Island ist sich mit dem Euro nicht mehr ganz so sicher

Island ist sich mit dem Euro nicht mehr ganz so sicher

Das erklärte der isländische Notenbankchef Mar Gudmundsson in einem Interview mit Bloomberg. Die Notenbank hatte zuvor in einem Bericht, die Vor- und Nachteile der Euro-Einführung analysiert. Das Fazit: Island, das in EU-Beitrittsgespräche in 2010 eintrat, könne kein neues Währungssystem in Erwägung ziehen, solange sich die Krone und der Euro nicht stabilisiert haben.

Eine stabile Krone "wird sich für uns als nützlich erweisen, sollte der EU-Beitrittsprozess dazu führen, dass sich Island für einen Euro-Beitritt entscheidet", sagte Gudmundsson zu Bloomberg. "Natürlich werden wir zumindest für weitere zwei bis drei Jahre nicht wissen, was diesbezüglich geschieht - und bis dahin könnte die Eurozone durchaus völlig anders aussehen als heute."

Die Regierung hat jedenfalls angekündigt, dass die Krone auch weiterhin nicht frei handelbar sein werde - sich also zu den Kapitalkontrollen bekannt, die eingeführt wurden, als die Finanzkrise 2008 einen Verfall der Krone um 80 Prozent gegen den Euro auslöste. Ausländische Investoren halten laut Bloomberg noch Kronen-Assets im Wert von acht Milliarden Dollar - das Schicksal dieser Anlagen hängt von der Wahl der Wechselkurspolitik Islands ab.

Klarheit verschaffen

Wir müssen uns nun Klarheit über zwei Dinge verschaffen, so Gudmundsson. “Einerseits, ob die Eurozone die Krise bewältigen kann, und andererseits, ob Island bessere Rahmenbedingungen für die Krone schaffen kann. Das ist also ein Rennen zwischen einer besseren Krone und einem besseren Euro.”

Die europäische Schuldenkrise ist mittlerweile drei Jahre und bislang steht die Lösung noch aus, auch wenn die EZB letzte Woche mit ihrer Ankündigung "unlimitierter Bondkäufe" unter Bedingungen für Beruhigung bis hin zur Euphorie sorgte. Zu Wochenbeginn kamen die spanischen und italienischen Staatsanleihen aber bereits wieder unter Druck - die Renditen auf spanische zehnjährige Anleihen kletterten wieder über sechs Prozent.

Lob von Krugman

“Zuvor war ich dazu geneigt zu glauben, dass es besser für Island ist, sich einer größeren Währungsunion anzuschließen", zweifelt Thorarinn Petursson, der Chefvolkswirt der Zentralbank, gegenüber Bloomberg. Das bedeute aber nicht, dass die gegenteilige Meinung falsch wäre: "Man kann sich über den Ausgang einfach nicht 100-prozentig sicher sein.”

Island hat für den Umgang mit der Krise jedenfalls viel Lob erhalten - etwa vom Nobelpreisträger Paul Krugman oder vom IWF. Dass sich die Regierung an die Bedingungen des Rettungsprogramms gehalten hat, die Gläubiger der Banken die Verluste mittragen mussten und gleichzeitig die Bürger vor einem Wohlstandsverlust bewahrt wurden, waren der Schlüssel zur erfolgreichen Krisenbekämpfung, sagte IWF-Island-Beauftragte Daria V. Zakharova. Islands Wirtschaft wird heuer ein Wachstum von 2,4 Prozent ausweisen, so die IWF-Schätzung. Zum Vergleich: Die Eurozone dürfte um 0,3 Prozent schrumpfen.

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