"Die Lage ist völlig verfahren"

"Die Lage ist völlig verfahren"

Otmar Issing war einer der Masterminds hinter der Einheitswährung - heute macht er sich um den Euro sorgen. Schuldzuweisungen an Deutschland weiste er zurück.

Otmar Issing, bis 2006 Chefökonom der Europäischen Zentralbank (EZB), sieht die Lage in Euroland mittlerweile als "völlig verfahren". In einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit dem Schweizer Finanzmagazin "Cash" verteidigt sich Issing gegen Vorwürfe, die deutschen Vertreter in der EZB hätte durch politischen Druck im vergangenen Jahrzehnt höhere Lohnabschlüsse in Deutschland (mit)verhindert und seien damit für die Leistungsbilanzungleichgewichte in der Währungszone verantwortlich.

In Deutschland seien die Tarifparteien wegen der hohen Arbeitslosigkeit eben zurückhaltend gewesen, erläutert Issing dem Schweizer Blatt. "In anderen Ländern sind die Lohnsteigerungen weit über den Produktivitätsanstieg hinausgegangen. Es ist schlichtweg absurd, dafür Deutschland die Schuld zuzuweisen." Issing antwortet damit auf jüngste Aussagen von UNCTAD-Chefökonom Heiner Flassbeck, der nach 1998 der ersten Regierung Gerhard Schröder angehört hatte.

Issing, der das Anleihenkaufprogramm der EZB kritisiert, will ähnliche Aktionen der deutschen Bundesbank in den Siebzigern nicht mit den EZB-Anleihekäufen verglichen sehen, denn erstere "dienten der Stabilisierung der Konjunktur. Die Käufe der EZB sind (zu) selektiv, um einzelnen Ländern zu helfen".

Otmar Issing gilt als Architekt der europäischen Geldpolitik und als einer der Gründerväter des Euro. Es bestehe die Gefahr weiterer sozialer Unruhen als Folge der europäischen Sparmaßnahmen, sagt er: "Sie ist umso größer, je weniger die Regierungen ihren Bürgern die Notwendigkeit erklären und eine Perspektive für eine bessere Zukunft aufzeigen."

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