Horst Pirker: "Es geht um Leben und Tod"

Horst Pirker: "Es geht um Leben und Tod"

"Es geht um Leben und Tod", so der langjährige Medienmanager und Verlegerpräsident am Mittwoch bei einer Veranstaltung der International Advertising Association (IAA).

Grund für die Prognose sei die Negativspirale von Anzeigen- und Auflagenrückgang, dadurch notwendige Kostensenkungen und daraus resultierender Qualitätsverlust. Es finde hier eine Erosion statt. Erst am Dienstag hatte das Marktforschungsunternehmen Focus Media teils dramatische Werbeeinbrüche in der Printbranche eingeräumt.

Auch mit der Digitalisierung gehe es den Medienunternehmen "wirklich schlecht". Die Idee, dass man ein Printmodell ins Digitale überträgt, habe sich als falsch erwiesen: "Die Migration von Print nach Digital ist wirtschaftlich nicht möglich", sagte Pirker. Verlagen empfiehlt er daher beispielsweise ein "Separationsmodell". Das bedeutet, man müsse einerseits um das alte Geschäftsmodell kämpfen "als ob es kein anderes gäbe" und ein neues, vom alten völlig getrenntes Geschäftsmodell erschließen. Jene Medienunternehmen, die digital Geld verdienen, würden dies nicht mit Printinhalten tun, meinte Pirker, der etwa auf die deutschen Konzerne Hubert Burda Media und Axel Springer AG verwies.

Grundsätzlich habe Pirker den Eindruck, dass jene Unternehmen, die in der Zeit zwischen 1990 und 2000 die Medienwelt geprägt haben, in der Zukunft "keine entscheidende Rolle mehr spielen" werden. Er wies auch darauf hin, dass aktuell kaum noch Wettbewerb zwischen den Medienhäusern stattfinde. Sie wären dazu kaum noch in der Lage, "weil alle - die einen mehr, die anderen weniger - die Sorge haben, wie sie sich finanziell über Wasser halten".

Lob für ORF

Dem ORF gratulierte der Medienprofi zu seiner Entscheidung, mehr in Eigenproduktionen zu investieren. Nur wer im TV-Bereich originäres Programm mache und damit die Idee und die Produktion im Griff habe, könne überleben. "Wenn ich keine Rechte habe, bin ich austauschbar und werde ausgetauscht." In seiner Zeit als Chef des Red Bull Media House war Pirker auch für Servus TV verantwortlich. Mit diesem Sender habe Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz der Welt etwas zurückgeben, tradierte Werte erhalten und weitergeben wollen. Mateschitz beschrieb er als "hochcharismatischen Führer mit ausgeprägtem Imperativ zu den Kardinaltugenden" - und zu Red Bull sagte er: "Die wollen dort wirklich die Guten sein."

Pirker ist seit Februar Vorstandschef des international tätigen steirischen Abfallentsorgers Saubermacher Dienstleistungs AG. Die Medienwelt sei aber trotzdem "die große Liebe" seines Lebens und nach wie vor hält Pirker im Medienbereich Beteiligungen und ist auch an weiteren interessiert.

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