Mexiko kauft Europa: Carlos Slim nützt die Schuldenkrise

Das erklärte sein Sohn Carlos Slim Domit, der Co-Vorsitzende des Mobilfunkkonzerns America Movil, im Interview mit Bloomberg News in Mexiko City.

Sein Vater habe schon immer die Strategie verfolgt, in unruhigen Zeiten zu investieren. Ein Schritt ist bereits getan: Anfang des Monats kündigte America Movil an, die Beteiligung am niederländischen Telekomkonzern Royal KPN für 3,4 Mrd. Dollar ausbauen zu wollen. Zwar wäre dies die erste größere Transaktion von Slim in Europa, sie folge jedoch der seit langem verfolgten Taktik des Milliardärs, sagt sein Sohn: America Movil bemühe sich darum, so effizient und finanziell gesund wie möglich zu bleiben, um rasch von neuen Gelegenheiten profitieren zu können.

“Wenn schwere Zeiten kommen, kann man sich Gelegenheiten sehr flink zunutze machen”, sagt der 45-jährige Slim Domit. “Für Europa ist jetzt ein guter Zeitpunkt.” Bevor America Movil das Angebot für den Kauf der Beteiligung an dem niederländischen Telekomkonzern abgab, war dessen Kurs bis auf 6,37 Euro gefallen. Belastend wirkten sich Befürchtungen aus, dass die Nachfrage aufgrund der Schuldenkrise nachlassen könnte. Slim bot 8 Euro je Aktie für bis zu 28 Prozent an KPN. Ähnlich hatte Slim bereits vor einem Jahrzehnt Gelegenheiten in Argentinien und Brasilien genutzt und noch früher in Mexiko selbst. Diese Investments haben mit dazu beigetragen, dass er mittlerweile der reichste Mensch der Welt
ist.

Damit die Transaktion zustande kommt, müssen allerdings noch einige Hürden genommen werden. KPN hat das Angebot abgelehnt und erklärt, dass das Unternehmen damit “deutlich unterbewertet” werde. Sollte es jedoch dazu kommen, würde America Movil die Beteiligung an dem Konzern mehr als verfünffachen.

Interesse an Telekom Austria

Nach Österreich streckt Slim seine Finger zurzeit offenbar auch aus. Der Mexikaner habe die Regierung in Wien auf eine Beteiligung an Telekom Austria angesprochen, erklärte der ägyptische Milliardär Naguib Sawiris, einer der größten Aktionäre des Telekomkonzerns. Der Verkauf müsste allerdings von der Regierung genehmigt werden, und die SPÖ stehen Privatisierungen eher ablehnend gegenüber. Sawiris ist nach eigenen Angaben bereit, seine Beteiligung an Telekom Austria an America Movil zu verkaufen, sollte die österreichische Regierung sich gegen Änderungen bei dem Unternehmen sträuben.

Im Gegensatz zu Lateinamerika, wo America Movil viel Geld in Infrastruktur investierte und dadurch die Konkurrenz hinter sich ließ, sieht die Sachlage in Europa anders aus, sagt Slim Domit: “Wir gehen dort nicht als Betreiber hin. Wir sehen bei diesen Märkten eine Menge Potenzial bei der Entwicklung von Synergien. Vor allem suchen wir aber auch nach komplementären Ideen, wie wir unsere Geschäfte weiter ausbauen können”, sagt er.

Falls America Movil die Genehmigung für die KPN-Beteiligung von den niederländischen Aufsichtsbehörden erhält, soll die Transaktion bereits Anfang Juni durchgeführt werden. Das soll jedoch nicht der Schlussstrich in dem Geschäftsbereich sein. Slim sei der Überzeugung, dass die Branche im nächsten Jahrzehnt im Mittelpunkt der technologischen Änderungen stehen wird, erläutert sein Sohn. So werde beispielsweise eine stärkere Verlagerung hin zu Finanztransaktionen über Mobilfunkgeräte erfolgen.

“Mein Vater hat schon oft gesagt, dass wir in einem neuen Zeitalter leben - und Telekommunikation ist das Nervensystem dieses neuen Zeitalters.”

Bloomberg/hahn

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