Deutsche Banken wollen ihre Schulden bei der EZB begleichen

Deutsche Banken wollen ihre Schulden bei der EZB begleichen

Ein Jahr nach den Milliardenspritzen der Währungshüter wollen die Institute nach Informationen aus Finanzkreisen schon im Januar mit der Rückzahlung beginnen.

Ähnliche Pläne haben Großbanken in Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien. Sie alle hatten sich Anfang 2012 das Geld eigentlich für drei Jahre zum Mini-Zins von damals einem Prozent geliehen, um Liquiditätsengpässen vorzubeugen. Inzwischen müssen die Banken nur noch 0,75 Prozent Zinsen zahlen, da der Leitzins gesunken ist.

Vor einem Jahr war die Nervosität groß - die Euro-Schuldenkrise steuerte auf einen neuen Höhepunkt zu, die Geldmärkte drohten einzufrieren: In zwei Tranchen besorgten sich Europas Finanzinstitute daher rekordverdächtige eine Billion Euro, allein an deutsche Häuser flossen nach Schätzungen von Analysten 69 Milliarden Euro. EZB-Präsident Mario Draghi wollte mit den Geldspritzen - auch bekannt unter dem Schlagwort LTRO - verhindern, dass die Schuldenkrise das gesamte Finanzsystem infiziert und die Banken wie Jahre zuvor kaum mehr an Geld kommen.

Vom 30. Januar an haben die Banken nun wöchentlich die Möglichkeit, das Geld aus der ersten Tranche von 489 Milliarden Euro zurückzugeben. Ab dem 27. Februar geht es dann für die zweite Tranche von 529 Milliarden Euro los. Analysten von Barclays schätzen, dass bis Juni insgesamt etwa 200 Milliarden Euro an die EZB zurückfließen werden, darunter von französischen Instituten 80 Milliarden, von spanischen Häusern 30 Milliarden und aus Deutschland 25 Milliarden. "Wir gehen davon aus, dass sich die bekannten Namen zuerst vom LTRO lösen, um eine klare Botschaft an den Markt zu senden", sagt Barclays-Rentenstratege Giuseppe Maraffino in London.

Commerzbank legt sich fest

Die Commerzbank, die sich insgesamt 16 Milliarden Euro bei der EZB besorgt hatte, kündigte bereits im November an, im ersten Quartal die zehn Milliarden Euro aus der ersten Tranche zurückzugeben. Nach den Worten von Finanzchef Stephan Engels kann sich Deutschlands zweitgrößte Bank inzwischen günstiger refinanzieren als über die EZB. Ihr Kreditgeschäft hat die Commerzbank ohnehin geschrumpft. Die Deutsche Bank, die sich Finanzkreisen zufolge bis zu zehn Milliarden Euro bei der EZB besorgt hat, hält sich zu ihren Plänen offiziell noch bedeckt. Generell wolle das Institut das Geld nicht auf einen Schlag, sondern in kleinen Schritten zurückgeben, sagte ein Insider.

Die Pfandbriefbank pbb, Nachfolgerin der in der Finanzkrise kollabierten Hypo Real Estate (HRE), hatte bei der EZB ebenfalls zugegriffen und sich bei beiden Tranchen jeweils rund zwei Milliarden Euro geholt. Vom LTRO I könnten nun im Januar bereits 20 Prozent vorzeitig zurückgezahlt werden, verlautete aus Kreisen des Instituts. Die Immobilienbank habe genügend Liquidität, auch weil sie 2012 deutlich weniger Neugeschäft gemacht hat als geplant. Die Wiesbadener Konkurrentin Aareal Bank, die beim LTRO II Kreisen zufolge mit einer Milliarde Euro zugegriffen hatte, kann erst beim zweiten Termin Ende Februar Geld zurückgeben. Nach Angaben von Insidern ist darüber aber noch nicht entschieden. Die VW -Finanztochter Volkswagen Financial Services, die sich zwei Milliarden geliehen hatte, wollte sich nicht zu ihren Rückzahlungsplänen äußern.

Kein Image-Schaden

"Für viele Institute war der LTRO eine Rückversicherung, die man am Ende gar nicht gebraucht hat", sagte ein Banker. "Und das Gute daran ist: Wer Geld genommen hat, dessen Image hat noch nicht einmal gelitten."

In der Tat hat sich die Lage auf dem Refinanzierungsmarkt deutlich entspannt, nachdem EZB-Chef Draghi im Juli erklärt hatte, die Euro-Zone um jeden Preis zu verteidigen. Etliche Großbanken können sogar wieder unbesicherte Anleihen bei Investoren platzieren. Das gilt in erster Linie für Schwergewichte wie BNP Paribas, Societe Generale, Santander, Unicredit und Lloyds, die laut Branchenkreisen alle eine vorzeitige Rückzahlung des EZB-Geldes vorbereiten. Offiziell äußert sich keines der Häuser dazu. Wie die EZB die wöchentlichen Daten veröffentlicht, ist noch offen.

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