Die Griechen wollen nicht weiter sparen, ...

Droht Griechenland neues Chaos, das die gesamte Euro-Zone mit in den Abgrund zieht? Dazu folgende Fragen und Antworten:

STEHT AUCH DIE NEUE REGIERUNG UNTER SPARZWANG?

Ja. Bis Juni verlangt die Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) weitere Konsolidierungsmaßnahmen in Höhe von 11,5 Mrd. Euro. Nur dann ist sie bereit, im Gegenzug frisches Geld nach Europa zu überweisen. Die Griechen allerdings haben das Sparen abgewählt. Die bisherigen Regierungsparteien, die sozialistische Pasok und die konservative Nea Demokratia, haben seit dem Urnengang am Sonntag keine Mehrheit mehr. Beide hatten sich als einzige Fraktionen gegenüber auf ein hartes Sparprogramm verpflichtet. Alle anderen Parteien - vom Linksbündnis bis zur rechtsradikale "Goldenen Morgenröte" - sind gegen neue Sparrunden. Die neue Regierung steht also vor der Wahl: Sparen gegen den Willen ihrer Wähler oder den Abschied vom Euro zu riskieren.

WAS PASSIERT, WENN KEINE NEUEN HILFSGELDER FLIESSEN?

Dann droht dem hoch verschuldeten Land schon in wenigen Monaten die Pleite. Denn es ist auf die Hilfen von EU, IWF und EZB dringend angewiesen, weil private Investoren aus Angst vor einem Zahlungsausfall noch auf Jahre hinaus keine Kredite geben werden. "Ohne frisches Geld wird der griechische Staat wohl spätestens im Herbst nicht mehr in der Lage sein, seine Zahlungsverpflichtungen in vollem Umfang nachzukommen", sagt Commerzbank-Experte Christoph Weil. "In diesem Fall würde die Regierung vermutlich die Staatsschulden nicht mehr bedienen."

WAS PASSIERT BEI EINER STAATSPLEITE?

Sie würde die griechischen Banken mit voller Wucht treffen, die der größte Gläubiger des Staates sind. Kann der Staat seine Schulden nicht mehr begleichen, würden sie finanziell austrocknen und mit in den Abgrund gerissen. Theoretisch könnten sie verstaatlicht werden, doch fehlt dem klammen Staat dazu das Geld. Alternativ könnte Griechenland aus dem Euro-Raum austreten, die Drachme wieder einführen und Geld selbst drucken. Die folgende massive Abwertung der Drachme würde für mehr Wettbewerbsfähigkeit sorgen - Urlauber könnten billiger an der Ägäis entspannen, die Exporte günstiger werden.

IST DER EURO-AUSTRITT EINE ECHTE ALTERNATIVE?

Nein. Alle Parteien wollen die Gemeinschaftswährung behalten, mit Ausnahme der Kommunisten. Aus gutem Grund. Die Griechen würden vor der Wiedereinführung der Drachme die Banken stürmen, um ihre Euros zu retten. Die Banken wären damit am Ende. Auch in anderen angeschlagenen Krisenstaaten wie Spanien dürften die Kunden an den Bankenschaltern Schlange stehen, weil sie ein ähnliches Schicksal befürchten und deshalb ihr Geld rechtzeitig in Sicherheit bringen würden. Die Folge wären Chaos und eine verschärfte Schuldenkrise.

KANN DAS SPARPAKET WIEDER AUFGESCHNÜRT WERDEN?

Weniger sparen, aber den Euro behalten - um diesen Spagat hinzubekommen, sind Kompromisse nötig. Die stärkste Partei, die Nea Demokratia, will prinzipiell am Sparprogramm festhalten, aber niedrigere Steuern und höhere Sozialausgaben durchsetzen. Die drittstärkste Kraft Pasok plädiert dafür, die neuen Sparmaßnahmen aufzuschieben. Sehr fraglich ist allerdings, ob sich die Troika darauf einlässt. Würde das griechische Sparpaket aufgeschnürt, dann dürften Portugal und Irland dies ebenfalls verlangen. Auch diese beiden Länder mussten sich im Gegenzug für Kredite der internationalen Geldgeber auf harte Sparmaßnahmen verpflichten. An den Märkten wiederum dürfte weiteres Vertrauen verloren gehen, wenn einmal erzielte Vereinbarungen wieder aufgeweicht werden. Besonders Krisenländer wie Spanien und Italien dürften das mit steigenden Zinsen bezahlen.

WIE KÖNNTE EINE LÖSUNG AUSSEHEN?

Geplant ist, dem mit Rezession und Rekordarbeitslosigkeit kämpfenden Land im Gegenzug für seine Sparbemühungen mit Wachstumsimpulsen wieder auf die Beine zu helfen. Auch anderen Krisenstaaten soll so geholfen werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat einer stärkeren Rolle der Europäischen Investitionsbank (EIB) bereits zugestimmt. Sie könnte beispielsweise Investitionen mit Bürgschaften absichern und damit für Investoren attraktiver machen. Auch ein besserer Einsatz der milliardenschweren EU-Fonds wird in den Hauptstädten diskutiert.

Reuters/hahn

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