Schlimme Kursprügel für Facebook an der Wall Street

Nachdem Facebook und die Banken über Wochen den Preis immer höher geschraubt hatten, bekommen sie nun die Quittung für ihre Gier. Schon am zweiten Handelstag kommt es zum großen Absturz.

Nachdem die Papiere des sozialen Netzwerks zum Börsendebüt offenbar nur durch massive Stützungskäufe von den Emissionsbanken vor einem Rückgang unter den Ausgabepreis von 38 US-Dollar bewahrt worden waren, verstärkte sich der Abwärtsdruck am 2. Handelstag massiv. Die Papiere gingen mit einem Kursverlust von 10,99 Prozent auf 34,03 US-Dollar aus dem Handel.

Für den 28-jährigen Gründer Mark Zuckerberg, der von einem Triumph zum anderen zu eilen schien, ist es ein erster schmerzhafter Rückschlag. Schlimmer noch: Nach der Euphorie der vergangenen Monate droht die Gefahr, dass ein Facebook-Debakel die gesamte Internet-Branche zurückwirft.

Auf jeden Fall ist jetzt klar: Facebook und seine Banken haben mit dem Börsenwert von mehr als 100 Mrd. Dollar (78,4 Mrd. Euro) den Bogen überspannt. Die 38 Dollar pro Aktie, die sie Investoren abknöpften, waren am Ende zu viel. Am Tiefpunkt zahlten Anleger Montagfrüh gerade noch 33 Dollar.

Facebook ist ein "Sell"

Die Analysten von Raiffeisen Research in Wien haben die Aktie des sozialen Netzwerks am Montag in einer Ersteinschätzung mit der Empfehlung "Verkauf" eingestuft. "Bewertung: 'Gefällt mir nicht'", lautet der Titel der Raiffeisen-Analyse. "Wir erachten die dem Unternehmen im Rahmen des Börsengangs zugemessene Bewertung als bei weitem überzogen", schreiben die Analysten.

Den richtigen Preis zu finden, ist eine Kunst. Ist man zu gierig, können sich zwar die Alteigentümer und das Unternehmen die Taschen vollstopfen, die Aktie kippt jedoch unter den Ausgabepreis und der Börsengang gilt als misslungen. Dazu droht ein dauerhafter Imageschaden. Geht der Kurs am ersten Tag ab wie eine Rakete, heißt das, man hat zu tief gestapelt und den Anlegern Geld geschenkt.

Das erste Plus von zehn Prozent am Freitag erlaubte noch den Eindruck, die Banken hätten die goldene Mitte getroffen. Der Absturz am zweiten Tag lässt jedoch kaum Zweifel: Den meisten Börsianern ist Facebook schlicht zu teuer. Die Skeptiker, die schon lange warnten, ein Börsengang mit dem außergewöhnlichen Verhältnis von 1:100 zwischen Jahresgewinn und Börsenwert könne eigentlich nicht gut gehen, bekommen jetzt Oberwasser.

Der immer noch studentisch-arglos wirkende Zuckerberg muss nun erkennen, wie die raue Börsenwelt aussieht. Bis jetzt war ihm das Glück hold: Sein Facebook wuchs und wuchs und wuchs. Aus einer Million Mitglieder im ersten Jahr 2004 wurden zuletzt über 900 Millionen. Die Investoren überschütteten Zuckerberg mit Geld, erhofften sie doch reichlich Rendite durch Werbeeinnahmen. Auch privat lief alles bestens: Am Wochenende heiratete Zuckerberg seine langjährige Freundin Priscilla Chan.

Internet-IPO liegen unter Wasser

Doch ein Rückschlag am Aktienmarkt war irgendwie absehbar: Mit wenigen Ausnahmen liegen alle jüngsten Internet-Börsengänge unter dem Ausgabekurs, etwa das Internet-Radio Pandora, das Schnäppchen-Portal Groupon, der mit Facebook eng verbandelte Spieleanbieter Zynga oder die russische Suchmaschine Yandex. Positiv sticht fast nur das berufliche Online-Netzwerk LinkedIn heraus.

Die Facebook-Schlappe dürfte nun für weiteren Druck sorgen. Bereits am Freitag waren die Kurse der Internetfirmen gepurzelt, am Montag fielen sie weiter. Wenn es so weitergeht, könnten Börsengänge von Internet-Unternehmen auf lange Zeit das Vertrauen der Anleger verlieren.

Zuckerberg muss aber nicht gleich den Kopf in den Sand stecken: Trotz der Kursverluste ist das gerade mal acht Jahre alte soziale Netzwerk mit einem Börsenwert von umgerechnet rund 72 Mrd. Euro immer noch mehr wert als traditionsreiche deutsche Großkonzerne wie Siemens (60 Milliarden) oder Volkswagen (58 Milliarden). Die Frage ist, ob Facebook den Vorsprung halten kann.

APA/hahn

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