GrEXIT? - Griechenland-Pleite würde EZB mit aller Härte treffen

GrEXIT? - Griechenland-Pleite würde EZB mit aller Härte treffen

Greichenlands Schulden sind für die Banken erledigt, meint RBI-Chef Stepic im FORMAT. Anders sieht es für die EZB und die EU-Staaten aus, die dem Land Milliarden geborgt haben.

Während sich vor den griechischen Parlamentswahlen heute, Sonntag, die Appelle europäischer Politiker an den griechischen Wahlbürger mehren, sehen sich die Banken von einem "Grexit" nicht mehr bedroht - wenigstens nicht unmittelbar. Anders die öffentlichen Haushalte: Die rund 200 Mrd. Euro, die die Eurostaaten in den vergangenen beiden Jahren verborgt haben, müssten ganz oder weitgehend abgeschrieben werden. Und der EZB schuldet die griechische Zentralbank über das Euro-Zahlungsabwicklungssystem knapp 100 Milliarden Euro.

Während sich Banken und Finanzmärkte über die Kettenreaktionen sorgen, die aus einem nicht gewünschten Wahlausgang für Aktien-, Anleihe- und Währungsmärkte entstehen könnten, macht RBI-Vorstandschef Herbert Stepic im aktuellen "Format" klar, dass das Thema griechische Schulden für die europäischen Banken eigentlich "schon gegessen" sei. "Es gibt heute in etwa eine Summe von 40 Milliarden Euro an Forderungen, die noch nicht abgeschrieben sind", sagt Stepic. "Diese Größenordnung spielt keine wesentliche Rolle mehr. Die Auswirkungen werden rein wirtschaftlich sein und an den Börsen einige Zeit für Beunruhigung sorgen."

Wie bekannt, haben die privaten Gläubiger des südosteuropäischen Landes für das zweite Griechenland-Hilfspaket im vergangenen März rund 100 Mrd. Euro abschreiben müssen, unter ihnen die verstaatlichte österreichische KA Finanz, "Bad Bank" der Kommunalkredit (rund 1 Mrd. Euro Verlust). Mit dem Wertverfall der griechischen Anleihen mussten die privaten Gläubiger bereits zuvor milliardenschwere Abwertungen in Kauf nehmen.

Gegenläufig dazu haben die europäischen Regierungen seit Mai 2010 über zwei Rettungspakete 201,2 Mrd. Euro an Griechenland vergeben (zugesagt), wie die deutsche Nachrichtenagentur dpa am Sonntag zusammengerechnet hat. Gleichzeitig wurde die Europäische Zentralbank (EZB) zum bei weitem größten Einzelgläubiger Griechenlands.

Nach halboffiziellen Angaben hat die EZB im Rahmen ihres Anleihenkaufprogramms SMP rund 50 Mrd. Euro griechische Anleihen aufgekauft (Nennwert, der tatsächliche Anschaffungspreis soll bei 35 Mrd. Euro gelegen sein). Weiters schuldet die griechische Zentralbank der EZB über das europäische Clearingsystem "Target 2" 98 Mrd. Euro (per April 2012). Mit dem System werden Zahlungen innerhalb des Eurosystems abgewickelt. Wie werthaltig die Sicherheiten sind, die die griechischen Banken für Kredite bei der EZB hinterlegt haben, ist in der Öffentlichkeit unbekannt.

Vor diesem Hintergrund haben zahlreiche europäische Spitzenpolitiker in den vergangenen Tagen mehr oder weniger direkt an die griechischen Wähler appelliert, nicht die falsche Wahl zu treffen.

"Deshalb ist es so wichtig, dass auch bei der griechischen Wahl morgen möglichst ein Ergebnis herauskommt, bei dem diejenigen, die zukünftig eine Regierung bilden, sagen: Jawohl, wir wollen uns an die Abmachungen halten", erklärte etwa die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel am Samstag.

Auch Luxemburgs Premier, Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker, appellierte an Griechenland, sich nicht von der Währungsunion zu verabschieden. "Wir werden mit jeder Regierung reden müssen", sagte Juncker in einem "Kurier"-Interview. Aber: "Wenn die radikale Linke gewinnt - was man nicht ausschließen kann -, sind die Folgen für die Währungsunion nicht absehbar." Er, Juncker, könne "jeden nur davor warnen, sich von der Währungsunion zu verabschieden."

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