Spanien: Bankia ist teilverstaatlicht

Zur Stabilisierung des angeschlagenen Finanzsektors übernimmt Spanien die Kontrolle über die viertgrößte Bankengruppe des Landes.

Das Wirtschaftsministerium in Madrid teilte am späten Mittwochabend mit, der Staat stütze mit 4,5 Milliarden Euro den schwankenden Sparkassenkonzern Bankia. Dazu habe die Regierung auf Bitten des Unternehmens einen indirekten Anteil von 45 Prozent über den Mutterkonzern BFA gekauft. In den Büchern von Bankia schlummern faule Kredite im Wert von mehr als 30 Milliarden Euro. Es wird damit gerechnet, dass die spanische Regierung mindestens noch weitere zehn Milliarden Euro in die Bank stecken muss. Einige Analysten erwarten sogar einen noch höheren Rettungsbetrag, damit das Institut nicht Pleite geht.

Bankia ging aus einer Fusion von sieben spanischen Sparkassen hervor und debütierte erst im Juli 2011 an der Börse.

Seit Beginn der Finanzkrise hat die spanische Regierung sieben kleinere Sparkassen übernommen. Der Kauf von Bankia als viertgrößte Bank ist die bislang größte Übernahme zur Eindämmung der Kredit- und Schuldenkrise in dem Euro-Land. Spanien leidet nicht nur unter einer Rezession und hoher Arbeitslosigkeit, sondern auch unter den Folgen einer geplatzten Immobilienblase.

Die Regierung in Madrid arbeitet mit Hochdruck an der Sanierung des Finanzsektors. Ein mit großer Spannung erwartetes Paket dazu soll auf der wöchentlichen Kabinettssitzung am Freitag beschlossen werden. Auch wegen der Probleme im Bankensektor befürchtet die EU-Kommission nach Angaben aus Diplomatenkreisen, dass Spanien ohne Kursschwenk seine Sparziele dieses und nächstes Jahr verfehlen dürfte. Ministerpräsident Mariano Rajoy hält Regierungskreisen zufolge aber an den Sparvorgaben fest. Es gebe keine Pläne, die Defizitziele abermals zu lockern.

Reuters/hahn

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