Heute beginnt die ÖVAG bei Null

Um 1,34 Mrd. Euro Verlust wegzubringen, wird das Kapital um 70 Prozent herabgesetzt. Alle Beteiligungswerte wurden auf Null abgeschrieben.

In der ÖVAG selbst gilt das vor allem für die verbliebene Problembank in Rumänien. Mit dem rettenden Aktionär Staat an Bord passiert die folgende Sanierung und Restrukturierung nun aber im politischen Scheinwerferlicht. Ohne größeres politisches Aufsehen wurde gestern Abend ein Volksbanken-sektorinterner Kraftakt gestemmt. Es sind alle Unterschriften der Volksbanker unter die neuen Verbund-und Haftungsverträge da. Eine kleine Wiener Ratenkreditbank stemmt sich noch.

Einen Vorgeschmack auf die Art der Auseinandersetzungen lieferte der Poker um die Bankspitze. Als die frühere EZB-Bankerin Gertrude Tumpel-Gugerell Anfang April für den neuen Aufsichtsrat nominiert wurde, war zunächst klar, dass sie dort den Vorsitz übernehmen würde. Daraufhin pochte das VP-geführte Finanzressort auf den Wirtschaftskammer-Vizepräsidenten Hans Jörg Schelling als neuen Präsidenten. Tumpel-Gugerell zieht nun nicht in den neuen ÖVAG-Aufsichtsrat ein, ihr wird Verärgerung nachgesagt.

Als formaler Grund für die Absage Tumpel-Gugerells wurde gestern die noch bis Juli laufende Cool-off-Frist nach der EZB-Direktoriumstätigkeit genannt. In der ÖVP wird aber darauf verwiesen, dass sie schon in einem anderen Bank-Aufsichtsrat sitzt und auch bei der Commerzbank designiert ist. Als Wunschkandidat der SPÖ für die Aufsichtsratsspitze nach Tumpels Absage gilt nun der Ex-Bank-Austrianer Franz Zwickl.

Es geht ums Kapital

Morgen, Donnerstag, ist Hauptversammlung in der ÖVAG. Da wird der neue Aufsichtsrat gewählt. Im Anschluss konstituiert sich das Gremium mit Präsidentenkür. Im Mittelpunkt der HV steht aber der Kapitalschnitt und die Wiederauffüllung des Kapitalpolsters. Mit der Kapitalherabsetzung um 70 Prozent sind auch 700 Millionen des 2009 eingeschossenen Staats-PS-Kapitals (1 Mrd. Euro) weg. Im selben Augenblick wird aber das Kapital wieder aufgefüllt: Der Staat kauft junge Aktien der Bank für 250 Mio. Euro und steigt damit neu ins stimmberechtigte Aktienkapital ein. Die Volksbanken, die bisher schon die Mehrheit hatten und denen 30 Prozent des Aktienkapitals erhalten bleiben, zeichnen 234 Millionen und bleiben damit Mehrheitsaktionäre.

Bedingung für die Bundes-Rettungsaktion für die ÖVAG war, dass die Volksbanken an Bord bleiben, namentlich eine Verbundbank bilden samt strenger Haftungsvereinbarungen. 61 Volksbanken haben bis gestern Abend diese Neustrukturierung beschlossen und auch die Zusagen für die Kapitalstärkungen gemacht. Keine der Volksbanken komme damit in Probleme, hieß es zur APA. Eine Mini-Spezialbank, das Wiener Spar-und Kreditinstitut, blieb die Unterschriften schuldig. In informierten Kreisen wird davon ausgegangen, dass nicht zuletzt die Aufsicht den Abweichler mit Nachdruck zur Räson bringt. Außerhalb des Sektors werden dem kleinen Institut auf Sicht wenig Chancen eingeräumt.

Neue Aktien zeichnen von den Altaktionären nur die regionalen Volksbanken bzw. die zugehörigen Spezialinstitute. Die übrigen ÖVAG-Aktionäre, wie die deutsche DZ Bank oder Raiffeisen, beteiligen sich nicht mehr. Sie haben ihre Anteile in ihren eigenen Bilanzen ebenfalls schon auf Null gestellt. Die DZ-Bank hat sich verpflichtet, ihre Liquidität in der Bank zu belassen, namentlich in der Tochter in Rumänien und in der Leasingtochter.

APA

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