"Wären wir gegangen, wäre der Kollaps perfekt gewesen"

Bei der AUA kommt es zu weiteren Piloten-Abgängen, die sich dem umstrittenen Betriebsübergang auf Tyrolean verweigern. Seit heute ist aber keine Rede mehr von 200 oder 300 Austritten, die den Flugbetrieb in den nächsten Wochen ins Chaos gestürzt hätten. AUA-Bord-Betriebsratschef Karl Minhard hat am Freitag seinen Verbleib als Pilot und als Belegschaftsvertreter bekanntgegeben.

Das sei ein Signal auch für andere Piloten gewesen, sagte Minhard vor Journalisten nach der entscheidenden Betriebsversammlung. Auch sein "Co" Wolfgang Widmann bleibt. Minhard sagte, er habe seine Pilotenkollegen heute zwar zu nichts aufgerufen. Aber einige hätten ihm und seinen Betriebsratskollegen erklärt, sie blieben nur deshalb an Bord, "weil ihr auch bleibt".

"Wären wir gegangen, wäre der Kollaps perfekt gewesen", ist Minhard überzeugt. Man habe damit Augenmaß bewiesen. Jetzt will er Signale vom Vorstand, sprich neue Verhandlungen. Seit letztem Freitag habe er kein Gespräch mit dem Vorstandschef gehabt, sagte der Betriebsratschef. Die AUA erhofft sich mit der Zwangsauslagerung der AUA-Bordleute auf den billigeren Tyrolean-Flugbetrieb maßgebliche Einsparungen.

Malanik "fliegt"

Peter Malanik, Chief Operating Officer der Austrian Airlines, scheidet per sofort aus dem Vorstand der Lufthansa-Tochter aus. Das teilte das Unternehmen am Freitag in einer Aussendung mit. Der Abschied Malaniks nach 27 Jahren bei der AUA, seit 2008 als Vorstandsmitglied, erfolge "im beiderseitigen Einvernehmen zum 25. Mai 2012". Seine Vorstands-Agenden sollen CEO Jaan Albrecht und CCO Karsten Benz übernehmen.

"Der Aufsichtsrat dankt Herrn Dr. Malanik für seine langjährige hervorragende Arbeit bei Austrian Airlines, besonders als Mitglied des Vorstandes seit 2008. In dieser Funktion hat Herr Dr. Malanik mit großem Einsatz maßgeblich zum Erhalt von Austrian Airlines als Netzwerkfluggesellschaft beigetragen", sagte Stefan H. Lauer, Aufsichtsratschef der AUA.

80 Piloten und 179 Flugbegleiterinnen sind weg

Mit gestrigem Datum seien es 80 Piloten und 170 Flugbegleiterinnen, die das Unternehmen wegen des Übergangs verlassen. 43 der 80 Piloten hatten schon davor einvernehmlich den Abschied bekanntgegeben. Bis Ende Mai, bis zum Ende der mit dem Übergang verbundenen Kündigungsfristen, dürften zwar noch einige dazu kommen. Anderseits habe die persönliche Entscheidung der führenden Belegschaftsvertreter viele andere bewogen, an Bord zu bleiben. Von 17 Bord-Betriebsratsmitgliedern wählten zwei (Piloten) den Abgang. Den Weg in die Pension wählen dürfte der frühere Bordbetriebsrat Rudolf Nowak. Von ihm ist bekannt, dass er den umstrittenen Betriebsübergang auf Tyrolean auf keinen Fall mitmachen will. Bei allen anderen betroffenen Mitarbeitern wird man es am 29. Mai wissen.

Auf einer anderen Front bleiben die Gewerkschafter hart: Gegen drohende arbeitsrechtliche Verschlechterungen beim Übergang laufen schon mehrere Klagen. Nächste Woche wird die Gewerkschaft den OGH anrufen, per Feststellungsklage. Ein Ergebnis wird noch heuer erwartet. Die Belegschaftsvertretung ist nach wie vor überzeugt, dass die heuer im Frühjahr aufgekündigten Kollektivverträge nachwirken. Damit, so wird argumentiert, seien die vom Management erhofften Einsparungen bis auf weiteres gar nicht machbar.

Trotz langer sachlicher Debatten um offene Rechtsfragen kam es bei der heutigen Betriebsversammlung der AUA-Bordangestellten auch zu emotionalen Auftritten. Eine langjährige Flugbegleiterin verabschiedete sich unter Tränen von allen. Sie könne so nicht mehr weiter. Ein Teilnehmer nannte es "schäbig, wie die Firma mit den Menschen umgeht. Wir waren doch einmal eine Familie".

Gedrückte Stimmung

Anders als bei den kämpferischen Betriebsversammlungen der vergangenen Monate war schon am frühen Vormittag die gedrückte Stimmung im Office Center am Airport in Wien-Schwechat fühlbar. Im Verlauf verließen auch immer wieder Crews grüppchenweise die Versammlung, um ihren Dienst an Bord anzutreten. Damit hielten sich Verspätungen einiger Flüge in engeren Grenzen als beim letzten Mal. Vier Flüge hatte die AUA schon gestern vorweg gestrichen, und die drei Transatlantikflüge vom Vormittag hoben wie angekündigt erst Mittag ab.

Die AUA hat für das verkehrsreiche Pfingstwochenende bereits vorgesorgt. Sollten sich zu viele Piloten "unfit to fly" melden und kein Ersatz aus der eigenen Firma aufzutreiben sein, stünden Lufthansa und Swiss bereit, Europastrecken der AUA zu übernehmen. Dass dieser Einsatzplan aktiviert werden muss, scheint nach der heutigen Entspannung unwahrscheinlich.

Bord-Betriebsrat Minhard wertet den Betriebsübergang als "Schwachsinn". Er glaubt, dass mit einer Verhandlungslösung mehr erreicht würde. Was von der AUA bisher dementiert wurde.

Vom Zwangsumstieg des Flugbetriebs auf die Tochter Tyrolean sind nach AUA-Angaben (Stand Ende April) knapp 600 AUA-Piloten und rund 1.500 Flugbegleiterinnen betroffen. Sie werden als Neueintretende in der Tyrolean behandelt. Bei Tyrolean sind derzeit 440 Piloten und 500 Flugbegleiterinnen angestellt.

Für Piloten, die nach dem AUA-Alt-KV entlohnt wurden, sind damit die stärksten Einbußen verbunden. Die Copiloten haben weniger zu verlieren, am wenigsten die Flugbegleiterinnen. Es geht bei dem Schritt nur um den Flugbetrieb, das Bodenpersonal bleibt bei der AUA angestellt.

APA

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