsteiner - Ex-Finanzier des Liberalen Forums

Der gebürtige Tiroler und Chef des Baukonzerns Strabag wählte einen differenzierten Weg für sein politisches Engagement: Er finanzierte das Liberale Forum im Hintergrund. Zwar saß er vier Jahre lang für Heide Schmidts Liberale auch im Nationalrat, trat jedoch darüber hinaus kaum als Politiker in Erscheinung. Seinem unternehmerischen Ansehen schadete selbst das Scheitern des liberalen Projektes im Jahr 1999 kaum. Sprechen will Haselsteiner darüber aber nicht: "Ist schon lange her“, sagt er.

770 Millionen Euro

Arnold Schwarzenegger - Ex-Gouverneur von Kalifornien

Der Grazer legte die amerikanische Bilderbuchkarriere hin. Wie auch Frank Stronach musste er erst Österreich verlassen, um als Schauspieler und Geschäftsmann ein Vermögen zu machen. Als kalifornischer Gouverneur war er beliebt, diente beide Amtszeiten durch. Immer noch glauben viele, er hätte das Zeug zum US-Präsidenten - wenn nicht jenes Gesetz wäre, demzufolge nur gebürtige Amerikaner ins Weiße Haus einziehen dürfen. Austro-Politambitionen hegt Schwarzenegger keine.

400 Millionen Euro

Karl Schwarzenberg - Tschechischer außenminister

Der Spross eines bekannten Adelshauses der Donaumonarchie stieg nach dem Ende des Kommunismus in seiner Heimat Tschechien in die Politik ein und ist seit 2007 Außenminister. Ab 1990 war er zwei Jahre lang Büroleiter von Staatspräsident Václav Havel. Der Doppelstaatsbürger (Schwarzenberg besitzt auch einen Schweizer Pass) erhielt nach 1989 den Großteil der von den Nazis enteigneten Familienbesitztümer zurück. Er gilt als ernsthafter Präsidentschaftskandidat für die Wahlen 2013.

400 Millionen Euro

Frank Stronach erliegt wie viele Superreiche vor ihm der Versuchung der Politik. Wie ticken Milliardäre und Millionäre, die statt eines Luxuslebens das raue Politikerdasein wählen? Was sie antreibt und woran sie scheitern.

Spaziergang ist das keiner. Mitt Romney, republikanischer Herausforderer von Barack Obama um die nächste Präsidentschaft in den USA, kam bereits bei einer Vorwahl-TV-Diskussion im Jänner gehörig ins Trudeln. Seine Steuererklärungen bringen den Multimillionär mittlerweile richtig ins Schwitzen: Der 250 Millionen Dollar schwere Romney zahlt 13 Prozent Steuern - den halben Satz eines amerikanischen Durchschnittsverdieners. Seit das bekannt wurde, hat der Multimillionär zusehends Imageprobleme.

Szenenwechsel ins kleine Österreich: Auch Milliardär Frank Stronach hat es alles andere als leicht, seit er sich entschloss, in die Politik zu gehen. Sein Schweizer Steuerwohnsitz ist plötzlich ein Thema, der Villenkauf am Wörthersee wird untersucht, die behauptete Volksnähe durchaus nachhaltig hinterfragt. Einen Vorgeschmack auf Dinge, die kommen könnten, gab ihm schon ORF-Moderatorin Lou Lorenz in jener denkwürdigen ZiB-Ausgabe, als sie dem Widerspruch wohl nicht gewohnten Milliardär zu verstehen gab: Nicht er ist es, der den Gesprächsfaden des Interviews in der Hand hält.

Auch Wirtschaftsexperte Claus Raidl führte Stronach jüngst in einer Diskussionsrunde des Senders Puls 4 mit einem Klassiker in Sachen Volksnähe vor ("Was kostet ein Liter Milch im Supermarkt, Frank?“). Stronach musste passen.

Dabei war das erst der Anfang. "Wahrscheinlich weiß Stronach gar nicht, was ihm an kritischen Fragen in den kommenden Monaten noch alles bevorsteht“, vermutet Politikwissenschaftler Fritz Plasser, der seit Jahrzehnten Wahlkämpfe analysiert. "Frank wird noch seine blauen Wunder erleben“, warnt auch der steirische Ex-Politiker Gerhard Hirschmann, der Stronach noch aus jener Zeit kennt, als er erstmals mit seinem Ebreichsdorfer Weltkugelprojekt an die Öffentlichkeit trat und von da an begann, das Land aufzumischen.

Beratungsresistent

Natürlich könnte man sich auf Medienauftritte und Vorwürfe politischer Mitbewerber vorbereiten. Doch Stronach, dem so gut wie alle Wegbegleiter eine erfrischende Beratungsresistenz bescheinigen, denkt nicht daran. Er hat, wie so viele andere Superreiche vor ihm, mehr das Ziel im Auge als den Weg: Die Aussicht, abseits erfolgreichen Unternehmertums Einfluss auf eine Gesellschaft nehmen zu können, übt offensichtlich besonderen Reiz aus. Dafür setzen Superreiche ein, was sie haben.

Den angesehenen New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, die gescheiterten US-Präsidentschaftskandidaten John Kerry und Ross Perot, den aus den Amt geputschten thailändischen Ex-Premier Thaksin Shinawatra, Tschechiens Außenminister Karl Schwarzenberg, den Schweizer Rechtsausleger Christoph Blocher, den italienischen Medienzaren Silvio Berlusconi und viele andere Superreiche - alle zog es in die Politik, als sie ihre Schäfchen durch unternehmerische Megaerfolge bereits längst im Trockenen hatten.

Was aber treibt Männer - nur höchst selten sind es Frauen - wie Stronach dazu, ihr Luxusleben selbst im hohen Alter noch zu verlassen und ins oft auf besonders unangenehme Weise grelle Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit zu treten, um eine Politiker-Karriere zu starten?

"Eitelkeit“, behauptet Ex-Politiker Hirschmann: "Das ist eine Blasmusikkapellmeister-Mentalität. Jeder möchte Dirigent sein, und manche wollen eben ganze Länder dirigieren, weil ihnen ihre Unternehmen nicht mehr genügen.“ "Ein oft übersteigertes Gestaltungsbedürfnis“, vermutet auch Politikberater Thomas Hofer, gemixt mit besonderem Geltungsdrang: "Die wahre Macht liegt nur in der Politik und übt einen Reiz aus, der weit über den jedes eigenen Unternehmens hinausgeht.“ So banal dürfte das wohl sein, allen Beteuerungen von "der Gesellschaft etwas zurückgeben zu wollen“ zum Trotz.

Von Gold und Regeln

"Hilfe ist unterwegs“, hatte John Kerry beim Nominierungsparteitag der Demokraten für die US-Präsidentschaftswahl 2004 selbstbewusst in die Menge der Parteifreunde geschmettert - und den Urnengang dann prompt gegen Bush junior verloren. "Ich kann nicht glauben, dass dieser Idiot mich schlagen konnte“, soll er später im kleinen Kreis gesagt haben. Der sperrig wirkende Kerry war am volksnäher agierenden Bush gescheitert - ohne zu begreifen, warum. Das ist typisch.

Genau das könnte auch Frank Stronachs großes Problem sein. Er sieht nicht, kritisieren Beobachter unisono, dass ihm sein immer wieder mit unternehmerischem Stolz vorgetragenes Mantra - "Wer das Gold hat, macht die Regeln“ - schadet. "Stronach ist ein politischer Laie und agiert unprofessionell“, sagt Experte Thomas Hofer. Das sei sehr oft bei Quereinsteigern aus der Unternehmerschaft zu beobachten. Die Frage ist dann, wie gut sie auf Ratgeber hören und wie schnell sie sich an das geänderte Umfeld der Politik anpassen können. Stronachs größte Chance, in Österreich auch tatsächlich gewählt zu werden, liegt laut Politologen einzig darin, konkrete Probleme direkt anzusprechen. "Sobald er in seiner Unternehmersprache alles nebelig wegzureden versucht, wird er untergehen“, glaubt Plasser. Was erfolgreiche Unternehmer laut Plasser häufig falsch machen: "Sie sehen das Land als Firma und sich selbst als CEO, aber in der Politik sind sie damit chancenlos.“

Auch Stronach scheint dabei zu sein, dieser Versuchung zu erliegen. Dass er Politiker aller Couleurs als Mitglieder für seine Partei zusammensammelt, komme in der Öffentlichkeit nicht gut an, kritisiert Plasser. Politik ist eben kein Fußballverein. Stronachs selbstherrliches Auftreten als reicher Unternehmer-Onkel könnte für ihn bald zum Problem werden. Auch Silvio Berlusconi scheiterte am Ende an seiner Abgehobenheit, Ross Perot kam deswegen in den 1990ern in gleich zwei US-Präsidentschaftswahlkämpfen nicht über den Status des Zählkandidaten hinaus.

Vorbild New York

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg und der tschechische Außenminister Karl Schwarzenberg hingegen machen ihre Sache deutlich besser. Sie bauen kaum auf erzielte unternehmerische Erfolge, sondern auf politisches Gespür. Schwarzenberg werden sogar Chancen auf die tschechische Staatspräsidentschaft eingeräumt.

Stronach hingegen sehen Politik-Experten schon jetzt in ernsten Turbulenzen, da sein Polit-Engagement noch gar nicht so richtig begonnen hat. "Wenn er weiter ohne vernünftige Wirtschaftsaussagen agiert und Politiker engagiert, die zum Alteisen gehören, ist die Gefahr eines Absturzes riesig“, sagt Thomas Hofer. "Seine Auftritte sind wenig hilfreich“, konstatiert auch Politikberater Christoph Hofinger. Stronachs angepeilte 20 bis 30 Prozent seien illusorisch. Jene 25 Millionen Euro, die er in seinen Wahlkampf pulvern will, könnten zwar hilfreich sein - politische Defizite und strategische Fehler aber nicht zudecken. Geld regiert nur bedingt die politische Welt.

In den USA freilich schon eher. Politik funktioniert in den Vereinigten Staaten nach einem anderen System, dort sind reiche Politiker weit zahlreicher vertreten. "In den USA herrscht ein meritokratisches Prinzip“, weiß Hofer. "Die österreichische Reichtum-Skepsis in Zusammenhang mit Politik ist in den USA unbekannt“, bestätigt Hofinger. Dort schafft Wohlstand eher Bewunderung als Neid. Außerdem spielt im US-Politsystem privates Geld eine wichtigere Rolle. Parteien erhalten kaum öffentliche Mittel.

Kein Wunder, dass Reiche überall in der US-Politik zu finden sind: Unter den 435 Kongressabgeordneten gibt es 140 Millionäre. Ein US-Senator verfügt im Durchschnitt über ein persönliches Vermögen von knapp 14 Millionen Dollar, ein Repräsentantenhaus-Mitglied immerhin noch über fünf Millionen. In Österreich verdient ein Nationalratsabgeordneter 8.160 Euro brutto im Monat.

Die Schönheit des Scheiterns

Megaerfolge als Politiker schaffen Superreiche aber hier wie dort nicht allzu oft. Michael Bloomberg ist als einer der angesehensten Bürgermeister, die New York jemals hatte, eine echte Ausnahme. Auch Arnold Schwarzenegger: Nach seiner zweiten Amtszeit als kalifornischer Gouverneur glauben nach wie vor viele, er gäbe einen respektablen Präsidentschaftskandidaten ab. In Österreich liefert Hans Peter Haselsteiner ein Positivbeispiel ab: Obwohl das seinerzeit von ihm finanzierte Liberale Forum aus dem Parlament flog, steht der Strabag-Chef nach wie vor als respektabler Polit-Förderer da. Anders als Stronach verstand es Haselsteiner, selbst im Hintergrund zu bleiben - und andere als Protagonisten zuzulassen. Vom LiF-Desaster des Jahres 1999 blieb er daher persönlich unbefleckt.

Oft hingegen scheitern Superreiche in der Politik auf dramatische Weise: Der ehemalige russische Oligarch Michail Chodorkowski befindet sich nach wie vor in Haft, sein Yukos-Konzern ist zerschlagen. In Thailand wurde der schwerreiche Premier Thaksin Shinawatra vom Militär aus dem Land geputscht, sein im Telekom-Business verdientes Vermögen von über zwei Milliarden Dollar konfisziert.

Ein solches Risiko trägt Stronach nicht. Aber wie andere vor ihm spielt der Milliardär mit seiner Reputation. "Das politische Parkett ist ungleich glatter als jenes in der Wirtschaft“, sagt Experte Thomas Hofer, "da rutscht man schnell aus.“ Sein Kollege Christoph Hofinger ergänzt: "Als Politik-Neueinsteiger ist man nie mehr als drei unbedachte Aussagen vom Desaster entfernt.“ Die könnte Stronach mit seinen Auftritten in der "ZiB 2“ und auf Puls 4 bereits verbraucht haben. "Man wird versuchen, sein Ansehen niederzureißen“, warnt der Milliardär Christoph Blocher (siehe Interview ), der seit fast 40 Jahren mit wechselndem Erfolg in der Schweizer Politik mitmischt. Die Gefahr ist groß, dass Wirtschaftskapitäne ihre unternehmerische Reputation mit erträumter politischer Zuwendung verwechseln. "Das sind zwei völlig verschiedene Dinge“, warnt Hofinger. Das Image eines unternehmerischen Lebenswerks kann in der Politik sehr rasch verloren gehen. Das droht Stronach.

Ross Perot hat es nach den beiden Abfuhren, welche die US-Wähler ihm erteilten, nie wieder probiert. Auch John Kerry nicht. Für Mitt Romney könnte seine Steuererklärung zum "Bunga-Bunga“ werden. Und auf Stronach lauern Fallstricke ohne Ende, von der Seevilla über den Steuerwohnsitz bis zu seinen Kanada-Absenzen, die für einen Austro-Politiker öffentlich kaum zu rechtfertigen sind.

Aber geht das ungewohnte öffentliche Sperrfeuer gegen ihn weiter wie bisher, könnte Stronach ohnehin schon bald die Lust verlieren. Und wie bereits im Fußball vorzeitig das Handtuch werfen.

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