Warum Spanien keine Chance hat (1)

Die 656 Milliarden Euro schweren Bestände ausstehender Hypothekenkredite bei spanischen Banken werden das nächste schwere Problem für das Bankensystem des hoch verschuldeten Landes sein.

Davor warnt die US-Großbank JPMorgan. Die Analysten Roberto Henriques und Gareth Davies erklären in einer Studie, dass die hohe Arbeitslosigkeit in Spanien Kreditausfälle praktisch erzwinge.

Mit über 24 Prozent liegt die Arbeitslosenquote in Spanien so hoch wie nirgendwo sonst in den Ländern der Eurozone. Sie könne bis auf 30 Prozent steigen, hieß es in der Einschätzung weiter. Eine wachsende Zahl von Kreditausfällen könne aber die derzeitigen Reserven der Banken überfordern.

Spanische Banken mussen Verluste schlucken

Im Februar trat in Spanien eine gesetzliche Neuregelung in Kraft, nach der Banken im Falle von Ausfällen am Immobilienmarkt schwerere Verluste hinnehmen müssen. Die Banken müssen 35 Prozent des Wertes fertiggestellter Immobilienprojekte oder Häuser zur Seite legen. Bei unerschlossenen Grundstücken liegt die vorgeschriebene Rückstellung bei 80 Prozent, bei unfertigen Projekten bei 65 Prozent.

Vermehrte Zahlungsrückstände bei Hypotheken würden die Folgen der neuen Gesetzgebung auf die Banken verschärfen, die sich insbesondere an der Ausrichtung an problematischen Immobilienentwicklern orientiere und damit die Risiken bei Immobilienhypotheken aus dem Wohnbereich ausblende, hieß es von den Analysten.

Vermehrte Ausfälle in diesem Bereich seien voraussichtlich nicht durch den spanischen Rettungsmechanismus und den von der Finanzindustrie getragenen Einlagensicherungsfonds gedeckt, hieß es in der Studie weiter. Als weitere Folge würden die Renditen nachrangiger Anleihen im Vergleich zu vorrangigen Anleihen anziehen. Banken würden voraussichtlich mit einer vermehrten Ausgabe von nachrangigen Bonds reagieren, um ihre Kapitalanforderungen erfüllen zu können.

Hauspreise noch immer viel zu hoch

Zu den Kreditausfallsrisiken gesellt sich noch der bevorstehende weitere Verfall der spanischen Hauspreise. Die sich vor der Finanzkrise aufgeblähte Immo-Bubble hat nämlich noch lange nicht die gesamte Luft entweichen lassen. Ganz im Gegenteil, im Vergleich zum bereits korrigierten US-Immomarkt besteht noch eine Überbewertung von rund 36 Prozent (siehe Grafik). Dieser Umstand dürfte die Kreditausfälle noch einmal beschleunigen.

Daher steht eigentlich schon jetzt fest, dass ein massives Rettungspaket für die angeschlagenen spanischen Banken folgen muss. Die Euro-Zone wird sich in den kommenden Wochen zu einer Entscheidung für die Finanzierung durchringen müssen, sonst droht eine neuerliche Verschärfung der Schuldenkrise.

Jochen Hahn

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