"Wenn das nicht begriffen wird, dann ist das Ende sehr nah"

"Wenn das nicht begriffen wird, dann ist das Ende sehr nah"

Für Griechenland tickt die Uhr. Der Austritt aus der Eurozone, der "Euro-Tod", ist ein Szenario, auf das sich die Bevölkerung notgedrungen einstellt. Denn besonders ermutigend sind die Schlagzeilen aus dem Rest Europas derzeit nicht.

"Ein großer Teil der internationalen Presse, viele der sogenannten Beobachter und zahlreiche Politiker schaukeln sich gegenseitig mit der negativen Griechenland-Rhetorik hoch, statt uns arbeiten zu lassen", meint ein hoher Funktionär des Finanzministeriums.

Griechenland brauche mehr Zeit als viele glauben, sich zu reformieren. "Vielleicht solange wie die ehemalige DDR nach der Wiedervereinigung", meint der Athener Prokurist Nikos Vroussis, der für verschiedene mittelständische Unternehmen die Buchhaltung führt. "Wenn das nicht begriffen wird, dann ist das Ende sehr nahe."

Mit dem Ziel, den "Euro-Tod" abzuwenden, reist an diesem Freitag (24.8.) der griechische Premier Antonis Samaras nach Berlin und am Samstag nach Paris. In erster Linie will der neu gewählte Regierungschef Glaubwürdigkeit für sein Land gewinnen. Denn mehrmals seit Ausbruch der Krise hat Athen seine Versprechungen nicht eingehalten. "Wer soll uns glauben, dass wir es jetzt ernst meinen", heißt es immer wieder in Kommentaren griechischer Zeitungen. Von Trotz ist derzeit wenig zu spüren. Der griechische Finanzminister Ioannis Stournaras stellte am Wochenende klar: Nur der Verbleib in der Eurozone werde die Griechen "vor einer Armut bewahren, die wir noch nie erlebt haben".

"Mit mathematischer Sicherheit zur Katastrophe"

Die Regierung in Athen - der konservative Ministerpräsident Samaras, der Sozialist Evangelos Venizelos und der Chef der kleineren Partei Demokratische Linke (Dimar) Fotis Kouvelis - weiß, dass auch die Sparmaßnahmen soziale Unruhen auslösen könnten. Die größte Oppositionspartei, das Bündnis der radikalen Linken (Syriza), reibt sich bereits die Hände. Die Koalitionsregierung führe das Land "mit mathematischer Sicherheit zur Katastrophe", heißt es seitens der Linken. Samaras ist jedoch nach Angaben enger Mitarbeiter entschlossen, die harte Sparpolitik mit weiteren 11,5 Milliarden Euro Einsparungen fortzusetzen, "koste es parteipolitisch, was es wolle".

Am Mittwoch will sich zunächst Eurogruppen-Chef Jean Claude Juncker in Athen persönlich ein Bild vom Sparprogramm machen. Er hatte als erster EU-Spitzenpolitiker angedeutet, Griechenland könnte mehr Zeit bei der Umsetzung bekommen. Dann folgen die Gespräche mit Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Fran#ois Hollande. In Athen hofft man, dass Hollande sich für mehr Verständnis für die griechischen Probleme einsetzen werde.

Fristverlängerung um zwei Jahre

Samaras will dann in Berlin erklären, dass Athen angesichts von 23 Prozent Arbeitslosigkeit und einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 20 Prozent in drei Jahren auf die ausgestreckte Hand der Helfer angewiesen ist. Sein Land brauche für die Erfüllung der Sparauflagen dringend eine Fristverlängerung um mindestens zwei Jahre. Athen wünscht sich dafür einen Zahlungsaufschub für das erste Sparpaket und einen weiteren Schuldenschnitt für Papiere, die in den Händen der Europäischen Zentralbank sind. Samaras kann jedoch kaum hoffen, dass ihm dies öffentlich zugesichert wird.

Denn große Entscheidungen werden vor dem Bericht der Helfer-"Troika" im September ohnehin nicht erwartet. "Wir werden aber nach dieser Reise wissen, wohin der Wind weht", sagt ein griechischer Diplomat mit langer Erfahrung in Brüssel. Klarheit darüber, wie das griechische Drama zu Ende geht, wird es nach Schätzungen griechischer Diplomaten frühestens Mitte Oktober beim EU-Gipfel geben.

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