Rating-Kahlschlag: Moody's droht 100 Banken mit Bonitätsabstufung

Bei mehr als 100 Banken drohen in diesem Monat Bonitätsabstufungen durch Moody’s Investors Service. Ein solcher Schritt könnte ihre Finanzierungskosten nach oben treiben und die Häuser zwingen, die Kreditvergabe einzuschränken, was das Wirtschaftswachstum dämpfen dürfte.

Unter anderem laufen die Deutsche Bank, BNP Paribas, und Morgan Stanley Gefahr, dass ihre Kurz- und Langfristratings von Moody’s auf die bisher niedrigste Stufe reduziert werden, erklärte die Ratingagentur im Februar. Standard & Poor’s und Fitch Ratings haben bereits im vergangenen Jahr die Ratingnoten nach unten korrigiert.

Die Herabstufungen könnten am Gewinn zehren, Nachschussforderungen auslösen und einige Unternehmen von der Finanzierung am Geldmarkt abschneiden, weil die Geldmarktfonds strikte Vorschriften haben, wem sie Kapital ausleihen können. Ohne Zugang zu Finanzierungen aus privaten Quellen müssen die Banken Vermögenswerte verkaufen und die Kreditvergabe einschränken.

“Ich würde gerne sagen, dass die Ansichten der Ratingagenturen keine Rolle mehr spielen, aber leider tun sie es noch”, sagte Philippe Bodereau, Leiter europäische Kreditanalyse bei Pacific Investment Management Co. “Das ist ein Rückschlag für die Banken, insbesondere angesichts der Fortschritte, die sie bei der Risikominimierung und der Erhöhung der Transparenz gemacht haben.”

Kreditvergabe stagniert

Selbst nachdem die EZB über dreijährige Kredite den Banken ein beispielloses Volumen von einer Billion Euro zur Verfügung gestellt hat, sind die Kredite an Euroraum- Unternehmen außerhalb des Finanzsektors im April um 0,17 Prozent gesunken, wie aus EZB-Daten hervorgeht. Die Wirtschaft des Euroraums ist im ersten Quartal angesichts der Sparmaßnahmen voraussichtlich in die Rezession abgerutscht, prognostizierten 16 von 19 Ökonomen in einer Bloomberg-Umfrage.

“Je weiter die Finanzierungskosten am Geld- und Kapitalmarkt steigen, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Banken sich zurückziehen und das Verhältnis von Krediten zu Einlagen sich Eins nähert”, erläutert Huw van Steenis, Bankanalyst bei Morgan Stanley in London. “Das erhöht den enormen Druck, Verbindlichkeiten abzubauen, was ein weiterer Belastungsfaktor für eine Konjunkturerholung in Europa sein wird.”

Moody’s hatte im Jänner angekündigt, die Bonitätswächter werden ihr Ratingsystem für europäische Banken und Häuser mit weltweiten Wertpapierbereichen überarbeiten, um die negativen Effekte aus der Schuldenkrise, dem schwindenden Wirtschaftswachstum und den neuen Eigenkapitalvorschriften zu berücksichtigen.

Italien ist erster Kandidat

Die Ratingagenturen teilten in einem Schreiben vom 13.
April mit, dass sie mit den Herabstufungen Anfang Mai mit einer Überprüfung der italienischen Banken beginnen werden. Danach folgen Häuser aus anderen Ländern wie Spanien, Österreich, Schweden, Norwegen, Großbritannien und Deutschland. Bei weltweiten Kapitalmarkthäusern, darunter US-Investmentbanken, sind Ratingveränderungen nicht vor Juni zu erwarten, sagen Analysten.

Herabstufungen von drei Stufen bei den langfristigen Verbindlichkeiten drohen den beiden größten Schweizer Banken, UBS AG und Credit Suisse Group, dem spanischen Kreditinstitut Banco Bilbao Vizcaya Argentaria und Morgan Stanley aus New York, erklärte Moody’s. Die Bonitätsnoten von JPMorgan, Goldman Sachs Group und HSBC könnten um zwei Stufen gesenkt werden.

Herabstufungen dürften die Misere in dem Sektor noch verschärfen, nachdem die positiven Effekte aus den Liquiditätsspritzen der EZB nachlassen und es der Politik bisher nicht gelungen ist, die Schuldenkrise zu lösen.

Kursmisere bei Banken

So ist der 43 Werte umfassende Bloomberg Europe Banks and Financial Services Index gegenüber dem Hoch vom 19. März um 18 Prozent gesunken. Der Markit iTraxx Financial Index von Kreditausfallswaps, der für 25 europäische Banken die Kosten zur Absicherung gegen einen Zahlungsausfall misst, ist im gleichen Zeitraum um 41 Prozent geklettert.

Bank of America, die britischen Banken Barclays und Royal Bank of Scotland sowie die Schweizer UBS gehören zu den Häusern, bei denen eine Senkung des Kurzfrist- Ratings möglich ist. Sollte dieses von “P-1” auf “P-2” korrigiert werden, könnten einige Geldmarktfonds ihnen nicht mehr Kredite zur Verfügung stellen.

Banken in Südeuropa können sich möglicherweise überhaupt nicht mehr privat finanzieren. Über 800 Banken haben im Dezember und Februar die Kredite der EZB in Anspruch genommen, um fällig werdende Verbindlichkeiten abzudecken und ihre Liquiditätspolster zu füllen. Nach einer Emissionswelle von vorrangigen unbesicherten Anleihen im Januar und Februar ist der Markt erneut dicht. Nur Lloyds Banking Group, die sich zu 40 Prozent im Staatsbesitz befindet, konnte als einzige börsennotierte Bank im April unbesicherte Bonds begeben.

Herabstufungen könnten auch Nachschussforderungen auslösen und die Banken zwingen, weitere Sicherheiten bei Geschäftsbanken zu hinterlegen. Morgan Stanley müsste weitere 9,61 Mrd. Dollar bereitstellen, sollte die Bonitätsnote um das Maximum von drei Stufen nach unten korrigiert werden, und bei S&P um zwei Stufen fallen, erklärte die Bank in einer Meldung an die Aufsichtsbehörden in der vergangenen Woche. Citigroup würde 4,7 Mrd. Dollar benötigen, wenn das Rating um zwei Stufen gesenkt würde, sagte die Bank.

Moody’s könnte davon absehen, die Maximal-Herabstufungen umzusetzen, nachdem Banken im ersten Quartal besser als erwartete Zahlen vorlegten und die Liquiditäts- und Eigenkapitalpuffer gestärkt wurden. JPMorgan, Goldman Sachs, Deutsche Bank, RBS und BNP Paribas haben beispielsweise im ersten Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen, nachdem die Handelserlöse wieder anzogen.

Die Bedingungen am Interbankenmarkt haben sich auch verbessert, seit die EZB ihre Pläne zur Bereitstellung von unbegrenzter Liquidität über Drei-Jahres-Kredite bekannt gab. Der Euribor-EONIA-Spread, der die Zurückhaltung der Banken bei Ausleihungen untereinander widerspiegelt, ist auf 0,38 gesunken, den tiefsten Stand seit neun Monaten.

Moody’s hatte geplant, im April mit der Veröffentlichung von Einzelheiten zu möglichen Herabstufungen zu beginnen. Am 13. April gab die Ratingagentur eine Erklärung heraus, dass sie die Veröffentlichung bis Anfang Mai verzögern werde. Einige sehen darin ein Anzeichen, dass die Lobby-Bemühungen der Banken erfolgreich waren. “Als Moody’s erstmals Ratingeinschätzungen ankündigte”, war dies vor den Ergebnissen der Stresstests und der Quartalsgewinne von großen Häusern, sagte der Vorstandsvorsitzende von Morgan Stanley, James Gorman, in einer Telefonkonferenz am 19. April. “Es ist wichtig und logisch folgerichtig, dass sie ihre Analyse dazu verschieben.”

Bloomberg/hahn

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