"Die Griechen hassen die Deutschen nicht"

Fluglinien und Reiseveranstalter berichten von Buchungsrückgängen auf dem von bis zu 30 Prozent. Offenbar fürchten die Urlauber um ihre Sicherheit infolge der hohen politischen Spannungen und negativer Berichte in den griechischen Medien.

Das hochverschuldete Griechenland steckt in einer tiefen Rezession und kämpft mit harten Sparauflagen und strukturellen Veränderungen, die es im Gegenzug für das EU-Rettungspaket vornehmen muss. Dabei richtet sich die Wut vor allem gegen Deutschland, das sich vor allem für Sparmaßnahmen stark macht. Einige griechische Politiker zogen sogar Vergleiche zur Nazi- Besetzung im Zweiten Weltkrieg.

Bilder von Demonstrationen in Griechenland, bei denen deutsche Flaggen verbrannt werden, und Berichte über Gewalt gegen vermeindliche Deutsche verunsichern die Urlauber. So fiel in der vergangenen Woche ein Holländer der deutschlandfeindlichen Stimmung in Griechenland zum Opfer. Der 78-Jährige wurde für einen Deutschen gehalten und von zwei Männern zusammengeschlagen. Danach musste er im Krankenhaus behandelt werden, wie die staatliche Nachrichtenagentur ANA berichtete.

Vor diesem Hintergrund will der deutsche Taxifahrer Rudolf Kugel, der Griechenland schon unzählige Male besucht hat, so schnell nicht wieder Urlaub in dem Land machen. “Sie machen die Deutschen für ihr ganzes Elend verantwortlich”, sagte der 62- Jährige aus der Nähe von Stuttgart. Im Urlaub sollte man sich entspannen können und “nicht gelyncht” werden, erklärte er. Das sieht auch Gerda Lambert so. “Ich möchte mich im Urlaub erholen, und wegen der gegenwärtigen politischen Spannungen in Griechenland ist nicht sicher, ob ich das tun kann”, sagte die 62-Jährige am Dienstag in Frankfurt.

Die anti-deutsche Stimmung hat sich bereits negativ auf den Fremdenverkehr in Griechenland ausgewirkt. Wie die griechische Notenbank am 25. April mitteilte, sank die Zahl der Urlauber im Februar um 12,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Einnahmen brachen sogar um 61 Prozent auf 10,3 Mill. Euro ein. Aktuellere Zahlen liegen derzeit nicht vor.

Buchungen sinken und sinken

Der Abwärtstrend bei den Buchungen hält nach Angaben von Anja Braun, Sprecherin der TUI in Hannover, weiterhin an. Im März habe es zwar eine kleine Erholung gegeben, seit der wieder aufgeflammten Debatte über einen möglichen Austritt Griechenlands aus dem Euroraum und der Parlamentswahl Anfang Mai seien aber wieder Buchungsrückgänge zu verzeichnen. “Ganz am Anfang, im November, gingen sie sogar um rund 30 Prozent zurück”, sagte Braun im Telefoninterview mit Bloomberg News.

Dies spiegelt sich auch in den Passagierzahlen von Air Berlin wider. Europas drittgrößte Billigfluglinie habe in diesem Jahr 30 Prozent weniger Passagiere von Deutschland nach Griechenland befördert, sagte Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn gestern. Deutschlands größte Fluggesellschaft, die Deutsche Lufthansa, verzeichnet dagegen keinen größeren Rückgang im Griechenland-Geschäft. “Wir befördern in erster Linie Geschäftsleute”, erklärte Boris Ogursky, Sprecher des Branchenprimus in Frankfurt. Lufthansa fliege außerdem nur nach Athen und nicht - so wie Air Berlin - auf die griechischen Inseln.

Die Sorgen der deutschen Touristen sind nach Einschätzung von Hotellier Kostas Dimitrokalis unnötig. “Die Griechen hassen die Deutschen nicht” versicherte der 53-Jährige, der fünf Hotels auf der Insel Santorin besitzt. “Wir wollen, dass sie zurückkommen.” Das Ausbleiben der Touristen dürfte die wirtschaftliche Lage in dem krisengeplagten Land verschlimmern. Der Tourismus ist eine wichtige Säule der griechischen Wirtschaft und macht etwa 16 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Zudem stellt die Branche nach Angaben des in London ansässigen World Travel and Tourism Council fast jeden fünften Arbeitsplatz. Außerdem waren die Deutschen mit 2,2 Millionen Urlaubern im vergangenen Jahr die am stärksten vertretene Nationalität, gefolgt von Großbritannien.

Der Chef der griechischen Partei Syriza, Alexis Tsipras, rief die Deutschen bei seinem Besuch in Berlin dazu auf, Solidarität zu zeigen und ihren Sommerurlaub in Griechenland zu verbringen. Tsipras, der jüngsten Umfragen zufolge gute Chancen hat, nächster Regierungschef zu werden, lehnt die Sparauflagen der EU strikt ab und will das EU- Rettungspaket aufkündigen. Doch auf die deutschen Touristen will er nicht verzichten. “Ihr werdet Gastfreundschaft erleben, die natürlich auch Deutschen gegenüber warmherzig sein wird”, versprach Tsiparis.

Bloomberg

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