Frankreich rückt ins Epizentrum der Krise

Frankreich rückt ins Epizentrum der Krise

"Ich denke, es ist wahrscheinlich, dass das Defizitziel von drei Prozent der Wirtschaftsleistung verfehlt wird", erklärte Fabius am Mittwoch auf die Frage, ob eine entsprechende Einschätzung des französischen Rechnungshofes korrekt sei.

Fabius forderte, das Wachstum nicht zu behindern und gleichzeitig nicht auf Einsparungen zu verzichten. Bisher hatte die Regierung zwar stets betont, trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen an den Defizitzielen festzuhalten, am Abend kam dann aber die Bestätigung.

Frankreichs Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault hat erstmals öffentlich eingeräumt, dass sein Land das Defizitziel für dieses Jahr verfehlen dürfte. "Wir werden die drei Prozent aus einem einfachen Grund nicht genau erreichen, weil das Wachstum in Frankreich, in Europa und in der Welt schwächer als erwartet ist", sagte Ayrault am Mittwoch dem Fernsehsender France 3.

Sollte sich Frankreich 2013 tatsächlich nicht an das vorgegebene Defizitziel halten, droht eine harte Auseinandersetzung in der Euro-Zone. Etliche Euro-Partner haben intern bereits angedeutet, dass sie die strukturellen Reformen der Regierung des sozialistischen Präsidenten Francois Hollande für nicht ausreichend halten.

Als Möglichkeit zur Ankurbelung der Wirtschaft sieht Frankreich nach wie vor die Schwächung des Euro. Frankreich beklagt wiederholt, die derzeitige Euro-Stärke laste auf der einheimischen Wirtschaft. Finanzminister Pierre Moscovici hatte das Thema zu Wochenbeginn auch in der Eurogruppe zur Diskussion gestellt. Der Wechselkurs sei zwar Sache des Marktes, dennoch könne die Politik in abgestimmter Weise alle Instrumente nutzen, um für Stabilität zu sorgen.

Societe Generale und PSA melden hohen Verlust

Angespannt bleibt die Situation auch weiterhin im französischen Bankensektor. So hat die Societe Generale im vierten Quartal angesichts der Schwäche in der Euro-Zone einen Verlust verbucht und kündigt nun weitere Kosteneinsparungen in den nächsten drei Jahren an. Der Nettoverlust lag in den letzten drei Monaten 2012 bei 476 Millionen Euro, wie die zweitgrößte Bank Frankreichs am Mittwoch mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten einen Verlust von 237 Millionen Euro erwartet. Im Vorjahr hatte Societe Generale noch 100 Millionen Euro Gewinn erzielt.

Das ist aber nicht die letzte Hiobsbotschaft aus Frankreich: Denn am Mittwoch vermeldet der angeschlagene französische Autohersteller PSA Peugeot Citroen, dass 2012 mit 5 Mrd. Euro der höchste Nettoverlust seiner Geschichte geschrieben wurde .

Sorgen in Deutschland

In deutschen Regierungskreisen wird die Situation Frankreichs inzwischen als die gefährlichste für die Existenz der gesamten Euro-Zone angesehen. „Die Augen der Finanzakteure richten sich auf Frankreich und die Antwort aus Paris lässt derzeit zu wünschen übrig“, heißt es. Sollte Frankreich die Reform- und Sparmaßnahmen nicht endlich durchsetzen, werde es zum „Sprengsatz Europas“, befürchtet ein führender Oppositionspolitiker im Bundestag.

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