Euro-Schuldenkrise: Wie viele Dominosteine dürfen fallen?

Während in Madrid Finanzinstitute verstaatlicht werden, scheint eine Zukunft im Euro für Athen zweifelhafter denn je. Über dem Krisenszenario hängt aber wie ein Damoklesschwert Spanien und Italien - Euro-Schwergewichte, die auf keinen Fall in den Abwärtssog geraten dürfen. Wie kritisch ist die Situation und wie groß die Ansteckungsgefahr, die von den aktuellen Krisenherden ausgeht?

Welche Folgen hätte ein griechisches Euro-Aus?

Obwohl die von Griechenlands Banken ausgehenden Ansteckungsgefahren als überschaubar und weitgehend abgeschirmt gelten, könnten die Risiken immens sein. Hintergrund ist vor allem der psychologische Effekt, den ein Exit an den Märkten hätte: Bisher wurde die Eurozone als untrennbare Schicksalsgemeinschaft betrieben. Würde diese Einheit aufgebrochen, wäre es nur eine Frage der Zeit, wann Spekulanten auf den nächsten Aussteiger setzen. Der Freiburger Wissenschaftler und Wirtschaftsweise Lars Feld warnte deshalb eindringlich im "Handelsblatt": Das Ende eines Mitglieds in der Währungsunion lade dazu ein, "auf den Austritt des nächsten Landes zu wetten".

Wie kritisch ist es um den spanischen Bankensektor bestellt?

Die faulen Kredite der Geldhäuser sind eine Blackbox. Gerade das macht die Finanzmärkte so nervös. "Was in den spanischen Banken los ist, davon haben wir keine Ahnung", heißt es laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" in Bundesbank-Kreisen. Fest steht: Die spanischen Banken wanken. Dem Bericht nach sitzen sie auf Krediten von rund 1 Billion Euro, die am maroden Immobiliensektor hängen und brauchen deshalb dringend frisches Kapital als Risikopuffer. Die Schätzungen reichen von 50 Mrd. bis zu 200 Mrd. Euro.

Hat Spanien einen Plan zur Lösung der Probleme?

Bisher zumindest keinen, der Experten und Finanzmärkte überzeugt. Das soll sich nun ändern. Nachdem der Kreditriese Bankia, die viertgrößte spanische Bank, inklusive seiner Muttergesellschaft verstaatlicht wurde, kündigt Ministerpräsident Mariano Rajoy weitere Maßnahmen an. Seine geplante Bankenreform soll noch an diesem Freitag vom Kabinett verabschiedet werden und die Probleme der Finanzwirtschaft größtenteils lösen. "Wir wissen, was zu tun ist, und wir werden es tun", sagte der Regierungschef am Donnerstag.

Kann der Befreiungsschlag gelingen?

Die Skepsis ist groß. Anders als beispielsweise Irland, das ebenfalls mit den Folgen einer geplatzten Immobilienblase zu kämpfen hat, wurde das Bankenproblem in Spanien zu lange vor sich her geschoben und konnte sich so zum Fass ohne Boden entwickeln. Bis vor kurzem noch betonte die Regierung, es würden keine öffentlichen Mittel zur Bankenrettung eingesetzt. Nach wie vor ist unklar, ob Rajoy seine Versprechen halten kann und die Probleme nun konsequent angepackt werden. Gegen einen wirklichen Rundumschlag wie in Irland, wo die Ausfallrisiken des Finanzsektors über eine Bad Bank in staatliche Hände ausgelagert wurden, sträubt sich die Regierung. Dafür wären Summen erforderlich, die aus dem spanischen Staatshaushalt niemals gestemmt werden könnten.

Braucht Spanien ein Hilfsprogramm?

Experten können sich ein solches Szenario durchaus vorstellen. "Wir halten es für wahrscheinlich, dass Spanien dieses Jahr eine Art von Troika-Programm beantragen wird", sagte CitiGroup-Chefvolkswirt Willem Buiter bereits im vergangenen Monat. Allerdings geht der Ökonom nicht davon aus, dass das Land vollkommen vom Kapitalmarkt abgeschnitten wird. Buiter erwartet, dass sich Spanien - anders als Griechenland, Irland und Portugal - zumindest zum Teil weiter bei privaten Investoren Geld besorgen kann und lediglich zusätzliche Hilfen aus den Rettungsfonds ESM und EFSF oder vom Internationalen Währungsfonds erhalten würde.

Könnte sich die spanische Krise zum Flächenbrand ausweiten?

Die Gefahr eines Übergreifens auf den Rest des Euroraums hat sich zwar zuletzt verringert, da ausländische Investoren in großem Stil spanische Anleihen abgestoßen haben. Da ein Großteil der Papiere nun bei spanischen Banken liegt, ballen sich dort jedoch noch größere Risiken. Um zu sehen, wie kritisch Investoren die Ansteckungsrisiken bewerten, reicht ein Blick auf Anleihemärkte. Im Fahrwasser der steigenden Renditen für spanische Titel ziehen auch die italienischen Pendants an - und in Rom liegt der Kern des Euro-Problems.

Was passiert, wenn die Lage in Italien eskaliert?

Die Einschätzungen, ob und wie lange Spanien unter den Euro-Rettungsschirm passen würde, gehen auseinander. Bei Italien gibt es dagegen keinen Zweifel: Die drittgrößte Volkswirtschaft im Euroraum ist zu groß, um aufgefangen zu werden. "Keine Brandschutzmauer ist hoch genug, um Italien abzuschirmen", betont Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank. Italiens Anleihemarkt hat ein Volumen von 1900 Milliarden Euro, Spanien bringt es lediglich auf rund 700 Mrd. Euro. "Rom ist der Schlüssel zur Lösung der Schuldenkrise", so Berenberg-Experte Schmieding. Der Weg nach Rom führt im Fall der Euro-Krise über Madrid.

APA/DPA/hahn

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