Die nächste spanische Provinz ist pleite

Die nächste spanische Provinz ist pleite

Nach Valencia muss nun offenbar bald Murcia als zweite spanische Provinz die Zentralregierung in Madrid um Finanzhilfen bitten, um sich über Wasser zu halten.

Dies kündigte der Präsident der Provinz an der südöstlichen Küste des Mittelmeerlandes, Ramon Luis Valcarcel, in einem am Sonntag veröffentlichten Zeitungsinterview an. "Um ihnen eine Idee zu geben, es würde um zwischen 200 und 300 Millionen Euro gefragt werden", hieß es darin. Er habe noch nicht entschieden, ob er den Antrag wirklich stelle. Kurz nach Veröffentlichung des Interviews mit dem Lokalblatt "La Opinion" ruderte die Regionalregierung jedoch wieder zurück. Laut einer später versendeten Mitteilung sprach Valcarcel von einem "Hispanobonos" genannten Mechanismus und nicht von einer Inanspruchnahme eines jüngst von der Zentralregierung aufgesetzten Fonds über 18 Milliarden Euro. Das Prinzip von "Hispanobonos" ist die Vergemeinschaft von Schulden. Das Konzept ist allerdings noch nicht funktionsfähig.

Die 17 autonomen Regionen Spaniens müssen in diesem Jahr etwa 36 Milliarden Euro ihrer fällig werdenden Verbindlichkeiten refinanzieren und rund 15 Milliarden Euro aufbringen, um ihre Haushaltslöcher zu stopfen. Die Lokalregierungen sind praktisch von den Finanzmärkten ausgeschlossen, da sie die derzeit fast unhaltbar hohen spanischen Renditen nicht tragen können. Murcia muss im zweiten und dritten Quartal 430 Millionen Euro an Darlehen begleichen. Medienberichten zufolge benötigen derzeit sechs Provinzen Finanzhilfe. Dazu gehören auch Andalusien, Katalonien, die Balearen wie auch die Kanaren.

Valcarcel sagte in dem Zeitungsinterview, er hoffe, dass die Zentralregierung die Mittel bis September bewilligen werde. Zugleich versicherte er, die Gelder seien kein Geschenk, sondern an harte Bedingungen geknüpft.

Valencia hatte am Freitag mit seiner Ankündigung, Hilfen zu beantragen, für großes Aufsehen an den Finanzmärkten gesorgt. Anleger reagierten verunsichert und sahen sich in ihren Befürchtungen bestätigt, dass Spanien möglicherweise doch komplett unter den Rettungsschirm schlüpfen muss. Ebenfalls am Freitag kürzte die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy die Wachstumsprognose. Demnach schrumpft Spaniens Wirtschaftsleistung auch im kommenden Jahr.

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