"Schwören Sie diesem Sündenfall ab"

An den umstrittenen Derivatgeschäften der Erste Group - namentlich an den mittlerweile losgeschlagenen milliardenschweren Kreditausfallsversicherungen (CDS) - entzündete sich am Dienstag in der Jahreshauptversammlung heftige Aktionärskritik.

Die CDS hatten im Herbst 2011 eine Höhe von 5,6 Mrd. Euro erreicht. Große Teile davon mussten dann schlagartig abgewertet werden, zum Teil auch rückwirkend in früheren Bilanzen.

Der kritische Investor Rupert Heinrich Staller verglich dieses lange Zeit verheimlichte "Abenteuer" der Ersten mit den verlustreichen Spekulationen von BAWAG und Kommunalkredit. Erste-Chef Andreas Treichl (Bild) und seine Kollegen hätten damit den guten Namen des Hauses zu Markte getragen, befand Staller. "Wir Aktionäre wollen an einer Sparkasse beteiligt sein und nicht an einem Hedgefonds".

Staller verlangte von Treichl und Co das Versprechen, nie wieder solche Geschäfte einzugehen. "Schwören Sie diesem Sündenfall ab". Treichl versicherte, dass man CDS "nicht mehr als Kreditsurrogate machen" werde, "das verspreche ich". Derartige Geschäfte bei Bedarf aber im Portfolio des normalen Risikomanagements einzugehen, ließ er offen. Der Erste-Vorstand bestritt zudem, diese riskanten Geschäfte in der Vergangenheit verheimlicht zu haben.

Der Anlegerschützer Michael Knap vom Interessensverband der Anleger (IVA) wollte wissen, ob die Erste für eine angedrohte Sammelklage wegen der CDS-Geschäfte vorgesorgt hat. Dem Erste-Vorstand ist nach eigenen Angaben keine solche Klage bekannt. Im übrigen sähe man dafür auch keine Grundlage, wurde ergänzt.

Scharfe Kritik an BCR

Die rumänische Großsparkasse Banca Comerciala Romana BCR bewertet der Kleinaktionär Staller als "Fass ohne Boden". Treichl nannte die BCR beim mehrheitlichen Kauf 2006 "zugegebenermaßen teuer". Er ist aber überzeugt, dass die Bank in einigen Jahren so viel Freude machen werde wie die Töchter Ceska und Slovenska Sporitelna. Mit der jüngsten Aufstockung um 24 Prozent auf nun 93 Prozent in der BCR habe man die Wahrscheinlichkeit weiterer Abschreibungen reduziert. Damit seien der aktuelle Firmenwert von 1,1 Mrd. Euro und die 300 Mio. Euro Markenwert besser abgesichert als vor ein paar Monaten.

Knap beklagte, dass ein Ausschüttungsgewinn im Einzelabschluss auf 140 Mio. Euro zur Bedienung der Partizipationsscheine "hingetrimmt" worden sei, aber keine 40 Millionen für eine symbolische Dividende von 10 Cent für die Aktionäre übrig gewesen seien. Der Erste-Vorstand räumte heute zwar ein, dass eine symbolische Aktien-Dividende möglich gewesen, aber wohl nicht richtig gewesen wäre. Alle Regulatoren appellierten an die Banken, Gewinne einzubehalten und Kapital aufzubauen.

Auf Fragen, ob auch ohne das staatliche Partizipationskapital (PS-Kapital) von 1,2 Mrd. Euro bis Ende Juni die von der Europa-Aufsicht verlangte Kernkapitalquote von 9 Prozent erreicht würde, sagte Treichl, dass man unter Einrechnung des Gewinns des ersten Quartals "ziemlich genau" die 9 Prozent schafften würde, auch wenn man die Staats-PS nicht einrechnete. Staatliches PS-Kapital wird von der EBA aber anerkannt. Nach EBA-Definition habe man die Quote schon per Ende März übertroffen.

Treichl fühlt sich sicher

Treichl sieht in seiner Doppelfunktion an der Spitze der Bank und an der Spitze der Hauptaktionärin Erste Stiftung keine Unvereinbarkeiten, wie dies von kritischer Kleinaktionärsseite unterstellt wird. Auch nicht im Fall allfällig bevorstehender weiterer Kapitalerhöhungen. "Ich glaube nicht, dass es zu einer Kapitalerhöhung kommt", sagte Treichl heute. Allerdings könne man nie wissen, welche Eigenkapitalvorschriften noch auf die Banken zukämen. Die Stiftung habe sich in den vergangenen zehn Jahren auch nie gegen Kapitalaufstockungen gestemmt, wenn die notwendig waren.

Staller wäre trotzdem dafür, dass Treichl als Stiftungsvorsitzender zurücktritt. "Die Bank braucht Sie heute, die Stiftung kann warten, bis Sie in Pension sind." Die Gewinne beim Rückkauf von eigenen Hybridanleihen für die Erste in den ersten Monaten 2012 erklärt sich Staller damit, dass vielleicht Investoren das Risiko zu groß werde.

APA

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